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01.08.13 / 00:01
Heft 15/2013 Fachforum
Konservierende Zahnheilkunde

Der Haftverbund eines Universaladhäsivs in vitro

In einer In-vitro-Studie wurde der Haftverbund eines Universaladhäsivs bei verschiedenen Anwendungstechniken und Trocknungsgraden der Zahnoberfläche untersucht.



Selektive Ätzung mit Phosphorsäure bei Aussparung der pulpanächsten Dentinbereiche Foto: Ivo Wo, Abt. für Zahnerhaltung u. Präventivzahnmedizin, Charité Berlin

Je nach Interaktion zwischen Adhäsiv und Zahnhartsubstanz werden die Dentaladhäsive in selbstätzende oder EtchRinse-Systeme eingeteilt. Aus Studien geht hervor, dass EtchRinse-Systeme eine bessere Haftung zum Schmelz aufweisen als selbstätzende Systeme.

Ein Nachteil bei der Anwendung der Phosphorsäure auf Dentin besteht jedoch in der erhöhten Techniksensitivität. So kann eine Übertrocknung des Dentins bei den EtchRinse-Systemen zu verminderten Haftwerten führen. Diese Gefahr besteht bei den selbstätzenden Adhäsiven nicht.

Um die Vorteile beider Systeme auszunutzen, ist es möglich, eine selektive Schmelzätzung mit Phosphorsäure durchzuführen, um anschließend ein selbst- ätzendes Adhäsiv auf Schmelz und Dentin zu applizieren.

Bei dieser Vorgehensweise kann jedoch eine unnötige Vorätzung des Dentins durch versehentliche Applikation der Phosphorsäure auf schmelznahes Dentin nicht verhindert werden, so dass es in der Folge in Bereichen angeätzten Dentins zu einer Beeinträchtigung des Haftverbunds mit selbstätzenden Adhäsiven kommen kann. Um die Haftung in allen Situationen ohne Kompromiss zu sichern und das Applizieren weniger techniksensitiv durchzuführen, wurden Universaladhäsive, die sowohl als EtchRinse- als auch als selbstätzende Systeme eingesetzt werden können, vor kurzer Zeit auf den Markt gebracht.

Eine weitere Eigenschaft der Universaladhäsive ist, dass mit ihnen auch ein Verbund zu anderen Substratoberflächen wie zum Beispiel Keramik und Metall erzielt werden kann.

In der vorliegenden In-vitro-Studie wurde der Einsatz des Universaladhäsivs Scotchbond™ Universal Adhäsiv an Dentin getestet. Die Arbeitsgruppe um Perdigão hat hierfür die Mikrozugfestigkeit und die Grenzflächenmorphologie zwischen dem Adhäsiv und unterschiedlich konditionierten Dentinoberflächen untersucht.

An 36 menschlichen Molaren wurde der okklusale Schmelz abgetragen. Die so entstandenen Proben wurden auf sechs Gruppen randomisiert verteilt und wie folgt laut Herstellerangaben weiterverarbeitet:

• Gruppe CSE: Clearfil SE Bond, selbstätzendes Zwei-Schritt-Adhäsiv als Referenzprodukt;

• Gruppe SBU-SE: Scotchbond Universal Adhäsiv (SBU),verwendet als selbstätzendes Ein-Schritt-Adhäsiv;

• Gruppe SBU-ERm: SBU, verwendet als Zwei-Schritt-EtchRinse-Adhäsiv auf feuchtem Dentin;

• Gruppe SBU-ERd: SBU, verwendet als Zwei-Schritt-EtchRinse-Adhäsiv auf trockenem Dentin;

• Gruppe OSLm: OptiBond SOLO Plus (OSL),ein Zwei-Schritt-EtchRinse- Adhäsiv, appliziert auf feuchtem Dentin und

• Gruppe OSLd: OSL, appliziert auf trockenem Dentin.

Nach Lichthärtung der Adhäsivschicht wurde das Kompositmaterial Filtek Z250 in drei Schichten mit je zwei Millimetern Schichtstärke appliziert und pro Schicht 40 Sekunden gehärtet. Zur Evaluation der Mikrozugfestigkeit wurden Dentin-Komposit-Stäbchen mit einer Diamantsäge aus den Proben gesägt. In einer Universalprüfmaschine wurde die Zugfestigkeit der Proben untersucht.

Zur ultramorphologischen Evaluation der Grenzflächen zwischen Adhäsiv und Dentin wurden zwölf kariesfreie, extrahierte Zähne, die aus Kfo-Gründen gezogen werden mussten, analog den Proben für die Zugversuche unterschiedlich vorbehandelt und rasterelektronenmikroskopisch untersucht.

Die Proben der Gruppe OSLm hatten eine signifikant höhere mittlere Mikrozugfestigkeit (63,0 MPa) als die anderen fünf Gruppen. Trotz unterschiedlicher Dentinkonditionierung der Proben aus den SBU Gruppen (SBU-SE, SBU-ERm und SBU-ERd) lagen ihre Haftwerte in einem ähnlichen Bereich von 53,9 bis 54,4 MPa. Die niedrigsten Werte wurden in der Gruppe CSE (47,2 MPa) und OSLd (50,2 MPa) beobachtet.

Bei der ultramorphologischen Untersuchung war eine kontinuierliche Dentin-Adhäsiv-Grenzfläche mit einer 0,2 bis 0,4 µm dicken Hybridschicht in den beiden selbstätzenden Gruppen (CSE und SBU-SE) erkennbar. Das trockene Dentin in Gruppe SBU-ERd stellte kein Hindernis für die Bildung einer Hybridschicht von 1,4 bis 2,4 µm dar, während in der Gruppe OSLd viele Bereiche mit abgelöstem Adhäsiv und eine mangelnde Hybridisierung zu erkennen waren.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass das Scotchbond Universal Adhäsiv vergleichbare hohe Haftwerte mit Dentin erzielen kann wie Clearfil SE Bond, der Gold-Standard in der selbstätzenden Adhäsivsysteme. Trotz einer exzessiven Trocknung des Dentins ist das SBU im Gegensatz zu OptiBond Solo Plus (auf Ethanolbasis) offenbar in der Lage, die kollabierten Kollagenfasern für die Infiltration der Monomeren wieder aufzurichten.

Dies könnte an seinem Wassergehalt von zehn bis 15 Gewichts-Prozent liegen.

Auch wenn in dieser Studie weder eine Langzeit-Wasserlagerung noch eine thermomechanische Belastung durchgeführt wurde, erscheint die Entwicklung von neuen Universal-Adhäsivsystemen, die sowohl als selbstätzendes als auch als EtchRinse-System unabhängig vom Trocknungsgrad des Dentins erfolgreich eingesetzt werden können, vielversprechend.

ZA Jiawei Wo
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltungskunde
und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
jiawei.wo@charite.de



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