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16.06.03 / 00:10
Heft 12/2003 Medizin
Andrologie

Dauerhafte Heilung der erektilen Dysfunktion

Seit drei orale wirksame PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil) in Deutschland erhältlich sind, überschlagen sich die Meldungen zur Erektilen Dysfunktion (ED). Das Neueste: Die Einnahme einer mittleren Dosis Sildenafil über ein Jahr täglich zur Nacht kann bei 57 Prozent der so behandelten Männer zu einer offenbar dauerhaften Heilung der ED führen.



Sexuelle Probleme? Das Thema muss heute nicht mehr sein! Foto: PhotoDisc

Bereits in den vergangenen Jahren geisterte die niedrig dosierte Dauertherapie mit Sildenafil (Viagra®) als echte Alternative für sexuell alternde Männer (siehe Kasten) durch die Kreise von Prüfärzten. Nun ist es offiziell: Wie PD Dr. Frank Sommer auf dem 18. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie Mitte März in Madrid auseinander setzte, vermag eine solche Dauertherapie den Männern nicht nur das subjektive Gefühl des Mann-Seins wiederzugeben. Es gelingt auch bei mehr als der Hälfte der Patienten, die Therapie nach einem Jahr erst einmal abzuschließen. Die Patienten scheinen bis auf Weiteres dauerhaft geheilt zu sein.

Kleine Pionierstudie

Dr. Sommer schloss in der Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Köln 64 im Durchschnitt zu Studienbeginn 46-jährige Männer mit seit mindestens sechs Monaten bestehender ED ein. Die kleine Jahresstudie hatte drei Arme:

• Täglich vor dem Schlafengehen Einnahme von 50 mg Sildenafil;

• 50 oder 100 mg Sildenafil nach Bedarf zum Schlafengehen, also nur vor Nächten mit geplanter sexueller Aktivität;

• Keine spezifische ED-Behandlung.

Nach einem Jahr kamen 57 Prozent der ersten, zehn Prozent der zweiten und nur 5,5 Prozent der dritten Gruppe ohne Therapie zu einer befriedigenden sexuellen Aktivität. Das nach einem internationalen Score aus der Befragung der Studienteilnehmer erhobene Ergebnis ließ sich nach Dr. Sommers Worten auch durch Messung mit dem Farbdoppler an den Penisarterien bestätigen. Die Spitzenflussgeschwindigkeit nahm in der ersten Gruppe um zehn Zentimeter pro Sekunde zu und stieg in der zweiten Gruppe um nicht mehr signifikante 2,7 cm/s an. In der Gruppe der unbehandelten Patienten nahm dieser Parameter etwas ab. In der jüngsten Ausgabe der MMW-Fortschritte der Medizin (Jg. 145, 2003, Heft 19, S. 58-59) gibt Sommer eine interessante pathophysiologische Interpretation für dieses Phänomen: Zur Nachtzeit eingenommenes Sildenafil sorge bei den Patienten für nächtliche Erektionen, wie sie bei Gesunden aller Altersklassen regelmäßig vorkommen. Davon profitierten offensichtlich die glatten Muskelzellen im Schwellkörper. Ohne ein solches „peniles Muskeltraining“ käme es zum bindegewebigen Umbau im Schwellkörper und damit zum Funktionsverlust. Die Wiederherstellung der regelmäßigen Erektionen sei – so scheint es – in der Lage, die einsetzende Fibrose des Schwellkörpers zurückzudrängen. Das erklärt Sommer wiederum mit der besseren Durchblutung des Schwellkörpergewebes während der im Durchschnitt drei bis fünf nächtlichen Erektionen.

Erstes Fazit

Bei der Studie handelt es sich um eine nicht-verblindete Pilotstudie mit einer geringen Zahl relativ junger Männer. Das relativiert die Ergebnisse für eine große Gruppe der Patienten mit ED, die älter oder mit Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Zustand nach Prostatektomie belastet sind. Anderseits bestätigen die Resultate mehrfach berichtete sporadische Ergebnisse und der Pathomechanismus leuchtet ein. – Ein großes Hindernis ist der Kostenpunkt einer solchen Dauertherapie.

Da ist, wie auch die MMW-Fortschritte der Medizin schlussfolgert, doch die Prävention der ED durch möglichst tägliche oder nächtliche sexuelle Betätigung in der Regel preisgünstiger und angenehmer zu haben.

Dr. Till U. Keil

Veränderungen der Sexualität beim alternden Mann

1. Libido

– Nachlassen/Verlust

2. Erektion

– Reduzierte Sensitivität und Erregbarkeit

– Nachlassende Rigidität

– Verzögerter Eintritt der Erektion

– Stärkere (wie taktile) sexuelle Reize zur Erregung nötig

– Refraktärperiode verlängert

3. Ejakulation

– Reduziertes Volumen

– Verminderte Wucht

4. Orgasmus

– Reduzierte Intensität

– Geringere Befriedigung

Quelle: www.mann-intakt.de



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