zm-online
16.03.07 / 00:15
Heft 06/2007 Medizin
Hoffnung für Geplagte

Der Duft, der Mücken verscheucht

Forscher haben jetzt einen Duftstoff aus menschlichem Schweiß isoliert, der Mücken abwehrt. Das könnte die Lösung für viele geplagte Camper, Trecker oder Menschen sein, die wie ein Magnet die Quälgeister anziehen.




Das hohe Sirren in der frühen Morgendämmerung ist unverkennbar und holt einen aus den schönsten Träumen – Mückenweibchen auf der Suche nach einem Opfer und seinem Blut. Während männliche Mücken sich mit Nektar und Pflanzensaft zufriedengeben und ein entsprechend geruhsames Leben führen, riskieren Weibchen den Totschlag, um ihre Brut groß ziehen zu können. Ihre Opfer wittern hungrige Mücken aus einer Entfernung von bis zu 70 Metern. Das Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft sowie die Wärme und der Geruch der Haut führen sie zur Blutquelle. Dabei haben sie eine große Vorliebe für gut durchblutete, unbehaarte Körperstellen.

Der Stechversuch

Nun haben zwei britische Forscher herausgefunden, warum manche Menschen Mücken magisch anziehen, während andere kaum gestochen werden, wie in New Scientist 07/06 beschrieben wurde. James Logan und John Pickett vom britischen Rothamsted Research Center benutzten dazu eine Y-förmige Versuchsanordnung, mit der sie je zwei Probanden testeten. Jeder Versuchsteilnehmer musste eine Hand in den langen Arm des „Y“ stecken. Die Mücken, am kurzen Ende losgelassen, hatten die Qual der Wahl. Diejenigen Probanden, die von Mücken nicht gestochen wurden, wickelten die Forscher in Plastikfolie und sammelten ihren Schweiß.

Menschlicher Schweiß besteht aus einer Vielzahl von Substanzen. Die Wissenschaftler zerlegten ihre „geruchsintensive Beute“ in die einzelnen Duftstoffe, die sie dann den Mücken zum Riechen gaben. Logan und Picket hatten die Antennen der Mücken zuvor mit Elektroden versehen, so dass sie deren Reaktion auf die einzelnen Duftstoffe anhand des elektrischen Signals messen konnten.

Die Wissenschaftler haben auf diese Weise eine Substanz isoliert, die auf Mücken ganz und gar abstoßend wirkt. Bekannt war bislang, dass die Insekten von einem Duftgemisch aus Milchsäuren, Fett- und Aminosäuren angelockt werden – Stoffe, die ebenfalls im menschlichen Schweiß vorhanden sind. Dass die Insekten „süßes Blut“ anziehend finden, gehört hingegen ins Reich der Legenden. Auch die bisherige Annahme, dass Menschen, die nicht gestochen werden, weniger von dem Lieblingsgeruch der Mücken produzieren, scheint nicht zu stimmen. Nach den Ergebnissen von Logan und Pickett sieht es vielmehr danach aus, als produzierten Ungestochene einen Duft, der den Lieblingsgeruch der Mücken überdeckt.

Moskitoschutz avisiert

Das wollen die beiden Forscher nun ausnutzen und auf ihren Antimücken-Duft ein Patent anmelden. Zurzeit testen sie die Substanz in Afrika an der Malaria übertragenden Anopheles. Sie hoffen, dass sie ein neues Mückenschutzmittel entwickeln können, das wirksam und verträglich ist. Das bisher effektivste Mückenschutzmittel, DEET (Diethyltoluamid), ist in den Verdacht geraten, nervenschädigend zu wirken. Außerdem greift DEET Kunststoffe an. So lange kein rundum tauglicher Moskitoschutz existiert, bleibt nur der Mückenmord oder das Moskitonetz.

Juliette Irmer
Merzhauserstr. 157c
79100 Freiburg

INFO

Weltweit sind rund 3 000 Stechmückenarten bekannt. Etwa 110 Arten kommen in Mitteleuropa vor. In Europa gelten sie als lästige Quälgeister, deren Stiche unangenehm jucken können, als Krankheitsüberträger spielen sie keine Rolle. In anderen Gebieten der Welt, vor allem in tropischen Regionen, übertragen Stechmücken gefährliche Infektionskrankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Denguefieber und Elephantiasis.



Mehr zum Thema


Anzeige