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15.01.16 / 10:52
Heft 02/2016 Praxis
Umgang mit Angehörigen anderer Kulturen

Der fremde Patient

Mit der Flüchtlingskrise gehen steigende Behandlungszahlen von Asylsuchenden einher. Während viele niedergelassene Kollegen kaum Kontakt zu ihnen haben, herrscht bei Arzt- und Zahnarztpraxen in der Nähe von Flüchtlingslagern oder bei ehrenamtlich involvierten Medizinern neben sprachlichen Barrieren oftmals Verunsicherung im Umgang mit den fremden Patienten. Unser Autor gibt Hinweise für die Behandlungssituation.



Normalerweise ist der Patient keine Blackbox, man weiß, wie man mit ihm umgehen kann. Bei Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund sieht das vielleicht anders aus. Fiedels – Fotolia.com

Verfügen einige Hilfesuchende über Englisch- oder Französischkenntnisse, kann der Großteil nur mithilfe von Dolmetschern kommunizieren. Sofern dabei Verwandte zum Einsatz kommen, muss die Gesprächsführung sehr zurückhaltend geführt werden:

Aufgrund familiärer Hierarchien oder kultureller Prägungen werden möglicherweise intime Fragen beziehungsweise Themen nicht korrekt übersetzt. So führt beispielsweise das bereits im alten Ägypten greifbare und im islamischen Kulturkreis noch heute gültige theurgische Modell zur Stigmatisierung von Kranken, da göttliche Bestrafung als Ursache von körperlichen Gebrechen und eine Krankheit oft als „Gottes Wille“ angesehen werden.

Traumatisierte Patienten: Arbeit für Humanmediziner

Sind Zeichen einer Traumatisierung erkennbar, ist die Überweisung an einen Humanmediziner zur Einleitung weiterer Maßnahmen geboten – eigene Therapieversuche sind rechtlich bedenklich. Im Hinblick auf die bereits erwähnte mögliche Stigmatisierung sollten in diesem Zusammenhang keine Begriffe verwendet werden, die auf eine psychische Erkrankung der Betroffenen schließen lassen.

Zur Vermeidung von Missverständnissen hat sich die Verwendung von Anamnesebögen und Informationsmaterial in unterschiedlichen Sprachen bewährt (zu finden auf www.zm-online.de). Werden in Praxen Symbolbilder zur Erläuterung von Behandlungen genutzt, muss beachtet werden, dass Araber – im Gegensatz zu Europäern – von rechts nach links lesen, und die Reihenfolge entsprechender Aufklärungsbilder angepasst werden.



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