sg
16.05.17 / 00:01
Heft 10/2017 Politik
Umfrage zum Gesundheitssystem in Deutschland

Die TK findet das GKV-System gut

Wie sehen die Versicherten das Gesundheitssystem? Das wollte die Techniker Krankenkasse (TK) wissen und befragte daher 2.000 Bürger. Das Ergebnis: Rund 84 Prozent äußerten sich positiv zum Umlagesystem der gesetzlichen Krankenversicherung. Einen großen Stellenwert messen die Befragten dem Solidarprinzip der GKV zu.




Die „gute Grundstimmung der Versicherten gegenüber ihrem Gesundheitssystem erreicht einen neuen Höchststand“ – so bilanziert die TK ihre „Meinungspuls“ genannte Umfrage, die sie seit 2003 durchführt. Für dieses Jahr hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa bereits zum elften Mal im Auftrag der TK 2.000 Erwachsene in Deutschland befragt. Die Themen der am 26. April veröffentlichten Umfrage waren Solidarität, Wettbewerb, Finanzierbarkeit, Teilhabe am medizinischen Fortschritt und die Qualität der Versorgung in Stadt und Land sowohl beim Arzt wie im Krankenhaus. Das Ergebnis zeige eines sehr deutlich, so die TK: „Die Menschen in Deutschland und ihr Gesundheitssystem – das passt.“

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

„Ein gerechtes System“, meinen GKV-Versicherte

Die Kasse hebt hervor, dass sechs von zehn Befragten das System als gerecht empfinden, damit wird ein neuer Spitzenwert seit der Ersterhebung erreicht. Dabei lasse sich beobachten, dass die gesetzlich Versicherten (59 Prozent Zustimmung) im Vergleich zu den privat Versicherten (49 Prozent Zustimmung) das Gesundheitssystem in größerem Maße als gerecht bewerten, so die TK. Zudem blickt eine klare Mehrheit der Menschen in Deutschland optimistisch in die Zukunft des Systems: Jeder Zweite glaubt, dass es zukunftsfähig ist, weitere 15 Prozent sind sogar voll und ganz davon überzeugt. „Damit findet der Glaube an die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems eine stabile Mehrheit“, heißt es.

Laut Meinungspuls befürworten 83 Prozent, also die überwiegende Mehrheit, das Solidarprinzip in der Krankenversicherung. Damit ist der Anteil derer, die das Solidarprinzip befürworten, sogar größer geworden. 2014 fanden es 26 Prozent sehr gut, jetzt sind es 32 Prozent.

Die größte Unterstützung erfährt der Solidaritätsgedanke bei den Jüngeren: 88 Prozent der 18-bis 39-Jährigen äußern sich zustimmend. Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) geht zudem davon aus, dass sich das Solidarsystem auch weiterhin im aktuellen Umfang wirtschaftlich tragen lässt.

Ein deutliches Bekenntnis legen vor allem jene ab, die dafür sogar mehr zu zahlen bereit sind. Dies trifft immerhin auf knapp jeden zweiten gesetzlich Versicherten zu (47 Prozent). Jeder Zweite mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr würde für den Erhalt des Systems höhere Beitragssätze akzeptieren. Bei den Geringverdienern, die weniger als 1.500 Euro im Monat zur Verfügung haben, stimmen dem 41 Prozent zu.

Wettbewerb und Solidarität gleichermaßen

Der Solidaritätsgedanke genießt zwar einen hohen Stellenwert bei den Befragten. Gleichzeitig befürwortet aber auch eine Mehrheit von 52 Prozent den Ausbau des Wettbewerbs bei Krankenversicherern, Krankenhäusern, Ärzten, Arzneimittelhersteller und Apotheken. Die TK schließt daraus: „Solidarität und Wettbewerb werden damit nicht als Gegensatz empfunden: Jeder Zweite verspricht sich Vorteile von mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem, während gleichzeitig ein breiter Konsens besteht, dass trotzdem keiner vergessen oder abgehängt werden darf.“

Versorgung: Im Westen ist man zufriedener

Gute Noten verteilen die Befragten für die hausärztliche Versorgung im näheren Umfeld: 31 Prozent der Menschen in Deutschland sind zufrieden damit, weitere 54 Prozent sogar mehr als zufrieden. Lediglich 15 Prozent äußern sich unzufrieden. Allerdings: Die Zufriedenheitswerte im Westen Deutschlands liegen deutlich über denen im Osten. Sechs von zehn Westdeutschen sind mit der Versorgungslage in ihrem Umkreis sehr zufrieden, bei den Ostdeutschen ist es lediglich jeder Dritte.

Auch mit dem Angebot an spezialisierten Ärzten sind die Menschen in Deutschland generell einverstanden, wenn auch das Votum gegenüber den Hausärzten ein wenig schwächer ausfällt. Trotzdem: 38 Prozent der Befragten bewerten das Netz an Fachärzten in ihrer Umgebung uneingeschränkt positiv. Geht der Blick in die Regionen, so nehmen die Menschen im Osten eine dünnere Versorgungslage wahr: 48 Prozent – also fast jeder zweite Ostdeutsche – ist mit dem Facharzt-Angebot vor seiner Haustür unzufrieden. Bei den Fachärzten ist die Wartezeit auf einen Termin häufiger Kritikpunkt.

Zuzahlungen sind okay, wenn diue Leistung stimmt

Mehr als jeder Zweite (58 Prozent) würde höhere Beiträge und Zuzahlungen akzeptieren, um den aktuellen Leistungsumfang zu behalten. Nur 27 Prozent würden einen geringeren Leistungsumfang in Kauf nehmen, wenn dafür Beitragssätze und Zuzahlungen stabil bleiben. Besonders die Jüngeren wollen laut der Erhebung keine Einbußen im Leistungsumfang hinnehmen: Von den 18- bis 25-Jährigen sind es drei Viertel, die für stabile Leistungen höhere Kosten akzeptieren würden. Zum Vergleich: Jenseits der 40 Jahre sind im Schnitt nur noch 55 Prozent dazu bereit, für gleichbleibende Leistungen mehr zu bezahlen.

Digitalisierung wird positiv wahrgenommen

Nach dem Umfrageergebnis stehen die Menschen in Deutschland der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen positiv gegenüber. Zwei Drittel der Befragten erwarten eher Vorteile für die Patienten, weitere 15 Prozent sogar sehr große Vorteile. Das macht unterm Strich acht von zehn, die optimistisch in die digitale Zukunft des Gesundheitswesens blicken. Auf der anderen Seite stehen 14 Prozent, die eher Nachteile erwarten, und geringe drei Prozent, die sogar sehr große Nachteile durch die Digitalisierung befürchten.

So sind acht von zehn Menschen in Deutschland der Ansicht, dass digitale Technologien und Vernetzung die medizinische Forschung vorantreiben werden. Eine ähnliche Mehrheit teilt die Erwartung einer steigenden Behandlungsqualität, weil sich Ärzte besser und schneller austauschen können. Dass dies konkrete Vorteile für die eigene Gesundheit haben wird, ist ebenfalls die Überzeugung der Mehrheit. 59 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass dadurch Krankheiten früher erkannt werden. Zwei Drittel sind überzeugt, dass Krankheiten in Zeiten von mobilem Internet, Big Data und vernetzten Systemen besser behandelbar sein werden. Ebenso viele sind es, die sich von der Digitalisierung auch effizientere und dadurch kostengünstigere Behandlungsabläufe versprechen.

Dennoch steht auch bei der TK-Erhebung der Datenschutz hoch im Kurs: So geben 59 Prozent der Befragten an, dass sie davon ausgehen, in Zeiten der Digitalisierung seien ihre Gesundheitsdaten schlechter geschützt als früher. Diese Haltung zieht sich quer durch die verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Online-Kommunikation im Praxisalltag kaum möglich

Was die Online-Kommunikation mit der Arztpraxis anbelangt, gibt es für die Befragten Verbesserungspotenzial: Zwar befürwortet jeder Zweite (49 Prozent) diesen Kommunikationsweg, doch tatsächlich sind es erst sieben Prozent der Befragten, die bestimmte Dinge mit ihrer Haus- oder Facharztpraxis übers Internet regeln.

„Die Terminvergabe online ist also noch nicht im Praxisalltag angekommen“, bilanzieren die Studienautoren. Besonders Jüngere möchten Termine online vereinbaren, Rezepte oder Folgerezepte online beziehen oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, zum Beispiel bei Erkältungen oder ähnlichen Beschwerden, online abholen.

Die „PKV hält sich für spitze“ (zm 8/2017, S. 96–98) und „Die TK findet das GKVSystem gut“ – beide Player der dualen Krankenversicherung stellen sich selbst ein gutes Zeugnis aus. Doch wie steht es wirklich um das deutsche Gesundheitssystem? Was sind die Baustellen? Diese Fragestellung ist Thema in einem der nächsten Hefte.



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