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01.09.07 / 00:08
Heft 17/2007 Zahnmedizin
28. Jahrestagung des Interdisziplinären Arbeitskreises-Oralpathologie und Oralmedizin

Die Kieferhöhle – Physiologie und Pathologie

Die Tagung vom 15. bis 17. Mai dieses Jahres in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden stand unter dem Thema „Die Kieferhöhle – Physiologie und Pathologie“ und sollte neue Erkenntnisse zur Pathogenese der verschiedenen Krankheitsentitäten im Bereich der Nasennebenhöhlen darstellen sowie eine Übersicht zu aktuellen diagnostischen und therapeutischen Standards bei Kieferhöhlenerkrankungen geben.




Prof. Dr. Hartwig Kosmehl, Erfurt, stellte in seinem Vortrag das breite Spektrum der epithelialen Tumoren der Nase und der Nasennebenhöhlen vor und fasste für diese Entitäten die wesentlichen Neuerungen der 2005 erschienenen WHO-Klassifikation der Kopf-Hals-Tumoren zusammen. Er unterstrich in diesem Zusammenhang die therapeutisch bedeutsame Differenzierung morphologisch sehr ähnlicher Tumorformen (beispielsweise sinonasales undifferenziertes Karzinom (SNUC) und lymphoepitheliales Karzinom), die sich vom klinischen Verhalten ganz wesentlich unterscheiden. Anschließend wiesen Priv.-Doz. Dr. Dr. Oliver Driemel und Mitarbeiter, Regensburg/ Erfurt, auf das trotz seiner weiten Verbreitung noch wenig beachtete Krankheitsbild der allergischen Pilzsinusitis hin. Die Arbeitsgruppe betonte auch die verschiedenen Verlaufsformen der Aspergillose („Pilzball“ versus „Invasive fungale Sinusitis“), die sich sowohl hinsichtlich der Altersprävalenz als auch der Rezidivhäufigkeit deutlich unterscheiden. Die Hallenser Arbeitsgruppe um Dr. med. habil. Lutz Tischendorf analysierte populations- und klinikbezogene Daten zum Karzinom von Kieferhöhle und Oberkiefer der Geschwulstmeldestellen der ehemaligen DDR aus den Jahren 1953 bis 1982. Aufgrund von Fehldeutungen wurde das Kieferhöhlenkarzinom damals häufig erst spät behandelt und zeigte folgerichtig schlechtere Therapieergebnisse als das unmittelbar benachbarte Mundschleimhautkarzinom. Eine radikale operative Behandlung mit und ohne Bestrahlung verbesserte im Vergleich zu anderen therapeutischen Strategien die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Die „freien Vorträge“ widmeten sich in einem zweiten Block dem oralen Plattenepithelkarzinom und seinen Vorläuferläsionen. Zunächst berichtete Dr. Dr. Felix Koch, Mainz, über die eingeschränkte Treffsicherheit der Bürstenbiopsie mit konventioneller Färbetechnik und rein morphologischer Auswertung bei oralen Mundschleimhautläsionen. Die Arbeitsgruppe warnte davor, einen Krebsverdacht mittels Bürstenbiopsie ausschließen zu wollen.

Das Regensburger Team um Dr. Dr. Urs Müller-Richter präsentierte MAGE-A-Antigene als potentiellen diagnostischen und therapeutischen Ansatz bei oralen Plattenepithelkarzinomen.

Dr. Maximilian Mörgel, Mainz, untersuchte die Bedeutung von p63 für die Prädiktion der Strahlensensitivität oraler Plattenepithelkarzinome. Klinisch strahlensensitive Tumoren ließen eine signifikant geringere Expression von p63 erkennen als strahlenresistente Tumoren, so dass eine p63-Inhibition möglicherweise eine Therapieoption zur Durchbrechung der Strahlenresistenz bieten könnte.

Abschließend stellte Dr. Florian Fialka, Göttingen, Ergebnisse zum Expressionsmuster der Gene Tn-C, SIAT und LGl1 vor. Die Forschergruppe wies auf die mögliche Bedeutung dieser Gene als prognostische Marker bei am oralen Plattenepithelkarzinom erkrankten Patienten hin.

Die 29. Jahrestagung des AKOPOM wird traditionell als Gemeinschaftstagung mit der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (AgKi) vom 1. bis 3. Mai 2008 in Wiesbaden stattfinden. Neben freien Themen sind unter dem Hauptthema „Präventive Konzepte in der oralen Medizin“ Vorträge zu den Schwerpunkten „Screeningverfahren unter ökonomisch-politischen Gesichtspunkten“, „Onkologie“, „Parodontolgie“ und „Implantologie“ vorgesehen.

Näheres zu Vorträgen, Seminaren, Preisvergaben und mehr ab 1. September 2007 auf der Homepage des AKOPOM (www.akopom.de).

Priv.-Doz. Dr. Dr. Oliver Driemel
(Schriftführer des AKOPOM)
Klinik und Poliklinik für Mund-,
Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universität Regensburg
Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
oliver.driemel@klinik.uni-regensburg.de

Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel
(1. Vorsitzender des AKOPOM)
Klinik und Poliklinik für Mund-,
Kiefer- und Gesichtschirurgie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Augustusplatz 2
55131 Mainz

Mitgliedschaft im AKOPOM

zm-Info

Der AKOPOM lädt nicht nur oralpathologisch interessierte ärztliche und zahnärztliche Kolleginnen und Kollegen zur Mitgliedschaft ein, sondern es sollen all diejenigen Kollegen angesprochen werden, die sich mit der Diagnostik und Therapie oraler Erkrankungen in ihrer täglichen Praxis befassen. Der Arbeitskreis setzt sich dafür ein, den Stellenwert der oralen Medizin in Forschung und Praxis zu stärken und möchte zum Selbstverständnis des Zahnarztes als Facharzt für orale Medizin beitragen.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 25 Euro, bei Einzugsermächtigung 15 Euro. Für Studenten der Medizin und der Zahnmedizin ist die Mitgliedschaft kostenlos.

Ein entsprechender Aufnahmeantrag findet sich auf der Homepage des AKOPOM (www.akopom.de) oder kann beim Schriftführer des AKOPOM, Priv.-Doz. Dr. Dr. Oliver Driemel,

(oliver.driemel@ klinik.uni-regensburg.de) angefordert werden. ■

Der Interdisziplinäre Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin

Der Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin (AKOPOM) hat sich als spezialisierte Fachgruppierung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) die Förderung der Wissenschaft auf dem speziellen Gebiet der Pathologie der Mundhöhle und der Oralmedizin zum Ziel gesetzt. Dabei soll dieser Arbeitskreis ein interdisziplinäres Forum für Ärzte und Zahnärzte sein, die sich mit den Erkrankungen der Mundhöhle beschäftigen. Insofern ist dieser Arbeitskreis nicht nur für diejenigen von Interesse, die auf dem Spezialgebiet der Oralpathologie und Oralmedizin wissenschaftlich tätig sind und/oder deren Thematik im akademischen Unterricht vertreten, sondern soll gerade den praktisch tätigen Kolleginnen und Kollegen eine Plattform bieten, auf der sämtliche diagnostische oder therapeutische Aspekte der oralen Medizin diskutiert werden können.

Während die Oralpathologie, eine weitgehend etablierte Spezialität ist, wird die Oralmedizin bislang eher unter dem allgemeinen Dach der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde wahrgenommen und weniger als eigenständige Disziplin.

Die Oralmedizin beschäftigt sich mit sämtlichen Erkrankungen der Mundhöhle. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf den Erkrankungen der Mundweichgewebe, insbesondere der Mundschleimhaut. Dies betrifft Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms genauso wie orale Manifestationen von Systemerkrankungen, der HIV-Infektion oder systemischer Dermatosen. Die Oralmedizin befasst sich aber auch mit den Erkrankungen der Speicheldrüsen, den inflammatorischen Erkrankungen, dem Phänomen Schmerz beziehungsweise den Kiefergelenkerkrankungen. Ein weiteres großes Feld betrifft die oralen Manifestationen internistischer Erkrankungen sowie die Auswirkungen von Medikamenten. Insofern bildet die Oralmedizin sowohl ein Verbindungsglied aller zahnmedizinischen Spezialfächer als auch eine Brücke zur Allgemeinmedizin.

Der Oralmedizin wird im internationalen Maßstab, sowohl von der WHO als auch der FDI, eine zunehmend größere Bedeutung zugemessen, da sich gerade im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel zur älteren Bevölkerung das Berufsbild des „Zahn“arztes immer mehr zum „Mund“arzt (oral physician) entwickeln wird, das heißt zu einem Fach(zahn)arzt mit einer besonderen Kompetenz in der oralen Medizin.

Vor diesem Hintergrund möchte der Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin Kolleginnen und Kollegen aus allen Disziplinen der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zur Mitarbeit einladen und darum werben, die Kernkompetenz der oralen Medizin fest in der Zahnheilkunde zu verankern. ■

 

Neuer Vorstand des AKOPOM

Anlässlich der Jahrestagung 2007 fand die Mitgliederversammlung des AKOPOM statt. Hier wurden folgende Kollegen einstimmig (mit je einer Enthaltung) in den neuen Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender ist ab nun Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel, Mainz, (kunkel@mkg.klinik.unimainz.de).

2. Vorsitzender wurde Prof. Dr. A. Burkhardt, Kreiskliniken Reutlingen GmbH, Pathologisches Institut in Reutlingen, (arne.burkhardt. kkh-rt@t-online.de). Als Schriftführer wird zukünftig Priv.-Doz. Dr. Dr. Oliver Driemel, Universität Regensburg, (oliver.driemel@klinik.uni-regensburg.de) amtieren. Die Funktion des Kassenwarts hat Univ.-Prof. Dr. Hartwig Kosmehl, Institut für Pathologie, HELIOS Klinikum Erfurt und Gemeinschaftspraxis für Pathologie, aus Erfurt, (hkosmehl@erfurt.helios-kliniken.de) übernommen. Als Beirat ist zukünftig Univ.-Prof. Dr. Andrea Maria Schmidt- Westhausen, Charité, Berlin tätig (schmidtwesthausen@charite.de). ■



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