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01.12.15 / 00:02
Heft 23/2015 Gesellschaft
Die Entwicklung des Zahnarztberufs (3)

Die schwierige Akademisierung

Viele Zahnärzte betrachten die akademische Ausrichtung ihres Berufs heutzutage als Selbstverständlichkeit. Dabei ist die universitäre Ausbildung des Zahnarztes eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts und damit eine vergleichsweise neue Entwicklung. Dieser Teil der Reihe beleuchtet die Stationen auf dem Weg zu einer einheitlichen Regelung.




Anders als für den Arztberuf existierten für den Zahnarztberuf bis ins 19. Jahrhundert hinein keinerlei verbindliche Ausbildungsstandards. 1825 wurde dann in Preußen ein Medizinalreglement erlassen, das sich erstmals explizit mit dem Zahnarztberuf auseinandersetzte. Nach § 49 des preußischen Reglements oblag den Medizinalkollegien der preußischen Provinzen die Prüfung der Personen, „welche die Approbation [...] als Zahnärzte erlangen wollen“.

§ 51e legte die Prüfungsvoraussetzungen für Zahnärzte fest: „Ebenso darf zur Prüfung als Zahnarzt niemand mehr zugelassen werden, der nicht entweder schon Arzt oder Wundarzt ist, und zugleich den nöthigen Nachweis über die erlangten, einem Zahnarzt insbesondere nöthigen technischen und mechanischen Fertigkeiten beizubringen vermag, oder der, wenn er nicht Arzt oder Wundarzt ist, außer diesem Nachweis nicht wenigstens noch Zeugnisse über den fleißigen Besuch der Vorlesungen über Anatomie, allgemeine und spezielle Chirurgie, Operationslehre, Arzneimittellehre und chirurgische Klinik beibringen kann.“

Zirkularreskript legte Vorkenntnisse fest

Am 29. April 1835 wurde dann ein „Zirkularreskript“ erlassen, das die notwendigen Vorkenntnisse genau festlegte. Danach musste jeder Kandidat Zeugnisse über verschiedene im Rahmen eines zweijährigen Kurses zu besuchende Veranstaltungen vorlegen. Die erforderlichen Nachweise entsprachen lediglich denen eines Wundarztes zweiter Klasse – also eines handwerklich ausgebildeten Chirurgen der zweiten Qualifikationsstufe. Entsprechend niedrig waren auch die schulischen Voraussetzungen: Eine Instruktion für die Medizinalkollegien legte 1836 fest, dass die zahnärztlichen Kandidaten lediglich die Tertiareife als schulische Voraussetzung vorweisen mussten. Von der für das Medizinstudium vorgeschriebenen Hochschulreife waren die zeitgenössischen Zahnärzte folglich noch sehr weit entfernt.



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