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27.04.17 / 00:01
Heft 09/2017 Gesellschaft
80. Geburtstag von Dr. Karl Horst Schirbort

Der Vater des Zahnarzt-Korbes

Von seinen 80 Lebensjahren hat sich Dr. Karl Horst Schirbort rund 50 Jahre in der Berufspolitik engagiert. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der KZBV, überzeugte Freiverbändler und Standespolitiker prägte mit seinem Kampf gegen ein staatliches Gesundheitswesen eine Ära – und bereitete den Boden für das heutige Festzuschusssystem.




„Mit begrenzten Mitteln gibt es keine unbegrenzten Leistungen“ – mit diesem Satz schrieb Dr. Karl Horst Schirbort standespolitische Geschichte. Damals in den 1990ern spitzte sich die Diskussion um die Einführung des Budgets zu, die Zahnärzteschaft diskutierte über Vertrags- und Wahlleistungen, kämpfte gegen die Sachleistung und für eine Kostenerstattung. Schirbort erwies sich in diesem Klima für seine Kollegenschaft als der richtige Mann am richtigen Ort, um die Geschicke der Vertragszahnärzteschaft zu lenken und wurde zum ehrenamtlichen Vorsitzenden der KZBV gewählt. Er blieb es von 1994 bis 2002. Zuvor bekleidete er eine Vielzahl von standespolitischen Ämtern, sowohl in der KZV Niedersachsen, dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) und auch in Kammergremien. Sein Postulat, dass Worte und Taten sich decken müssen, dass mehr Freiheit und Eigenverantwortung ins Gesundheitswesen einziehen sollen und dass Kassen und Zahnärzte „mit gleich langen Spießen“ kämpfen müssen, ist vielen in der Kollegenschaft auch heute noch in Erinnerung.

Wie er dazu kam? Das ergibt sich aus der Lebensgeschichte des am 12. April 1937 im Sudentenland geborenen Schirbort. „Das Leben prägt einen Menschen. Du bis das, was du bist, weil du bestimmte Dinge erlebt hast“, zeigt sich Schirbort überzeugt.

Kriegswirren brachten die Familie in die DDR: „Mir ist der Zahnarztberuf in die Wiege gelegt worden“, bilanziert er. „Mein Vater war Zahnarzt, als Kind und als Halbwüchsiger erinnere ich mich, dass es bei uns oft um berufliche und politische Belange ging.“ Der Vater praktizierte in einer Landpraxis in der Nähe von Halle an der Saale. Als Akademikerkind erhielt der junge Schirbort in der DDR zunächst keinen Studienplatz in Zahnmedizin.

Er gelangte 1955 nach West-Berlin, um dort an der Zahnklinik in der Aßmannshauser Straße zu studieren. Es folgte die Examenszeit während des Mauerbaus, die Approbation 1962 und die Promotion 1963. Nach der Assistentenzeit in Berlin, Geesthacht und Giffhorn ging er nach Hänigsen in Niedersachsen, gründete nach fünf Jahren eine eigene Praxis in Burgdorf, die er bis zum Ende seiner aktiven Berufstätigkeit 2009 hielt. Berufspolitisch sensibilisiert haben ihn kritische Erfahrungen aus seinem Elternhaus in der DDR, besonders was die Berufsausübung als Zahnarzt anging.

„Ich möchte kein staatsmedizinisches Gesundheitssystem haben, nicht nur wegen der Zahnärzteschaft, sondern vor allem wegen der Bevölkerung“, sagt Schirbort nachdrücklich und verweist auf Polikliniken und die Einschränkung der freien Arztwahl.

„Ich war noch keine zwei Jahre niedergelassen, da hatte ich mehrere Fälle in der eigenen Praxis, bei denen ich sagte, so kann es doch nicht gehen!“ Konkret ging es um eine Patientin, der die Kasse trotz fünf bestehender Zähne keinen festen Zahnersatz genehmigte, und um ein Kind, das dringend einer KFO- Behandlung bedurfte, bei dem die Kasse aber die Kosten nicht übernehmen wollte. Schirbort: „Ich bin Zahnarzt mit Leidenschaft und biete den Patienten verschiedene Therapiemöglichkeiten an. Die Kassen begründeten ihre Nichtgenehmigung dann mit dem Gebot des Ausreichenden, Wirtschaftlichen und Zweckmäßigen. Das war dann die Wurzel für mein künftiges Engagement: Ich wollte mich für die Patienten einsetzen.“

1967 ging er in die Standespolitik. „Die Maloche habe ich von der Pike auf gelernt: Ich war in verschiedenen Ausschüssen in der KZV Niedersachsen, bin in die Vertreterversammlung gekommen und dann – das bleibt ja nicht aus – kam ich in den Vorstand, erst als zweiter Vorsitzender, dann als Vorsitzender.“ Schirbort bekleidete dieses Amt von 1981 bis 2004.



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