zm-online
16.03.07 / 00:13
Heft 06/2007 Gesellschaft
Cox-Report zur Finanzierung im Gesundheitswesen

Die Macht des Marktes stärker nutzen

Nur mit gezielten und vermehrten Investitionen ist es möglich, die Qualität der gesundheitlichen Versorgung in Europa nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Dies ist das Fazit eines Mitte Februar in Straßburg präsentierten Berichts, des sogenannten Cox-Reports zur nachhaltigen Finanzierung des Gesundheitswesens.



Mit gezielten Investitionen ist es möglich, die gesundheitliche Versorgung in Europa zu verbessern – das jedenfalls ist das Fazit des sogenannten Cox- Reports. Foto: PP

Vor dem Hintergrund der auf europäischer Ebene stattfindenden Debatte über die Mobilität von Patienten und die Zukunft des Gesundheitswesens geht der Bericht der Frage nach, wie die Länder ihre Ressourcen am besten einsetzen sollten, um den Menschen in der Europäischen Union (EU) dauerhaft eine qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge anbieten zu können. Der Bericht ist nach Pat Cox, dem ehemaligen Präsidenten des Europaparlaments (EP) benannt. Er leitete das internationale Expertenteam von Politikern und Gesundheitsökonomen, das über ein Jahr lang Informationen für die Studie zu den folgenden vier zentralen Fragestellungen zusammengetragenhat:

• Gerechtigkeit und Effizienz
• Gegenwert für Investitionen im Gesundheitswesen
• Patientenermächtigung und effiziente Ergebnisse in der Gesundheitsfürsorge
• nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens in Südosteuropa.

Das luxemburgische Gesundheitsministerium, der finnische Innovationsfonds Sitra und das Pharmaunternehmen Pfizer haben die Studie unterstützt.

„Wir müssen uns von dem gefährlichen und trügerischen Mythos verabschieden, dass vor allem ein hohes Lebensalter für den Anstieg der Ausgaben im Gesundheitswesen verantwortlich ist. Die wirklich wichtigen Gesichtspunkte, auf die wir uns konzentrieren müssen, sind die technologischen Entwicklungen und die Betrachtung der Gesundheitsausgaben als Investition“, betonte Cox. Ebenso wie kranke Erwerbstätige das Wachstum schwächen würden, trügen gesunde Bürger zum Wirtschaftswachstum bei.

Mehr Transparenz

Der Bericht fordert daher auch eine höhere Transparenz und Offenheit bei der Finanzierung des Gesundheitswesens in Europa. „Es ist schockierend, wie schwer in den einzelnen europäischen Ländern nachzuvollziehen ist, wohin die Gelder fließen“, sagte Cox. Preisbasierte Mechanismen könnten nach Ansicht der Experten dazu beitragen, mehr Informationen über den tatsächlichen Gegenwert von Versorgungsleistungen und Gesundheitsgütern zu bekommen. Auch sei es erforderlich, verstärkt in die gesundheitliche Bildung, insbesondere niedriger sozioökonomischer Schichten und ethnischer Minderheiten, zu investieren, so eine weitere Schlussfolgerung des Berichts. Claude Hemmer, Regierungsrat im luxemburgischen Gesundheitsministerium, forderte zudem eine konstante Beurteilung und wiederholte Neubewertung moderner Gesundheitstechnologien. Die im Bericht enthaltenen Empfehlungen sollen nach und nach in den einzelnen europäischen Ländern umgesetzt werden.

Petra Spielberg
Rue Colonel Van Gele 98, B-1040 Brüssel

Mehr unter www.sustainhealthcare.org.

zm-Info

Zurückhaltende Reaktionen

Interessenvertreter beurteilen den Cox- Report kritisch. Die Fachleute bemängeln, dass das Gesundheitswesen derzeit äußerst undurchsichtig sei. Sie sprachen sich daher für umfassende Analysen der Kosten und Ausgaben, der behandelten Patienten sowie der Heilungserfolge aus. Der Geschäftsführer der European Hospital and Healthcare Federation (HOPE), Pascal Garel, wehrte sich gegen die Behauptung, es gäbe keine ausreichenden Informationen über die Verwendung von Geldern in der medizinischen Versorgung. „Hinsichtlich der Krankenhausbetreuung verfügen wir über immer mehr Vergleichskriterien und Daten“, sagte Garel. Der Europäische Verbraucherverband BEUC wiederum kritisierte den vornehmlich industriepolitischen Ansatz des Cox-Reports. Ein Beleg hierfür sei, dass der Bericht dem für Industrie und Unternehmen zuständige Kommissar Günther Verheugen und nicht dem Gesundheitskommissar Markos Kyprianou übergeben worden sei. ps/DÄB



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