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16.01.16 / 00:02
Heft 02/2016 Titel
Kariesprophylaxe beim Kleinkind

Der sächsische Weg

Ab wann putzt man Babys und Kleinkindern die Zähne - und womit? Einfache Frage, einfache Antwort? Seit April 2013 nicht mehr. Seitdem geben Kinderärzte und Zahnärzte in der S2k-Leitlinie zur Fluoridierung hierzu unterschiedliche Empfehlungen. Eine Pattsituation, könnte man denken. Lesen Sie, wie Sachsen trotz aller Schwierigkeiten einen gehbaren Weg gefunden hat.




2013 fand die letzte Aktualisierung der S2k-Leitlinie „Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“ statt: Experten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e. V., der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung legten Empfehlungen für die angemessene ärztliche beziehungsweise zahnärztliche Vorgehensweise fest [Hellwig E et al., 2013].

Dabei konnte zum Vorgehen bei Kindern bis fünf Jahren hinsichtlich der Anwendung von fluoridierter Zahnpasta und Fluoridtabletten kein Konsens zwischen Zahnärzten und Pädiatern erzielt werden. Die Leitlinie unterscheidet hier eine pädiatrische und eine zahnärztliche Empfehlung [Hellwig E et al., 2013]. Dieser Dissens verunsichert Eltern, Familien, Hebammen und Mitarbeiter von Kinderbetreuungseinrichtungen: Sie erwarten eine Entscheidungshilfe zwischen den verschiedenen Optionen. Und von wem dürfen sie diese erwarten, wenn nicht von den beteiligten medizinischen Professionen?

Dazu raten Pädiater

In der Leitlinie wurden folgende divergierende Empfehlungen zur Anwendung von fluoridierter Zahnpasta und Fluoridtabletten im Vorschulalter fixiert:

Die Pädiater sprechen sich in der Leitlinie dafür aus, dass die Kinder im älteren Säuglings- und im Kleinkindalter prinzipiell an eine regelmäßige Zahnreinigung mit einer altersgerecht geformten Zahnbürste herangeführt werden sollen. Fluoridhaltige Zahnpasten sind dabei erst ab einem Alter einzusetzen, in dem das Kind Zahnpasta nach dem Zähneputzen regelmäßig vollständig ausspucken kann (in der Regel mit Beginn des fünften Lebensjahres).

Grund für diese Zurückhaltung ist, dass es sich bei Zahnpasta um ein kosmetisches Mittel handelt, das zahlreiche nicht für den Verzehr vorgesehene Inhaltsstoffe enthält und nicht regelmäßig geschluckt werden sollte. Die verfügbaren Empfehlungen zur Fluoridzufuhr weisen aus Sicht der Pädiater auf eine sowohl topische als auch auf eine systemische kariesprophylaktische Wirkung hin, wobei für die langfristige Kariesprävention der topische Effekt von größerer Bedeutung ist [AAP, Pediatrics, 2008]. Daher empfehlen sie die Gabe von Fluoridtabletten nach dem Zahndurchbruch, die möglichst gelutscht werden, um die topische Wirkungskomponente bestmöglich zu nutzen [Hellwig E et al., 2013].



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