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01.04.06 / 00:14
Heft 07/2006 Praxis
Glänzende Aussichten trotz Höchststand

Der Gold-Standard

Mit nur kleinen Rückschlägen zieht der Preis für Gold ständig weiter an. Gründe für die steigende Beliebtheit des gelben Metalls gibt es viele. Anleger, die noch mit auf diesen Zug aufspringen und einen Teil ihres Vermögens in Gold anlegen wollen, sollten ihre Motivation überprüfen. Spekulationsgeschäfte sind gefährlich.




„Gold steigt auf 2 000 Dollar pro Unze“, erklärte Peter Huber, Fondsmanager und Chef des Kapitalmarktforschungs-Unternehmens Huber Portfolio in Oberursel gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntags Zeitung Anfang des Jahres. Den Grund für seine verwegene Prognose findet er in den weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie dem riesigen Defizit in der amerikanischen Handelsbilanz und der Abhängigkeit vom Öl. All dies wiederum wird steigende Zinsen und eine Abwertung des Dollar nach sich ziehen. Natürlich rechnet er nicht heute oder morgen mit einem so vehementen Anstieg des Goldpreises. Erst in zehn bis 20 Jahren wird es seiner Meinung nach so weit sein. „Am Ende wird Geld wieder an ein Gut gebunden, das nicht beliebig vermehrbar ist. Eine Renaissance der Golddeckung.“

Seiner Vorstellung nach steht uns also wieder eine Deckung unserer Währung mit Gold bevor. Das bedeutet, dass die Bundesbank jederzeit in der Lage ist, Bargeld gegen Gold zu tauschen. In Deutschland galt der Goldstandard bereits in der Zeit von 1871 bis zum 1. Weltkrieg. 1944 führte man wieder ein System der festen Wechselkurse ein, das Bretton-Woods-System. Der Dollar – mit Gold hinterlegt – wurde zur Leitwährung erklärt. Dieses System scheiterte, als die USA in Folge der horrenden Kosten des Vietnam-Krieges zahlungsunfähig wurden.

Der Gipfel vor dem Absturz

Auch jetzt schiebt die amerikanische Regierung dank des Irak-Krieges wieder einen riesigen Berg Schulden vor sich her. Immer mehr Geld kommt in den Umlauf, für das es aufgrund der hohen Verschuldung keinen Gegenwert gibt. Die Chinesen, die den größten Teil ihrer Währungsreserven in Dollar gehalten haben, schwenken auf Euro und Yen um. Diese Zeichen deuten nicht gerade auf eine Stärkung des Dollars hin. Ein Vergleich der Kurvenverläufe der Preise für Dollar und Gold zeigen deren Abhängigkeit voneinander. Immer wenn der Kurs des Dollars fällt, steigt der Preis für das gelbe Metall und umgekehrt. Und das seit dem Ende von Bretton Woods 1973. Deshalb gehen viele Anleger auf Nummer sicher und investieren ihr Kapital zumindest teilweise in Gold. Und treiben damit den Preis in die Höhe.

So geschah es bereits Ende der siebziger Jahre. Der Dollar fiel auf den historischen Tiefststand von umgerechnet 60 Euro-Cent und Gold stieg und stieg auch dann noch, als der Dollar nicht mehr weiter fiel. Zuletzt erklomm Gold 1980 den absoluten Höchststand von 835 Dollar. Dann kam der Absturz. Im Jahr 2001 kostete das nun eher glanzlose Metall nur noch 255 Dollar – bis weltweit die Unsicherheiten zunahmen.

Heute sind die Gründe für den Höhenflug vielfältiger. Einer von ihnen liegt sicher in der Vorliebe der Frauen für schönen und wertvollen Schmuck. Allein zwei Drittel des verfügbaren Angebots an Gold landen bei den Juwelieren. Die größten Happen schnappen sich die Inder. Bei ihnen wandern jährlich Juwelen mit einem Gesamtgewicht von 556 Tonnen über die Theke. Dieser Hang zum Luxus begründet sich nicht nur in der derzeitigen Blüte der indischen Wirtschaft, sondern vielmehr in der den traditionell hohen Mitgiftforderungen der Clans. Heiratet ein Mädchen, so muss seine Familie einen Großteil des Heiratspreises in Form von Geschmeide mitbringen.

Was ewig währt

Wie die Inder schätzen auch viele Anleger die Beständigkeit von Gold. Sie akzeptieren das gelbe Metall als Alternative zu harten Währungen wie Yen, Euro oder Dollar oder auch zu Aktien und Anleihen. Gold dient derzeit häufig als Sicherung des Kapitals. Schon immer galt es als Zeichen des Schönen und als Symbol des Erfolgs. Alan Greenspan, der gerade in den Ruhestand getretene Chef der amerikanischen Notenbank und Zinsguru, misst Gold eine große Bedeutung zu: „Papiergeld wird – im Extremfall – von niemandem angenommen, Gold dagegen immer.“

So treibt die Angst die Menschen dazu, sich mit Gold einzudecken, um im Fall einer Abwertung der Währung auf solide Werte zurückgreifen zu können. Um es mit Deutschlands Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe zu sagen: „Zum Golde drängt’s doch alle.“

Das wissen die Spekulanten. Sie kaufen Gold weniger in physischer Form als vielmehr in Papierform, treiben den Preis in die Höhe, um dann wieder zu verkaufen und den Gewinn einzustreichen. Experten rechnen damit, dass der Preis für Gold noch einige Tiefschläge erleben wird, wenn mehr Spekulanten aussteigen.

Doch sprechen einige Anzeichen dafür, dass Gold auf lange Sicht steigen wird. Allein die Tatsache, dass die Goldförderung der Nachfrage nicht mehr gerecht wird, hält die Ware knapp und den Preis hoch. Die Produktion zu steigern, ist nicht so einfach. Denn zum einen gibt es kaum noch große Vorkommen mit hohem Goldgehalt im Gestein. Zum anderen steigen die Kosten für die Förderung, so dass sich der Abbau nicht mehr überall lohnt. Im weltweiten Schnitt kostete 2004 die Gewinnung einer Feinunze Gold (31,103 Gramm) 313 Dollar. Für rund ein Achtel der Produktion aber müssen die Produzenten 410 Dollar pro Unze aufbringen. Auch ein Preis von 500 Dollar je Unze wird die Produktion nicht auf Trab bringen. Von der Entdeckung eines Vorkommens bis zum Abbau vergehen acht bis zehn Jahre. Dazu kommen politische Unsicherheiten in Afrika und ungeklärte Eigentumsrechte in Russland. Dies alles lässt Förderfirmen vor neuen Engagements zurückschrecken. Gold bleibt also knapp, der Preis hoch – zumindest solange Kriegs- und Inflationsängste die Menschen verunsichern.

Den Preis drücken könnten die 15 wichtigsten Zentralbanken, wenn sie einen Teil ihrer Goldreserven zu den derzeit günstigen Konditionen verkaufen würden. Da sie sich aber dem Washingtoner Agreement angeschlossen haben, sind ihnen nur Verkäufe von maximal 500 Tonnen pro Jahr erlaubt. Das Abkommen wurde bis 2009 verlängert.

Weltweit halten die Zentralbanken mehr als 31 000 Tonnen Gold. Deutschland und Frankreich decken sogar 50 Prozent ihrer Währungsreserven damit ab. Südafrika und Russland begnügen sich mit neun beziehungsweise 3,6 Prozent. Doch beide Länder wollen ihre Reserven aufstocken.

Der Zankapfel

Die deutschen Bestände in Höhe von 3 428 Tonnen sorgen zurzeit für heftige Diskussionen zwischen Finanzminister Peer Steinbrück und Bundesbank-Präsident Axel Weber. Deutschland hält nach den USA (8 134 Tonnen) weltweit die größten Vorräte. Immerhin stellt das bundeseigene Gold einen Wert von rund 69 Milliarden Euro dar. Dem chronischen Defizit des Bundeshaushalts käme eine Finanzspritze aus Goldverkäufen sehr gelegen. Doch Weber wehrt das Begehren bislang erfolgreich ab. Käme es hier zu Lande oder gar in den USA zu massiven Verkäufen, würde das den Höhenflug des Goldpreises bremsen. Dennoch gehen Experten von einem weiterhin hohen Niveau aus. Den Anlegern empfehlen sie, etwa zehn bis 15 Prozent ihres Vermögens in Gold zu halten.

Anleger, die sich so absichern wollen, haben die Qual der Wahl, in welcher Form sie das kostbare Metall kaufen wollen: auf dem Papier oder greifbar.

Papiergold

Angeblich greifen die wenigsten Anleger zu physischem Gold. Beliebter sind zum Beispiel Goldfonds. Diese investieren das Geld der Anteilskäufer in Goldminenaktien. Ein Totalverlust ist dank der breiten Streuung unwahrscheinlich. Doch entsprechend der im Fonds enthaltenen Aktien schwankt der Wert des Fonds. Steigt der Preis für Gold weiter, profitieren entsprechend auch die Fonds.

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich Goldzertifikate. Damit erwirbt der Anleger einen verbrieften Anspruch auf eine bestimmte Menge Gold. Er könnte also die Bank bitten, ihm entsprechend dem Wert des Zertifikats Gold auszuzahlen. Um das Dollar-Risiko abzusichern, bieten sich Quanto-Zertifikate an.

Sich auf einzelne Aktien von Goldminen einzulassen, ist sehr wagemutig und nur für nervenstarke Anleger geeignet. Denn die Kurse der Aktien schwanken noch stärker als der Goldpreis. Nach einer Faustformel legen die Aktienkurse von Minengesellschaften bei steigendem Goldpreis etwa dreimal so stark zu wie das Metall selbst. Umgekehrt funktioniert es natürlich genauso. Hinzu kommt das Währungsrisiko: Die meisten Aktien notieren in Dollar, Deutsche aber kaufen mit Euro. Fällt der Dollar, tragen sie zusätzliche Verluste.

Mit weniger Risiko behaftet ist ein Goldkonto. Es funktioniert ähnlich wie ein Girokonto. Der Unterschied besteht darin, dass es nicht in Geld, sondern in Gold geführt wird. Der Inhaber kann täglich Geld zum aktuellen Goldkurs abheben.

• Physisches Gold

Vom Kauf physischen Goldes, wie Barren oder Münzen, raten viele Experten ab, weil es dem Besitzer keine Zinsen bringt. Außerdem besteht eine große Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. So beträgt der Aufschlag auf den reinen Goldpreis von derzeit rund 15 000 Euro bei einem Ein-Kilo-Barren 3,5 bis vier Prozent. Bei einem Barren von nur zehn Gramm Gewicht sind es schon 15 Prozent. Grundsätzlich gibt es Goldbarren in Stückelungen von einem Gramm bis zu 12,5 Kilo. Am beliebtesten sind die 100-Gramm-Barren. Barren, die bis Ende 2005 hergestellt wurden, tragen häufig die Prägung Degussa. Seit das Unternehmen diesen Geschäftszweig 2006 verkauft hat, prägt der neue belgische Eigner Umicore die Barren.

Nach wie vor als gesetzliches Zahlungsmittel gelten Goldmünzen wie der kanadische Maple Leaf, der australische Kangaroo Nugget, der American Eagle, die Wiener Philharmoniker aus Österreich, die Britannia aus England und der südafrikanische Krügerrand. Alle haben ein Goldgewicht von einer Unze. Die Spanne zwischen An- und Verkauf beträgt beim Krügerrand acht und bei den anderen neun bis zehn Prozent. Die meisten Münzen gibt es in fünf verschiedenen Stückelungen zwischen einer zwanzigstel und einer ganzen Unze. In Deutschland fällt beim Kauf keine Mehrwertsteuer an. Bei Silber, Platin und Palladium hingegen kassiert der Staat 16 Prozent Mehrwertsteuer.

Als Wertanlage nicht geeignet sind Sammlermünzen. Sieht der Besitzer sich zum Verkauf gezwungen, bekommt er meistens nur das Geld für den Goldwert, und das ist meist bedeutend weniger als er dafür gezahlt hat. Am besten kauft man Gold bei seiner Hausbank oder bei einem vertrauenswürdigen Händler.

Der Vorteil von Barren und Unzen-Münzen besteht einfach darin, dass sie überall auf der Welt gehandelt werden. Gold lässt sich im Notfall einfach und schnell zu Bargeld machen.

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Zahngold

Wie die Anleger müssen auch Zahnärzte mehr Geld für Gold ausgeben. Die Preise für Zahngold steigen entsprechend. Dennoch werden sie wohl kaum auf das wertvolle Metall verzichten wollen, gehört es doch zu den bewährtesten Materialien in der Zahnheilkunde. Ausgrabungen belegen, dass schon vor 4 500 Jahren die Ägypter Golddrahtgebinde benutzten, um gelockerte Zähne zu schienen. Rund 1 500 Jahre später formten die Etrusker aus Goldstreifen kronenähnliche Gebilde. Auch heute noch gilt Gold als sehr guter Werkstoff für besonders haltbare, sehr gut verträgliche Füllungen mit antibakterieller Wirkung. Fand vor zehn Jahren noch die Sparkombination mit Palladium häufige Verwendung, bevorzugen heute die meisten Zahnärzte Edelmetalllegierungen: Modernes Zahngold ist damit hochwertiger als reines Gold.

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Stichwort: Gold-Standard

Als Gold-Standard bezeichnet man die Deckung einer Währung durch Gold. Das Umtauschverhältnis zwischen Bargeld und Gold nennt sich Goldparität. Damit ist die Verpflichtung der Zentralbank verbunden, Bargeld jederzeit in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Dieses System funktionierte von 1870 bis 1914. In dieser Zeit gab es einen festen Unzenpreis von drei Pfund, 17 Schilling und neun Pence. Das englische Pfund galt als Leitwährung und alle anderen Länder richteten sich danach.



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