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01.11.15 / 00:01
Heft 21/2015 Politik
Interview mit dem neuen FVDZ-Vorsitzenden Harald Schrader

„Die freie Arztwahl darf nicht ausgehebelt werden!“

Der schleswig-holsteinische Zahnarzt Harald Schrader wurde in Bonn von den Delegierten des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Was bleibt? Und was wird jetzt in der Verbandspolitik anders? Wir haben nachgefragt.



Der neue FVDZ-Bundesvorsitzende Harald Schrader. FVDZ

Herr Schrader, Sie sind auf der Hauptversammlung in Bonn zum neuen Vorsitzenden des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) gewählt worden. Welches sind Ihre Hauptziele und Schwerpunkte in der kommenden zweijährigen Legislaturperiode?

Mein Ziel ist die Vertretung und Stärkung der freiberuflichen niedergelassenen Praxis mit all ihren Angestellten. Darüber hinaus sehe ich für den neuen Bundesvorstand eine Hauptaufgabe darin, die schon bestehenden und zukünftig verstärkt drohenden Wettbewerbsverzerrungen, die die Berufsausübung in den freien Praxen der Niedergelassenen betreffen, zu beseitigen und faire Wettbewerbsbedingungen für die Praxen im teilregulierten Gesundheitsmarkt zu schaffen. Unser Kampf wird sich vor allem auch gegen die überbordende Bürokratie – wie sie gerade erst durch den Normenkontrollrat aktenkundig gemacht wurde – aus Brüssel und Berlin richten. Und wir erteilen schon heute überzogenen Anforderungen bei unserer Berufsausübung eine klare Absage.

Was bedeutet für Sie Freiberuflichkeit – angesichts des wachsenden Interesses vor allem jüngerer Zahnärzte am Angestelltenverhältnis? Welches sind für Sie die Kernpunkte einer freiberuflichen zahnärztlichen Praxisführung?

Wir haben ja auf der Hauptversammlung in Bonn festgestellt, dass die Anstiegskurve bei den Angestellten flacher geworden ist. Wir wollen aktiv auf die angestellten Zahnärzte zugehen und ihnen über Fortbildungs- und Betriebwirtschaftsseminare das notwendige Grundlagenwissen für eine eigene Praxis vermitteln und sie so fit machen für Freiberuflichkeit und möglichst freiberufliche Selbstständigkeit. In ihrer Resolution fordert die HV ausdrücklich, dass freiberufliche Praxen keinem verzerrten Wettbewerb mit stationären Einrichtungen oder kommunal getragenen Versorgungszentren ausgesetzt werden dürfen. Und wir kritisieren weiterhin jegliche Art von Patientensteuerung, zum Beispiel durch Terminvergabestellen oder durch von Krankenkassen vermittelte Lock-Angebote.

Die freie Arztwahl darf nicht ausgehebelt werden! Für uns kann der jetzige hohe Standard beim Patientenschutz nur dadurch gewährleistet werden, dass freiberufliche Praxen auch zukünftig in ihrer Praxisführung selbst verantwortlich bleiben. Maßstäbe, wie sie beispielsweise bei Kliniken und großen Versorgungszentren angewendet werden, sind im zahnärztlichen Bereich weder umsetzbar, noch im Interesse des Patientenschutzes sinnvoll. Daher fordern wir den Gesetzgeber auf, die Gesetze, Richtlinien und Verordnungen, die zu einer solchen Schieflage führen, entsprechend zu ändern.

Wo liegen für Sie die gesundheitspolitischen Herausforderungen und welche Kernforderungen haben Sie an die aktuelle Gesundheitspolitik?

Ich sehe die demografische Entwicklung, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge, die Aufhebung von Ausgabenobergrenzen und die Mehrleistungsfähigkeit aller BEMA-Leistungen, damit wir die Patienten am medizinischen Fortschritt teilhaben lassen können, als die thematischen Herausforderungen für den Verband in den kommenden Jahren. Sicherlich wird auch der Datenschutz ein Schwerpunktthema sein. Hier muss der Gesetzgeber garantieren, dass der Patient der Souverän seiner Gesundheitsdaten bleibt. Jede Weitergabe darf nur mit Einverständnis des Patienten erfolgen. Darüber hinaus fordern wir beim Datenschutz klare Verantwortlichkeiten. So darf die Zahnärzteschaft nicht für Versäumnisse anderer ins obligo gezogen werden. Weitere Kernpunkte sind die Vertragssouveränität im Verhältnis Zahnarzt und Patient, die freie Arztwahl, die Therapiefreiheit sowie die präventionsorientierte Zahnmedizin.



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