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01.07.03 / 00:15
Heft 13/2003 Titel
Das Blut

Der Saft, der es in sich hat

Unermüdlich werden bis zu sieben Liter ständig durch den gesamten Organismus gepumpt. Erst in großen Arterien, dann immer verzweigter, bis in die feinsten Enden der Arteriolen, ja sogar der Zahnpulpa reicht das Blutgefäßsystem, das mit der Grund dafür ist, dass der Mensch am Leben ist. Denn schon einige Liter weniger, oder ein wichtiger fehlender Bestandteil in diesem Lebenselixier, schon können lebensbedrohliche Zustände beginnen. Hier erfahren Sie mehr über das Blut, den Saft, aus dem das Leben ist, und warum es so wichtig ist, dass Menschen wie Sie etwas davon denen abgeben, die durch einen plötzlichen Umstand zu wenig davon haben.




Freiburg, Sonntag früh, 2.30 Uhr. Ich komme müde heim von einer Party, es ist schon spät. Wir haben viel getanzt, ich will noch schnell unter die Dusche. Im Vorbeigehen drücke ich auf den Knopf am Radio. Ein toller Song, den sie auch vorhin gespielt haben, ertönt – und wird von einem Sprecher abrupt unterbrochen: „Wir haben einen Notruf an alle Hörer des Bereiches Freiburg im Breisgau. Die Universitätsklinik benötigt dringend Blutspender der Blutgruppe A, Rh negativ! Wer diese Blutgruppe hat, soll sich bitte dringend telefonisch unter 0761/270-... oder direkt persönlich in der Blutspendezentrale der Universitätsklinik melden.“

Ich verharre eine Sekunde, schaue nochmals in meiner Handtasche nach... A, Rh negativ!

Soll ich? Aber ich habe doch etwas Wein getrunken. Also anrufen. Gott sei Dank habe ich die Nummer der Uniklinik im Kopf, verdiene ja durch Nachtwachen dort einen Großteil meines Studiengeldes. Die Stimme am anderen Ende fordert mich auf, trotzdem zu kommen. Es gehe um Leben oderTod eines Patienten. Ob mein Blut tatsächlich passt, wird man direkt vor Ort untersuchen. Ich soll ein Taxi bestellen, die zwei Gläser Kaiserstühler sind unwichtig!

Bestandteile/Aufgaben

Das Blut ist nicht nur eine klare rote Flüssigkeit, sondern, wie jeder schon aus der Schule weiß, enthält es eine Reihe verschiedener Zellen und erfüllt im Organismus die Aufgaben des Transportes von Sauerstoff und Stickstoff, von Nähr- und Abfallstoffen, von Hormonen und Vitaminen sowie von Wärme und dient durch die Immunreaktion zur Infektabwehr. Ebenso ist es für den Wundverschluss zuständig. Die einzelnen physiologischen Mechanismen sind sehr kompliziert und sollen an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden.

Geschichte der Blutgruppen

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts empfahlen viele Ärzte bei Blutverlusten, das Blut von Tieren auf Menschen zu übertragen. 1875 wies dann der Wissenschaftler Leonard Landois nach, dass das menschliche Immunsystem das tierische Blut rasch zerstört weil es nicht kompatibel ist. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch funktionierte nicht immer, oft endete sie tödlich. Im Jahre 1901 hatte dann der junge Pathologie-Assistent Karl Landsteiner die Vermutung, dass sich das Blut individuell unterscheidet, wie Dr. Arne Hillienhof, in der medizin heute 6, 2002 schreibt. Er nahm sich und fünf seiner Kollegen Blut ab, trennte die Blutzellen vom Serum ab und kombinierte es dann mit den Zellen eines Kollegen. Immer, wenn er das Serum auf die Zellen eines anderen träufelte, verklumpten die Erythrozyten. Diese Ergebnisse legten nun nahe, dass es mehrere verschiedene Blutgruppen gäbe. Landsteiner hatte natürlich extremes Glück, dass er Probanden verschiedener Blutgruppen hatte, sonst wäre er nicht zu diesem Ergebnis gekommen. Aber durch ihn entstanden die Bezeichnungen A, B und 0 und schließlich AB, die auch heute noch, wenn auch viel spezifischer und diffiziler unterteilt, ihre Gültigkeit zur Kennzeichnung von Blutgruppen haben.

Blutgruppen

Die Blutgruppen sind nach dem „AB0-Sysstem“ benannt in Blutgruppe 0, A, B, AB . Diese Einteilung hat auch heute noch seine Gültigkeit.

Wie häufig diese in Mitteleuropa vorkommen, zeigt die folgende Tabelle:

Blutgruppe           Häufigkeit

A                              47 %

B                                8 %

AB                              4 %

O                             41 %

Rhesus-Faktor (Rh)

Die Bezeichnung Rhesus bezieht sich auf weitere Merkmale der Blutgruppen. Rhesus (Rh) ist der Name einer Affengattung. Im Serum von Kleintieren, in die das Blut von Macacus-Rhesusaffen injiziert wurde, konnten Wissenschaftler vor 60 Jahren all jene Stoffe nachweisen, die auch bei 85 Prozent der Menschen die roten Blutkörperchen verklumpen lassen. Menschen, die also mit diesem Serum positiv reagieren, werden als Rhesus positiv, die restlichen 15 Prozent als Rhesus negativ bezeichnet. Durch diese Entdeckung wurde dann in der Medizin auch deutlicher, welche Menschen welches Blut zur Spende erhalten dürfen und welches nicht.

Blutgruppen-Bestimmung

Die Blutgruppenbestimmung wird heute nicht routinemäßig bei Arztbesuchen durchgeführt. Es ist aber schon wichtig, zu wissen, welche Blutgruppe man hat, wie in dem Fall dieses plötzlichen Spendenaufrufes. Eine Blutbestimmung und die Erstellung eines Blutspendeausweises sind heute Privatleistungen und werden dem Patienten mit etwa zehn Euro berechnet. Zehn Euro, die sich allerdings auch lohnen. Junge Frauen, die Kinder haben möchten, sollten wissen, ob sie Rhesus negativ oder Rhesus positiv sind. Denn ist die Mutter negativ und der Vater des Kindes positiv, könnte der Foetus dessen Blutgruppe geerbt haben. Die Mutter bildet dann Antikörper gegen dieses Blut, was bei einer zweiten Schwangerschaft zu gesundheitlichen Schäden des Kindes führen kann. Wenn die negative Blutgruppe der Mutter jedoch vorher bekannt ist, kann diese Unverträglichkeitsreaktion mit einer einzigen Spritze unterbunden werden. Der Aufwand lohnt sich also! Nähere Auskunft gibt hier der Gynäkologe.

Plasmaersatz, Doping mit Plasmaexpandern

Wenn durch eine Verletzung oder einen Schock Blutvolumen fehlt (Blut staut sich im Bauchraum durch parasympathisch gesteuerte Sofortdilatation der Bauchvenen), aber die Menge noch nicht so relevant ist, dass durch die fehlenden Blutbestandteile (Erythrozyten) weitere Komplikationen für den Organismus außer ein drohender Blutdruckabfall zu erwarten ist, dann werden dem Patienten als Sofortmaßnahme Blutbeziehungsweise Plasmaersatzmittel verabreicht. Dies sind wässrige Lösungen anorganischer oder organischer Stoffe wie physiologische NaCl-, Ringer®, Tyrod® Lösung, Polyvinylpyrrolidon, Dextran und andere. Häufig erfolgt diese auch als Dauertropfinfusion. Für Plasma besteht für Deutschland nach wie vor ein großes Spendedefizit. Derzeit fehlen knapp 200 000 Liter pro Jahr. Diese Spendelücke kann bislang nur durch Plasmaimporte vor allem der USA geschlossen werden. Deutschland und die anderen Mitgliedsstaaten der EU streben daher eine Selbstversorgung mit Blutplasma an. Plasma wird auch zur Herstellung wichtiger Medikamente wie Leber- und Nierenerkrankungen (Albumin) sowie für Blutgerinnungspräparate für Hämophiliepatienten benötigt.

So genannte Plasmaexpander werden in der Notfallmedizin eingesetzt, um das Blutvolumen, etwa bei hohen Blutverlusten, zu erhöhen. Plasmaexpander sind Flüssigkeiten, in denen eine große Zahl an Molekülen gelöst sind. Wird diese kolloidale Lösung per Infusionen verabreicht, ist die Konzentration an gelösten Teilchen im Blutgefäß größer als im umliegenden Gewebe. Dadurch tritt das Gewebewasser entlang des Konzentrationsgefälles entsprechend des osmotischen Prinzips in die Blutbahn über. So verringert sich der Anteil an zellulären Bestandteilen des Blutes – der Hämatokrit-Wert sinkt. Einer der gängigsten Plasmaexpander ist HES (Hydroxyethylstärke), der bis zu acht Stunden im Blutkreislauf zirkuliert. Danach wird er mit Urin oder Stuhl ausgeschieden. Allergische Reaktionen treten bei HES nicht so häufig auf wie bei anderen Plasmaexpandern. Aus diesem Grunde wird dieser Stoff als Dopingmittel eingesetzt. Erst im letzten Jahr hatte man den 3 000 Meter-Hindernisläufer Damian Kollabis damit erwischt. Auch der Finne Jari Isometsä verhalf sich im Lauflager indirekt mit Hilfe dieses Plasmaexpanders, diesmal war es EPO (Erythropoetin) in Verbindung mit HES, zu Höchstleistungen. Erythropoetin ist ein Hormon, das die Bildung und Reifung der Erythrozyten im Knochenmark anregt und damit den Sauerstofftransport erheblich puscht. Den größten Teil (>90%) des Erythropoetins bilden die Nieren, einen kleinen Teil auch die Leber. Das spätestens seit den Dopingaffären bei der Tour de France 1998 berühmt-berüchtigte EPO dient damit der Erhöhung der Anzahl roter Blutkörperchen und somit dem leistungsfördernden Sauerstofftransport. Seine Einnahme konnte aber bislang nicht eindeutig gesichert im Harn nachgewiesen werden. Kurz gesagt: EPO treibt also den Hämoglobinwert in die Höhe, HES holt ihn wieder auf den Teppich. Dem Finnen wurde daraufhin die im Jagdrennen der Nordischen-Ski-WM eroberte Silbermedaille nach Bekanntwerden der positiven Blut-Probe aberkannt. Plasmaexpander wurden vom IOC am 1. 1. 2000 auf die Verbotsliste gesetzt.

Erkrankungen des Blutes

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen des Blutes, die durch Fehlen oder Veränderungen einiger Blutbestandteile hervorgerufen werden. Diese können sowohl genetisch bedingt sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Hier soll nur die Erkrankung erwähnt werden, die für die zahnärztliche Praxis die höchste Relevanz besitzt.

Hämophilie

Die Hämophilie ist eine angeborene lebenslang erhöhte Blutungsneigung, die durch eine Verminderung der Aktivität des Gerinnungsfaktor VIII (Hämophilie A) oder IX (Hämophilie B) hervorgerufen wird. Der Vererbungsmodus ist X-chromosomal rezessiv, so dass nur männliche Individuen von der Erkrankung betroffen sind. Frauen können als Konduktorinnen die Erkrankung auf ihre Nachkommen vererben. Die Konduktorinnen sind fast ausschließlich Merkmalsträger des Defektes, es liegt aber nur sehr selten eine erhöhte Blutungsneigung vor.

Bei beiden Hämophiliearten wird eine Einteilung nach Schweregrad vorgenommen. Der Schweregrad wird definiert durch die Restaktivität der Gerinnungsfaktoren VIII oder IX, die lebenslang bei einem Hämophilen konstant erniedrigt bleiben.

Bezeichnung                             Faktor VIII bzw. IX-Restaktivität (%)

schwere Hämophilie                         < 1

mittelschwere Hämophilie                 1–4

leichte Hämophilie                          5–24

Sub-Hämophilie                            25–50

Charakteristisch für schwere und mittelschwere Formen ohne Therapie beziehungsweise Prophylaxe sind ausgedehnte Haut- und Muskelblutungen, sowie Gelenkblutungen, die zu Gelenk-, Muskel- oder Nervenschädigungen führen können.

Leichte Formen der Hämophilie werden durch verstärkte Nachblutungen bei Verletzungen oder Operationen auffällig. Dieses ist besonders für die Zahnbehandlung relevant, denn bereits das Prüfen mit der Parodontalsonde oder gar eine Zahnsteinentfernung können bei betroffenen Patienten zu lebensgefährlichen Nachblutungen führen, ganz abgesehen von größeren chirurgischen Eingriffen wie Extraktionen. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde hat zu diesem Thema eine Stellungnahme verfasst, die über den zm-Leserservice oder über www.zm-online. de sowie www.dgzmk.de erhältlich ist. (siehe auch Kupon auf den letzten Nachrichtenseiten). Zur Therapie der Hämophilie A und B werden Konzentrate der Gerinnungsfaktoren VIII oder IX angewendet. Diese Faktorenkonzentrate werden entweder aus Blutplasma oder gentechnologisch hergestellt.

Von Willebrand-Syndrom

Das von Willebrand-Syndrom (vWS) ist die häufigste angeborene Blutungsneigung. Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, wobei die Blutungsneigung unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Die schwere Form des vWS ist sehr selten und betrifft 0,5 bis drei Prozent von einer Million Menschen. Erstmals beschrieben wurde das vWS 1926 durch Erik von Willebrand anhand einer Bluterfamilie auf den zwischen Schweden und Finnland gelegenen Aaland-Inseln. Zunächst wurde angenommen, dass diese Erkrankung mit der Hämophilie A verwandt sei. In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Hämostaseologen Jürgens wurden später Unterschiede sowohl im Erbgang als auch im klinischen Erscheinungsbild festgestellt. Die Erbinformation des von Willebrand-Faktors (vWF) liegt auf dem Chromosom 12, also nicht wie bei den Hämophilen auf einem Geschlechtschromosom.

Medikamente zur Blutverdünnung

Um Thrombosen, Embolien oder gar einem Apoplex vorzubeugen, werden Patienten unter Umständen jahrelang mit sogenannten Blutverdünnungsmitteln therapiert. Weit verbreitet ist diese Gerinnungshemmung mit Cumarinderivaten wie Phenprocoumin (Marcumar®) und Coumadin (Weferin ®). Cumarinderivate hemmen als Vitamin-K-Antagonisten die Gamma-Carboxylierung von Glutaminsäure bei der Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X und der inhibitorischen Proteine C und S in der Leber. Dadurch geht deren Calciumbindungsfähigkeit verloren. Die Konzentration der gerinnungsfähigen Faktoren im Blut nimmt ab, so dass die Gerinnungsfähigkeit verzögert und zum Teil verhindert wird. Dieses ist ganz besonders für marcumarisierte Herzpatienten oder solche, die zur Infarktprophylaxe Acetylsalicylsäure (ASS) verabreicht bekommen, relevant, die in der zahnärztlichen Praxis behandelt werden.

Wie mit solchen Patienten verfahren werden soll, hat die DGZMK in ihrer speziell zu diesem Thema veröffentlichten Stellungnahme angeregt. Diese ist über den Leserservice der zm auf den letzten Nachrichtenseiten oder unter zm-online.de oder www.dgzmk.de zu erhalten.

Neu ist, dass Forscher des Duke University Medical Centers in North Carolina ein Medikament zur Blutverdünnung entwickelt haben, das ein- und ausgeschaltet werden kann. Die Substanz wird bei Bedarf von einem Gegenmittel neutralisiert, um im Falle einer Verletzung eine zu starke Blutung zu verhindern.

Hochbetrieb im Spendezentrum

Das Taxi setzt mich vor der Blutzentrale ab, die Eingangstür ist hell erleuchtet. Man fragt mich, was ich möchte, „Sie suchen mein Blut, habe ich im Radio gehört“. Man führt mich zu einem kleinen Tisch, und die Formalitäten beginnen. Ich mache unzählige Kreuze auf einem Anamnesebogen, Blutdruckmessen, schließlich dann der kleine Pieks in die Fingerbeere. Nun habe ich erst mal Zeit, mich umzuschauen. Und siehe da, ich bin in dieser Nacht nicht der Einzige, der Radio gehört hat, denn noch einige „Mutige“ werden befragt und untersucht. Nach einiger Zeit, mir kam sie unendlich lange vor, kommt ein Doktor: „So, es kann losgehen. Wie fühlen Sie sich?“ Ich beichte den Wein. Er hat keine Bedenken. Ich liege gemütlich auf einer Pritsche, der Stauschlauch wird angelegt, die Einstichstelle desinfiziert und schon zuckt ein kleiner Stich duch meinen linken Arm. Aber das war es schon. Nach dem Lösen der Staumanschette läuft mein Blut dunkelrot in den Spendebehälter. Komische Gedanken gehen mir dabei durch meinen Kopf. Dieser blut-rote, leicht viskose Saft soll nun einem anderen Menschen zum Weiterleben verhelfen. Es dauert nicht lange, die Einstichstelle wird mit einem Druckpflaster verklebt, ich biege den Unterarm noch eine Zeit lang hoch und bleibe etwa zehn Minuten liegen. Alles läuft prima, ich darf dann nach Hause. Habe ich auch verdient, schließlich ist es inzwischen vier Uhr morgens. Ich will nur noch ins Bett.

Spendenaufruf in der Zahnarztpraxis

Etwa zwei Millionen Menschen spenden jährlich ihr Blut für andere. Trotz dieser großen Spendebereitschaft drohen allerdings immer wieder Versorgungsengpässe, besonders in den Sommermonaten. Daher ist es wichtig, die Bevölkerung über die Dringlichkeit und Bedeutung der Blutspende laufend zu informieren und sie zur Spende zu motivieren. Auch Zahnärzte können hierbei ihren großen Dienst erweisen. Einerseits können sie selbst spenden und ihr Personal dazu bewegen, andererseits können sie über Plakataktionen und Broschüren im Wartezimmer ihre Patienten auf die „gute Idee“ bringen. Wichtige Internetadressen sind über die zm erhältlich. Der nächste Blutspendetermin in der Nachbarschaft könnte bekanntgegeben werden. Es wäre eine kleine aber stetige Aufgabe für die Dame am Empfang, hier die aktuellsten Termine für die Region zu erfragen und in der Praxis auszulegen.

Kostenfrage, Anonymität

Die Anonymität eines Spenders bleibt bewahrt. Nur das Blutspendezentrum kennt die genaue Identität und Herkunft des Blutsäckchens, das gerade verwendet wird. Im Gegenzug wird die Anonymität des Empfängers gewahrt. Der in Krankenhäusern übliche Spruch „Ihr Blut kommt von einem wilden Spanier oder von einer jungen Blondine“, dient allein der Aufmunterung der Patienten- und wirkt übrigens machmal Wunder! Allerdings sollte diese „Flapsigkeit“ des Krankenhauspersonals einmal kritisch überdacht werden.

Die Blutspende erfolgt freiwillig und ist unentgeltlich. Während früher Mittellose noch einige Mark durch ihre Spendenaktivität verdienen konnten und in einigen Zentralen noch zusätzlich eine üppige Mahlzeit erhielten, haben sich jetzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit dem Europarat und der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion für die Unentgeltlichkeit der Spende ausgesprochen. Ebenso arbeitet der Blutspendedienst gemeinnützig, das heißt, allein die effektiven Kosten, die pro Blutkonserve tatsächlich anfallen, dürfen den Kliniken berechnet werden.

Sicherheit für den Empfänger

Ein umfangreiches Sicherheitsprogramm schützt jeden Empfänger vor Ansteckung. Die Freigabe der gewonnenen Blut- oder Plasmakonserven setzt eine Reihe von national und international festgelegte Laboruntersuchungen voraus, um die Sicherheit für den Empfänger zu erhöhen. So werden seit dem 1. März 1999 entsprechend der Auflagen des Paul-Ehrlich-Institutes alle Blutpräparate auf die Parameter HCV-RNA, HIV-1-RNA und HVB-DNA untersucht.

Spendeverbot

Kein Blut spenden dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Schwangere und Patienten mit chronischen Erkrankungen. Auf jeden Fall ist vorher immer auch der behandelnde Internist zu befragen. Abgeraten wird auch bei Personen mit sehr niedrigem Blutdruck. Ausgeschlossen sind Menschen mit durchstandenen Haepatitiden sowie bestehender HIV-Infektion sowie mit Gerinnungs und Immunschwächen sowie nach Krebserkrankungen.

Seit einiger Zeit unterliegen auch Menschen, die in den Jahren 1986 bis 1994 für mindestens sechs Monate in Großbritannien gelebt haben und dort eventuell BSE verseuchtes Fleisch gegessen haben, dem Spendeverbot. Seit dem 1. Mai 2003 sind auch Menschen, die sich in China, Hongkong oder Toronto aufgehalten haben, für vier Wochen nach ihrer Rückkehr wegen der Gefahr der Lungenkrankheit SARS „gesperrt“.

Eigenspende

Um sich einerseits aus der Versorgungslücke zu behelfen und Infektionsrisiken zu vermeiden, hat man seit einigen Jahren das Verfahren der Eigenspende eingeführt. Dieses ist immer dann realisierbar, wenn der Patient an sich gesund ist, also keine systemische Erkrankung hat, und eine größere Operation auf dem Plan steht. Bei der Blutabnahme werden dem Patienten 450 Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Das Blut gelangt dann direkt in einen sterilen Blutbeutel, in dem sich eine Stabilisatorlösung befindet (Natriumcytrat, 3,8 Prozent, isoton). Diese verhindert die Gerinnung des entnommenen Blutes im Beutel und enthält Nähr- und Stabilisatorstoffe für die Hämatozyten. Die Eigenblutgewinnung erfolgt aus Stabilitätsgründen innerhalb weniger Minuten, was bei labilen Patienten stark kreislaufbelastend sein kann. Bei einigen Patienten können eine EKG-Überwachung und ein Blutersatzmittel erforderlich sein. Normal gesunde Menschen haben allerdings keinerlei weitere Probleme mit der Eigenblutspende. Diese oben beschriebene Prozedur erfolgt nun bis zur voraussagbar erforderlichen Menge allwöchentlich. Die Operation darf dann erst eine Woche nach der letzten Spendenportion erfolgen.

Das Plasma ist bei minus 30 Grad etwa eineinhalb Jahre haltbar. Das Erythrozytenkonzentrat lässt sich nicht tieffrieren und hat eine Lagerfähigkeit von maximal 42 Tagen bei zwei bis fünf Grad Celsius. Die Eigenspende wird bei notwendigen Operationen von den Krankenkassen getragen, sollte es sich allerdings um einen allein vom Patienten gewünschten Eingriff handeln, wie eine Schönheitsoperation, dann erscheinen die Kosten auf seiner Privatrechnung.

Ob nun mein mit etwas leckerem Grauburgunder angereichertes Blut dem Freiburger Patienten helfen konnte, oder ob er „besseres“ Blut von einem der Anderen, der sich am frühen Morgen aufgrund des Aufrufes auf den Weg zur Blutspendezentrale gemacht hat erhielt, das habe ich nie erfahren. Eigentlich schade, es wäre für mich ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich jemandem helfen konnte. So weiß ich nur, dass ich zumindest den Versuch unternommen habe, irgendjemandem zu helfen, der sich gerade in einer lebensbedrohlichen Situation befand. Und viel Aufwand war das nun wirklich nicht!

INFO

Künstliches Blut bald marktreif

Erstmals hat eine Firma künstliche Sauerstoffträger unter „echten“ Produktionsbedingungen hergestellt. Bald soll das synthetische Blut marktreif werden, verkündete die SanguiBioTech AG aus Witten. Das auf Schweine-Hämoglobin basierende Produkt wurde bereits im Juni 2000 beim Deutschen Patentamt München zum Patent eingereicht. Bei Tierversuchen haben sich die künstlichen Sauerstoffträger bereits bewährt. Die Einsatzmöglichkeiten des neuen Produkts sind vielfältig. Das künstliche Blut wäre in großen Mengen verfügbar, ermöglicht also Unabhängigkeit von Spenderblut. Auch bei chronischem Sauerstoffmangel von Geweben, wie nach akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Schlaganfall könnte das künstliche Blut eingesetzt werden. sp/pm

Weltrekord im Blutspenden

Der vom amerikanischen Roten Kreuz und der Universität of Missouri im April 1999 aufgestellte Weltrekord im Blutspenden wurde jetzt in Dortmund überboten. 4 472 spendewillige Männer und Frauen haben sich am 18. Mai diesen Jahres in der Westfalenhalle eingestellt und wollten spenden. Nach genau neun Stunden war es geschafft. 4 017 von ihnen sind dann tatsächlich punktiert worden.

INFO

Tipps zur Blutspende

• Voraussetzung ist die Volljährigkeit.

• Ein Spender sollte mindestens 50 Kilogramm wiegen.

• Die Spende dauert etwa zehn Minuten.

• Direkt vor der Spende wird noch einmal an der Fingerbeere ein Bluttropfen entnommen, um den Sauerstoffsättigungsgrad zu testen. Wenn hier alles o.k. ist, kann die Spende losgehen.

• Direkt nach der Spende sollte viel getrunken werden, unter Umständen noch eine halbe Stunde ruhen.

• Thema Autofahren: Kein Problem, wenn sich der Patient wohl fühlt.

• Das entnommene Blut ist nach drei Wochen vom Körper wieder ersetzt.

• Nach der Blutspende sollte etwa zwei bis drei Tage kein Leistungssport betrieben werden.



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