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01.06.03 / 00:14
Heft 11/2003 Zahnmedizin
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie

Die kieferorthopädische Behandlung bei kardiologischen Risikopatienten




Als kardiologische Risikopatienten gelten Patienten mit folgenden Herzfehlern:

Linksherzvitium, Aortenklappenstenose, Mitralklappenstenose, rheumatisch veränderte Aorten- oder Mitralklappe, angeborene Herz- oder Herzklappenfehler, rheumatisches Fieber.

Bei Vorliegen einer dieser Diagnosen ist eine Endokarditis-Prophylaxe bei folgenden zahnärztlich-kieferorthopädischen Behandlungsmaßnahmen angezeigt:

1. Zahnextraktionen

2. professionelle Zahnreinigung

3. subgingivale Maßnahmen

4. intraligamentäre Injektion

5. Separieren vor Bebänderung

6. Anpassen oder Einsetzen von Bändern (beim Kleben von Brackets nicht erforderlich)

Die Standard-Endokarditis-Prophylaxe bei Eingriffen im Mund- und Rachenraum ist folgende:

• Penicillin oral 50 000 E/kg Körpergewicht (max. Dosis 2 Mega) 30 bis 60 Minuten vor dem Eingriff

• Bei Penicillin-Unverträglichkeit Clindamycin oral 15 mg/kg Körpergewicht (max. 600 mg)

Ein besonders hohes Risiko wird bei folgenden Faktoren angenommen: Herzklappenersatz, kürzlich abgelaufene Endokarditis, komplexe Herzfehler mit Zyanose, Zustand nach Shuntoperation.

Bei besonders hohem Endokarditis-Risiko empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Intravenöse Infusion mit Beginn des Eingriffs und einmalige Wiederholung acht Stunden später mit folgenden Medikamenten:

Penicillin i. v. 50.000 E/kg Körpergewicht (max. 2 Mega) plus Gentamicin i. v. 2 mg/kg Körpergewicht (max. 80 mg)

Bei Penicillin-Unverträglichkeit und besonders hohem Endokarditis-Risiko:

Clindamycin i. v. 15 mg/kg KG (max. 600 mg) plus Gentamicin i. v. 2 mg/kg KG (max. 80 mg).

Wegen der Bakteriämie bereits nach dem Einsetzen von Separatoren ist eine Prophylaxe ab diesem Zeitpunkt bis zum Einsetzen der Bänder angezeigt.

Unabhängig von der Möglichkeit einer Prophylaxe muss abgewogen werden, ob der Nutzen einer kieferorthopädischen Behandlungsmaßnahme das aktuelle Risiko rechtfertigt oder ob eine Maßnahme mit Bakteriämie-Risiko aufgeschoben oder ausgesetzt werden kann.

Prof. Dr. Dr. Gernot Göz,
Universität Tübingen
Osianderstraße 4

Literatur:

1. Prevention of Bacterial Endocarditis: Recommendations by the American Heart Association by the Committee on Rheumatic Fever, Endocarditis and Kawasaki Disease, JAMA 1997, 277: 1794 – 1801, Circulation 1997, 96: 358 – 366 and JADA 1997, 128: 1142 – 1150.

2. Ausweis für die Endokarditis-Prophylaxe. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (Stand Oktober 2000). Endokarditis-Patientenpass

3. The relationship between odontogenic bacteraemia and orthodontic treatment procedures. Europ J Orthod 2002, 24: 293 – 301



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