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16.09.11 / 00:05
Heft 18/2011 Zahnmedizin
Teddyzahnklinik an der Universität Frankfurt

Der Angst zuvorkommen

Das Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main öffnete seine Türen für 250 Kinder aus 17 umliegenden Kindergärten. In den Behandlungsstühlen, an denen sonst die Zahnmedizinstudenten am Phantomkopf manuelle Fertigkeiten erlernen, saßen einen Tag lang zahnkranke Teddybären.




Angst vor dem Zahnarzt ist allgemein ein großes Problem. Viele Erwachsene fürchten sich vor einem Besuch in der Praxis und ein großer Teil gibt diese Angst unbewusst an seine Kinder weiter. In der Frankfurter Teddyzahnklinik versuchen Studierende der Zahnmedizin auf spielerische Art und Weise, Kindern die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen beziehungsweise diese gar nicht erst entstehen zu lassen. Dabei werden nicht nur die Zahnsorgen der Kuscheltiere kuriert, mit den Kindern wird auch richtiges Zähneputzen geübt und nebenbei gibt es noch Tipps zur gesunden Ernährung.

Perspektivwechsel

Vor Ort spielen die Kinder (zwischen drei und sechs Jahren) die Teddyeltern. Die Kuscheltiere sind ihre Patienten. Und die Zahnmedizinstudenten heißen heute Krokodocs. Durch diese Rollenverteilung können die Kinder gleichzeitig als Beobachter und als Helfer mitwirken. So können sie verstehen lernen, woher die verschiedenen Geräusche beim Zahnarzt kommen oder wofür die vielen Instrumente eingesetzt werden. Dazu müssen die Kuscheltiere nicht mal über eine Mundöffnung oder gar Zähne verfügen. Die Kinder haben genug Fantasie, sich Zähne vorzustellen. Ziel der Aktion: Die angehenden Zahnärzte vermitteln den Kindern auf spielerische Weise in entspannter Athmosphäre den Ablauf einer zahnärztlichen Behandlung. So erfahren die kleinen Patienten, was später auf sie zukommt.

Gemeinsam mit den Krokodocs werden die Teddys von den Kindern mit Originalinstrumenten „behandelt“. Mit Mundschutz und Handschuhen bekleidet wird zuerst mit dem Spiegel im Mund des Tieres geschaut, ob es gut geputzt hat oder ob Behandlungsbedarf vorhanden ist. Zur Diagnosesicherung wird mit eigens für die Kuscheltiere gebastelten Röntgengeräten ein „Röntgenbild“ erstellt, anschließend mit echten Bohrern gebohrt, nötige Füllungen werden gelegt.

Nachdem es den Kuscheltieren wieder gut ging, wurde an einem großen Gebiss mit riesiger Zahnbürste das richtige Zähneputzen geübt. Nach einem Ernährungsrätsel erforschten die Kinder den großen Behandlungsstuhl und konnten mit ihm in die verschiedenen Behandlungspositionen fahren.

Am Ende der Behandlung waren die Kuscheltiere beschwerdefrei und die Kinder sowie die Erzieher gingen mit positiven Erfahrungen und hoffentlich weniger Bedenken vor dem nächsten Zahnarztbesuch nach Hause.

OÄ Dr. med. dent. Steffani Janko
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Universität Frankfurt am Main
s.janko@em.uni-frankfurt.de



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