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16.04.17 / 00:01
Heft 08/2017 Zahnmedizin
Abgleich von Fingerabdrücken, DNA-Ergebnissen und Zahnbefunden

Der IDKO-Einsatz in Nepal

Am 25. April 2015 ereignete sich um 11:56 Uhr in Nepal und den angrenzenden Staaten ein gewaltiges Erdbeben mit der Stärke 7,8. Das Epizentrum lag rund 60 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu in der Region Langtang. Bei dem Erdbeben und dem Nachbeben am 12. Mai kamen etwa 8.800 Menschen ums Leben, darunter knapp einhundert ausländische Staatsangehörige. Über den Einsatz der Identifizierungskommission (IDKO).




Einige der Opfer waren in dem beliebten fernöstlichen Urlaubsgebiet beim Wandern im Himalaya unterwegs, als sie urplötzlich und völlig unvorbereitet von den gewaltigen Erderschütterungen überrascht wurden.

Rund 22.300 Personen wurden durch diese beiden Erdbeben verletzt. Es handelte sich um die schlimmsten Erdstöße in dieser Region seit mehr als 80 Jahren. Das in 3.500 Metern Höhe gelegene Bergdorf Langtang, beliebter Ausgangspunkt für Bergsteiger und Trekking-Freunde, wurde durch Eis-, Geröll- und Schlammlawinen nahezu vollständig verschüttet: Mehr als 200 Menschen (Einheimische und Touristen) fanden hier den Tod. Es wird geschätzt, dass mindestens 8 Millionen Nepalesen – darunter 1,7 Millionen Kinder – von dieser Naturkatastrophe direkt betroffen waren. Viele haben nahezu alles verloren: Eltern, Kinder, Geschwister, Freunde und ihr Zuhause.

Auch heute noch herrschen Verzweiflung und permanente Angst vor weiteren todbringenden Nachbeben. Zehntausende Menschen versuchten unmittelbar nach dem Beben das dicht besiedelte Kathmandu-Tal zu verlassen: Sie waren auf der Suche nach Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe. Doch 80 Prozent der medizinischen Einrichtungen waren vollkommen zerstört. Viele Dörfer waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Mehr als zehn Prozent der Nepalesen waren vorübergehend ohne ein festes Dach über dem Kopf. Sie schliefen in Zelten, die sie auf Freiflächen und zum Teil auch auf Bürgersteigen aufgebaut hatten.

Schließlich waren 70.000 Häuser und Wohnungen zerstört sowie 530.000 stark beschädigt und damit unbewohnbar. Große Angst verbreiteten zudem immer wieder auftretende Nachbeben mit Stärken um fünf. In dieser unübersichtlichen und chaotischen Situation zeigte sich erneut, wie erfolgreich der Einsatz von Rettungshunden sein kann, die noch mehrere Tage nach den Erdbeben eine Reihe verschütteter Personen in den Trümmern ihrer Häuser aufspürten, die so von den Helfern lebend geborgen werden konnten.

Als eines der ärmsten Länder der Welt war Nepal nicht in der Lage, in dem bekanntermaßen hoch gefährdeten Erdbebengebiet Vorsorgemaßnahmen zum Beispiel auf dem Bau zu ergreifen, so dass die Gebäude zum großen Teil wie „Kartenhäuser“ in sich zusammenbrachen.

Der Einsatz vor Ort

Da auch deutsche Staatsbürger von ihren Familien und Angehörigen den zuständigen hiesigen Behörden als vermisst gemeldet wurden, wurde die Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamts (BKA) nach Kathmandu in Nepal entsandt.

Dort wurden die bekannten internationalen Maßstäbe angewandt: Vergleich von ante- und postmortalen Daten für die Bereiche Zahnmedizin, Daktyloskopie und DNA. Im zahnärztlichen Bereich werden Röntgenbilder aus dem Leben mit Röntgenbildern, die an der Leiche angefertigt wurden, verglichen. Gleiches gilt für den Zahnstatus – einschließlich der Auswertung der Behandlungskarteikarte – und eventuell für zu Lebzeiten angefertigte Gipsmodelle, CTs, DVTs und mehr. Sofern hierbei eindeutige und unverwechselbare Übereinstimmungen vorliegen, kann eine Identifizierung erfolgen.

Die Aufgabe der Kommission ist es also, mithilfe der sogenannten „primären“ Identifizierungsmethoden möglichst viele Tote zu identifizieren: Hierzu zählen ante- und postmortale Vergleichsuntersuchungen von Fingerabdrücken, DNA-Ergebnissen und Zahnbefunden.

Dank der Überlassung von zu Lebzeiten erstellten Zahnbefunden und Röntgenbildern, die die jeweiligen zahnärztlichen Behandlerinnen und Behandler der Identifizierungskommission zur Verfügung gestellt hatten, konnten alle deutschen Opfer, die nach dem Erdbeben in Nepal geborgen werden konnten, sicher identifiziert werden. Für diese Unterstützung danken das Bundeskriminalamt und die Mitglieder der Identifizierungskommission der deutschen Zahnärzteschaft. Diese Mitarbeit ermöglichte es wieder einmal, den trauernden Angehörigen die erforderliche Gewissheit bei der sicheren Identifizierung ihrer Verwandten zu geben.

Dr. med. Dr. med. dent. Claus Grundmann
Arnikaweg 15, 47445 Moers

Prof. Dr. med. Rüdiger Lessig
Franzosenweg 1, 06112 Halle (Saale)

Frank Welz, Kriminalhauptkommissar, Isabel Riege, Kriminalhauptkommissarin
Bundeskriminalamt Wiesbaden, Identifizierungskommission KT11 – IDKO
Thaerstr. 11, 65193 Wiesbaden



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