HANNA HERGT / SONJA SCHULTZ
01.01.16 / 00:02
Heft 01/2016 Titel
Holger Lehmann - 2te-zahnarztmeinung.de

"Die Patienten lieben unser Portal"



privat

2te-zahnarztmeinung.de gibt es inzwischen seit zehn Jahren. Inwiefern hat sich der Markt seitdem verändert?
Holger Lehmann: Meiner Meinung nach hat sich der Markt nicht verändert. Obwohl wir in den vergangenen zehn Jahren mehr als 150.000 Auktionen durchgeführt haben, sind wir immer noch eine Randerscheinung. Patienten vergleichen nach wie vor selten und bezahlen deshalb bei ihrem Zahnarzt leider noch häufig den Höchstpreis. Am ehesten sind wir im Bereich der großen Implantat-Versorgungen bekannt. Wenn Patienten 10.000 bis 50.000 Euro für ihre Versorgung ausgeben sollen, schauen sie doch eher mal nach links oder rechts und werden bei uns fündig. Die Patienten lieben unser Portal und reiben sich die Augen, wenn sie sehen, dass es auch günstiger und vor allem besser geht. Nehmen Sie sich einfach ein paar Minuten Zeit und lesen Sie sich die jüngsten zehn Patientenfeedbacks durch. Dann wissen Sie, was ich meine. Das tue ich übrigens auch, wenn es mal schlechter läuft und ich etwas Aufheiterung benötige.

Wir sind in dieser Branche seit Jahren der klare Marktführer. Bei uns werden die meisten Auktionen durchgeführt und wir haben die größte Anzahl von aktiven Zahnärzten. Im Laufe der Zeit kamen und gingen einige Auktionsportale, aber nur wir haben uns erfolgreich etabliert und ein flächendeckendes Zahnarztnetzwerk aufgebaut. An der deutschlandweiten Abdeckung scheitern übrigens die meisten Auktionsportale, weil sie es nicht schaffen, Patienten und Zahnärzte an einem Ort zusammenzuführen. Und dann sind diese Auktionsportale für Kooperationen mit Krankenkassen nicht die erste Wahl.
Alle derzeit aktiven Anbieter halte ich aber alle für seriös. Mit Tricks kommt man auf diesem Gebiet nicht allzu weit. Dafür stehen Auktionsportale viel zu sehr im Austausch mit Patienten, Zahnärzten und Krankenkassen. Wenn da etwas nicht rund läuft, ist das Spiel sehr schnell zu Ende.

Gibt es Kassen, die sich generell der Idee eines Heil- und Kostenplan-Vergleichs verschließen?
Es gibt genügend Krankenkassen, bei denen ich das Gespräch mit einem großen Kopfschütteln beende. Viele interessiert es überhaupt nicht, wie viel ihre Versicherten beim Zahnersatz dazu bezahlen oder ob sie hierfür sogar einen Kredit aufnehmen müssen. Sie sehen sich selbst nicht in der Verantwortung gegenüber ihren Versicherten. Diese Ignoranz und Bewegungslosigkeit ist manchmal wirklich niederschmetternd.

Wie gehen Sie auf Ihrem Portal mit Zahnärzten um, die bei mehreren Patienten Unzufriedenheit ausgelöst haben?
Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder trenne ich mich von diesen Zahnärzten oder sie gehen von selbst, weil sie nicht mehr ausgewählt werden. Mittlerweile werden Zahnärzte von Patienten nur noch ausgesucht, wenn sie erstklassige Bewertungen haben. Was ich nicht brauchen kann, ist Stress – und den haben Sie sehr schnell, wenn Sie mit zweitklassigen Zahnärzten zusammenarbeiten. Denn wir bekommen dann die Beschwerden von Patienten. Und wo die sind, ist der Anruf einer unzufriedenen Partner-Krankenkasse nicht weit. Bei uns trennt sich die Spreu vom Weizen sehr schnell.

Die Financial Times Deutschland hat Ihnen und anderen Erfolgsunternehmern den Titel „Kreativer Zerstörer der deutschen Wirtschaft“ verliehen. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich sehe mich selbst auch wirklich als einen kreativen Zerstörer, denn kreative Zerstörer zerstören nicht, sondern verändern Märkte durch ihre Ideen. Ich bin nicht angetreten, um allen Zahnärzten den Garaus zu machen. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Patienten Zahnärzte aufgrund von deren Preisen und Leistungen aussuchen können. Und wenn dann eben teure oder schlechte Zahnärzte hinten runter fallen, ist das für mich in Ordnung. Das wäre übrigens auch eine gute Entwicklung für den gesamten Markt. Die zahnärztliche Versorgung würde in Deutschland einen riesigen Qualitätssprung machen, wenn Sie die unteren 20 Prozent der schlechten Zahnärzte einfach aussortieren könnten. Aber wer sind die?

Sie sprechen von „Monopolpreisen in einem undurchsichtigen Markt“, wenn es um die Preiskultur innerhalb der Zahnärzteschaft geht. Wieso lässt sich das aus Ihrer Sicht so pauschalisiert und zugespitzt sagen?
Die Preise werden durch eine einzige Gebührenordnung vorgegeben und sind nicht das Ergebnis aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Naturgemäß liegen die Preise somit weit über den Marktpreisen. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Denn auf der anderen Seite verstehen Patienten zu wenig von der Materie, wollen sich damit auch nicht wirklich beschäftigen und können ohne unsere Hilfe die Angebote nicht vergleichbar machen. Aber: Wahrscheinlich ist es auch so gewollt. Denn solange der Patient nicht versteht, worum es geht, kann er auch nicht selbstständig handeln. Seien wir doch mal ehrlich: Braucht es wirklich vier Gebührenordnungen, um den Preis von zahnmedizinischen Behandlungen festzulegen? Bei uns werden selbst für überschaubare Behandlungen häufig zehn Seiten lange Heil- und Kostenpläne mit Anlagen eingereicht. Für ein Implantat mit Krone und ein Inlay hatten wir sogar mal einen Heil- und Kostenplan, der 50 Seiten lang war. Es kann doch niemand ernsthaft behaupten, dass das dem Verständnis des Patienten dienen soll.



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