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16.12.03 / 00:10
Heft 24/2003 Politik
Arzneimittelkommission Zahnärzte

Die Kommission feiert 50sten Geburtstag

1953 – das Jahr, das für die deutschen Zahnärzte besondere Bedeutung hatte. 2003 – das Jahr der Jubiläen. Nicht nur die Bundeszahnärztekammer konnte ihr 50stes Bestehen in diesem Jahr feiern, auch die Arzneimittelkommission Zahnärzte, die von BZÄK und KZBV gemeinsam getragen wird, wurde 50 und traf sich in einem festlichen Rahmen zur 100sten Sitzung in den Räumlichkeiten der Bundeszahnärztekammer in der Berliner Chausseestraße.




Man schrieb das Jahr 1953. Nachdem die Deutschen Ärzte im Vorjahr eine Arzneimittelkommission gegründet hatten, um in einem besonderen Gremium dem „Übel auf dem Arzneimittelmarkt“ ohne etabliertes Arzneimittelgesetz zu entgegnen und Arzneimittel bedingte Nebenwirkungen wissenschaftlich zu hinterfragen, haben auch die Zahnärzte diesen Entschluss zur Gründung einer entsprechenden Kommission aufgegriffen und umgesetzt. Der spätere Bundeszahnärztekammerpräsident Dr. Walter Knott war der erste Vorsitzende der Arzneimittelkommission Zahnärzte. Das Gremium bestand zur Hälfte aus Wissenschaftlern und praktisch tätigen Zahnärzten. Der Pharmakologe Prof. Klaus Soehring sowie der Kieferchirurg Prof. Dr. Dr. Hugo Forstmann waren von Anfang an dabei, und man beschloss schon damals, sich im Sinne der Qualitätssicherung zweimal jährlich zum Informationsaustausch zu treffen. Beiratsmitglieder waren Hochschullehrer der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde aus den Fachbereichen Prothetik und Werkstoffkunde, Kieferorthopädie, Zahnerhaltungskunde und Parodontologie. Immer wieder gab es Aktuelles zum Thema Arzneimittelsicherheit zu bewältigen, aber erst im Jahre 1964 traf die erste Nebenwirkungsmeldung ein. Das Produkt Irgapyrin ®, ein Analgetikum auf Pyrazolidinbasis hatte, so die Meldung, ein Zungenödem und Nesselsucht ausgelöst. In den folgenden Jahren noch schleppend, dann immer öfter meldeten Zahnärzte ihre „unerwünschten“ Beobachtungen zu Medikamenten und Materialien, die in der Zahnarztpraxis Anwendung fanden.

Die Entgegennahme von Nebenwirkungen wurde immer wichtiger, je mehr Präparate auf den deutschen Markt drängten und Apotheken und Notfallschränke in privaten Haushalten füllten. Bis heute sind über 2 500 Meldungen eingegangen, bearbeitet und bewertet. Am häufigsten betroffen waren Analgetika, Antibiotika und Lokalanästhetika, wie Zahnarzt Michael Krone, zuständiger Abteilungsleiter für den Bereich AKZ, in seiner Festrede betonte. Eine Qualitätssicherung, wie sie besser nicht sein kann.

Ein Beispiel aus dem Alltag der AKZ

Vor einiger Zeit wurde durch einen Anruf bei den Zahnärztlichen Mitteilungen eine „Lawine“ ausgelöst. Ein Zahnarzt meldete seine Beobachtung, dass sein an Asthma leidender Sohn verstärkt Erosionen an den Labialflächen aufwies. Er vermutete, dass das verwendete Medikament dahinter steckte. Nun ging es los: Er reichte die Vermutung schriftlich bei der AKZ ein. Diese informierte die Arzneimittelkommission Ärzte. Das Thema wurde Tagungspunkt bei der nächsten Sitzung. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie wurden eingeschaltet. Über einen Aufruf in den zm suchte man weitere Hinweise, die diese Vermutung unterstützen könnten. Schließlich wurde an der Universität Dresden unter Leitung von Professor Gisela Hetzer eine Studie zu diesem Thema durchgeführt. Die Untersuchung wurde finanziell von der Bundeszahnärztekammer anteilig unterstützt. Als schließlich abgesicherte Ergebnisse vorlagen (veröffentlicht in den zm 12, 16.6.2003, Seite. 46), konnte man mit Sicherheit davon ausgehen, dass alle heute gängigen Asthma-Aerosole bei Kindern und Jugendlichen keine Zahnschäden auslösen, wenn die üblichen prophylaktischen Maßnahmen wie Zahnreinigung und Fluoridierung regelmäßig erfolgen. Dieses Beispiel zeigt die Sisyphusarbeit, die diese Kommission leisten muss und gleichzeitig die Verantwortung, die in ihrer Arbeit liegt.

Kontinuität ist gefragt

Aus diesem Grunde ist es außerordentlich wichtig, dass sich fast alle Kommissionsmitglieder mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit langfristig in das Gremium einbringen und so ihr großer, jahrzehntelanger Erfahrungsschatz dem Berufsstand im Sinne der Qualitätssicherung zu Gute kommt. Ganz besonders hervorzuheben ist die seit dem Gründungstag der AKZ kontinuierliche Mitarbeit von Dr. Gerhard Maschinski, der anlässlich der Feierstunde besonders geehrt wurde. Aber auch der bis vor wenigen Jahren amtierende Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. Werner Röhrig, hat, bevor er sein Amt in die Hände von Dr. Helmut Pfeffer übergab, jahrzehntelange Kontinuität bewiesen.

Alljährlich werden die in einem Kalenderjahr eingegangenen Nebenwirkungsmeldungen gesondert gesichtet und statistisch ausgewertet. Die Ergebnisse werden regelmäßig in den zm veröffentlicht und so den Zahnärzten zugänglich gemacht. Die Berichte der letzten drei Jahre können über den Leserservice der zm angefordert werden.



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