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16.09.09 / 00:15
Heft 18/2009 Zahnmedizin
Xerostomie

Die zahnärztliche Betreuung betroffener Patienten

Die Zahnhartsubstanz ist ständig aggressiven exogenen Noxen ausgesetzt. Die Zähne können ohne die Schutzwirkung des Speichels nicht bestehen. Pathologische Befunde der Speicheldrüsen haben zwangsläufig eine Vielzahl, auf den ersten Blick vielleicht zunächst unerklärlicher, oraler Erkrankungen zur Folge. Eine umfassende Diagnosestellung und kausale Therapie fordert dem Zahnarzt neben seinem zahnmedizinischen Fachwissen auch medizinische Kenntnisse ab. Das Ziel dieses Artikels ist es, den Blick für die Diagnose Mundtrockenheit zu schulen, Zusammenhänge zu allgemeinen Erkrankungen und deren Medikation darzustellen und dem Zahnarzt Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen.




Die Xerostomie ist definiert als eine starke Reduktion des Ruhespeichelflusses (unter 0,1 ml/min) und der Gesamtspeichelfließ-rate (weniger als 0,5 ml/min) [Stratmann und Mokrys 2000].

Bei dieser Erkrankung leiden die Patienten unter dem sehr unangenehmen Gefühl des trockenen Mundes [Meyer-Lückel und Kielbassa 2002] und stehen unter einem starken Leidensdruck. Die Beschwerden beeinträchtigen ihre Lebensqualität erheblich [Garg und Malo 1997].

Das Symptom der Mundtrockenheit wird von Ärzten und Zahnärzten häufig vernachlässigt oder bagatellisiert. Es kann allerdings ein erstes Anzeichen einer ernsten allge-meinen Erkrankung sein [Stratmann und Mokrys 2000]. Eine frühzeitige Diagnose durch den Zahnarzt kann nicht nur die verheerenden Schädigungen an der Zahnhartsubstanz, sondern auch die Progredienz an gingivalen, respektive parodontalen Entzündungen und Schleimhautinfektionen aufhalten. Sie ist damit für jeden Zahnarzt von großer Bedeutung.

Mundtrockenheit kann bei Menschen jeden Alters auftreten, die Häufigkeit der Erkrankung nimmt jedoch mit zunehmender Lebenszeit zu [Ship et al. 2003]. Daher ist die Tendenz aufgrund der sich wandelnden Altersstruktur der Bevölkerung steigend. Für eine erfolgreiche zahnärztliche Langzeit- betreuung, sowohl bei jungen als auch bei älteren Patienten ist insbesondere bei zunächst unerklärlichen Befunden eine möglichst frühzeitige interdisziplinäre Erfassung des gesamten Patienten und gegebenenfalls ein Konsil von großer Wichtigkeit.

Physiologische Speichelsekretion

Die großen paarigen Kopfspeicheldrüsen produzieren zusammen mit den vielen kleinen Speicheldrüsen in der Lippen-, Wangen- und Gaumenschleimhaut täglich 0,7 bis 1,5 Liter Speichel. Die Aktivität der Speicheldrüsen wird ausschließlich über das vegetative Nervensystem gesteuert. Im entspannten Zustand ist die Speichel-produktion höher als unter gesteigerter Sympathikusaktivität (Stress, Angst). Über Chemo- und Mechanorezeptoren kann der Speichelfluss bei der Nahrungsaufnahme, beim Kauen und Schlucken, zusätzlich stimuliert werden. Während des Schlafens geht die Speichelproduktion dagegen sehr stark zurück.

Symptome der Xerostomie

Das trockene Gefühl im Mund sorgt für ein verstärktes Durstgefühl [Stratmann und Mokrys 2000]. Xerostomie-Patienten beklagen häufig trockene Lippen, Rhagarden, Geschmacksstörungen sowie Schleimhaut- und Zungenbrennen [Hahnel et al. 2008, Kreyer 2008]. Die Konsistenz des Speichels ist zähflüssig. Die Schleimhäute tragen bedingt durch die trockene Oberfläche nicht mehr den üblichen Glanz. Zudem stellt man Strukturveränderungen an den Schleimhautoberflächen in Form von Rissbildungen an der Epitheldecke fest. Diese können sich ausweiten zu erosiven Verletzungen der Mukosa. Schmerzhafte lokale Erkrankungen an der Mundschleimhaut und an den Zähnen führen zu einer Verminderung der Kautätigkeit.

Außerdem findet man meist zahlreiche Beläge aus Nahrungsrückständen und Plaque an den Schleimhaut- und Zahnoberflächen sowie am Zahnersatz (Abbildung 1). Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die natürliche Spülwirkung des Speichels verloren gegangen ist [Stratmann und Mokrys 2000].

Aus der fehlenden protektiven Wirkung des Speichels resultieren Störungen des ökologischen Gleichgewichts in der Mundhöhle. Sekundär entwickeln sich oft bakterielle, virale und mykotische Schleimhautinfektionen (Abbildung 2). Die Prävalenz für Gingivitiden und Parodontitiden steigt [Stratmann und Mokrys 2000]. Man beobachtet des Weiteren eine progrediente Zunahme kariöser Läsionen. Nach Untersuchungen von Imfeld [1995] entwickeln sich kariöse Läsionen bei Xerostomie-Patienten 15-mal so schnell wie bei gesunden Kontrollpersonen. Die rasche Progredienz ist durch die fehlende Pufferkapazität des Speichels zu erklären. Der pH-Wert des Speichels sinkt ausgehend von 6,8 auf unter 5 [Ben-Aryeh et al. 1975, Dreizen et al. 1976]. Damit lässt die Remineralisationsfähigkeit nach bei gleichzeitig steigenden Plaqueansammlungen. Es können Demineralisationen an sonst kariesresistenten Glattflächen entstehen (Abbildung 3).

Oft entwickelt sich ein starker Foetor ex ore [Siedek et al. 2008]. Bei Prothesenträgern haftet der Zahnersatz aufgrund des fehlenden Speichelfilms nicht mehr richtig am Prothesenlager. Daraus entwickeln sich neben zunehmender Unzufriedenheit des Patienten Druckstellen und Prothesenun-verträglichkeiten [Stratmann und Mokrys 2000]. Dies führt zu Beschwerden beim Kauen, Sprechen, Schlucken und Essen [Garg und Malo 1997]. Infolgedessen kann der sich einstellende Appetitmangel zu Gewichtsverlust und/oder einer Malnutrition führen [Stratmann und Mokrys 2000].

Vor allem nachts, wenn der Speichelfluss noch weiter reduziert ist, stellen diese Symptome für die Patienten erhebliche Beeinträchtigungen dar [Sreebny 1989, Van der Reijden et al. 1999]. Viele Patienten mögen über ihre Erkrankung jedoch von sich aus nicht sprechen, weil es ihnen un- angenehm ist. Daher und aus prophylaktischen Gründen ist es Aufgabe der Ärzte und Zahnärzte, diese Patienten zu entdecken und entsprechend zu therapieren.

Die chronische Mundtrockenheit kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter zunimmt. Bei 20-Jährigen wird sie in 13 Prozent, bei 40-Jährigen in 23 Prozent und bei 60-Jährigen in 40 Prozent der Fälle berichtet [Screebny 2000].

Ursachen der Xerostomie

Die Ursachen der Mundtrockenheit sind vielfältig. So können eine unterschiedlich bedingte Speicheldrüsenunterfunktion, aber auch allgemeine Erkrankungen die Gründe sein. Die bei Weitem häufigste Ursache sind jedoch die unerwünschten Nebenwirkungen von Arzneimitteln [Stratmann und Mokrys 2000]. Es zeigt sich eine Korrelation zwischen den systemischen Erkrankungen und den eingenommenen Medikamenten [Cassolato und Turnbull 2003, Hahnel et al. 2008]. Dies erklärt, warum gehäuft ältere Patienten betroffen sind. Der Einfluss der altersbedingten Funktionseinschränkung der Speicheldrüsen hat dagegen keine klinische Relevanz [Ghezzi et al. 2000, Ship et al. 2003].

Direkte Ursachen:

Speicheldrüsenunterfunktion

Eine Speicheldrüsenunterfunktion kann die Folge einer vorausgegangenen Schädigung der Speicheldrüsen sein. Ein bleibender Schaden kann auftreten nach Speicheldrüsenerkrankungen wie der Sialadenitis oder nach Speicheldrüsenoperationen (Tumoroperationen). Insbesondere bei Tumoroperationen ist die Entfernung einer Speicheldrüse häufig, was sich zwar auf die Gesamtspeichelmenge beziehungsweise -fließrate auswirkt, meist aber gut kompensiert werden kann. Zu einer verminderten Drüsenfunktion kommt es auch, wenn die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen verengt sind wie durch Speichelsteine. Auch chronische Infektionen oder Traumata können die Ursache einer Funktionseinschränkung sein [Stratmann und Mokrys 2000]. Bei Bestrahlungstherapien zur Behandlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich wird das Drüsengewebe der Speicheldrüsen bei Dosen von über 50 Gy irreversibel geschädigt, wenn diese im Bestrahlungsfeld liegen [Guchelaar et al. 1997, Grötz 2002, Li et al. 2006]. Folgen sind eine direkte Mukosaschädigung sowie die Schädigung der Speicheldrüsen und infolgedessen die sogenannte Strahlenkaries. Wegen der Vordringlichkeit der Tumortherapie wird eine Behandlung der aus Speichelmangel resultierenden Schädigungen an den Zähnen häufig allerdings zurückgestellt.

Allgemeinerkrankungen

Eine der bekanntesten Erkrankungen mit direkter Beteiligung der Speicheldrüsen ist das Sjögren-Syndrom [Mokrys und Stratmann 2000, Hahnel et al. 2008, Siedek et al. 2008]. Diese Erkrankung ist die zweithäufigste Autoimmunkrankheit und gehört dem rheumatischen Formenkreis an. Die Autoantikörper sind gegen das Gewebe der eigenen Speichel- und Tränendrüsen gerichtet. Somit kann nicht mehr genügend Speichel und Tränenflüssigkeit gebildet werden.

Eine Sialadenose ist eine nicht entzündliche chronische Speicheldrüsenerkrankung, die mit einer meist bilateralen, rezidivierenden, meist schmerzlosen Schwellung der Ohrspeicheldrüsen einhergeht. Auslösende Grunderkrankungen können schwere Essstörungen (cave bei jungen Frauen), Dia- betes mellitus und schwere Lebererkran-kungen sein. Aufgrund von hormonellen Störungen, Mangelkrankheiten, Dysfunktionen des vegetativen Nervensystems, antihypertensiven und antidepressiven Medikamenten kommt es im späteren Verlauf der Erkrankung zur Xerostomie.

Auch akute fieberhafte Allgemeinerkrankungen können vorübergehend die beschriebene Mundtrockenheit herbeiführen.

Indirekte Ursachen:

Einige Erkrankungen beeinflussen die Speichelsekretion indirekt (sekundäre Xerostomie) aufgrund von Störungen des Wasserhaushalts [Stratmann und Mokrys 2000]:

• Diabetes mellitus (Störung des Wasserhaushalts durch osmotische Diurese wegen Glukosurie) [Stratmann und Mokrys 2000, Guggenheimer und Moore 2003, Siedek et al. 2008, Hahnel et al. 2008]

• Nierenerkrankungen (Polyurie durch Salz- und Wasserrückresorptionsstörungen) [Stratmann und Mokrys 2000]

• neurologische Erkrankungen, wie Depressionen und Psychosen, bei denen es zu zentralnervösen Störungen der Drüseninnervation kommen kann

• Herz-, Kreislauferkrankungen

• größere Flüssigkeitsverluste (Blutverluste, chronische Diarrhöe, Dehydrierung durch Hitzeexposition)

• Stress („mir bleibt die Spucke weg“) kann über eine zentralnervöse Steuerung ebenso die Mundtrockenheit begünstigen [Siedek et al. 2008].

Medikamente

Bei über 400 Medikamenten kann als unerwünschte Nebenwirkung Mundtrockenheit auftreten [Nederfors et al. 1997, Sreebny und Schwartz 1997, Stratmann und Mokrys 2000, Siedek et al. 2008]. Nach Absetzen des Präparats ist sie reversibel. Die medikamentös induzierte Xerostomie ist in den Industrienationen in den älteren Bevölkerungsschichten die häufigste Form der Mundtrockenheit. Die häufigsten Medikamentengruppen werden in nebenstehender Auflistung genannt (Tabelle 1).

Diagnostik

Der Zahnarzt sollte per se alle zwei Jahre die Anamnese seiner Patienten aktualisieren lassen. Gerade bei älteren oder morbiden Personen kann eine Fremdanamnese sehr hilfreich sein. Diagnostiziert der Zahnarzt neben den trockenen Schleimhäuten und dem zähflüssigen Speichel auf einmal unerklärliche kariöse Läsionen oder gingivale, respektive parodontale Entzündungen oder entzündliche therapieresistente Schleimhautveränderungen unter dem Zahnersatz, die eigentlich untypisch sind für den Patienten, kann die Verdachtsdiagnose Xerostomie geäußert werden. In diesem Fall sollte der Zahnarzt die Anamnese sofort aktualisieren lassen, gegebenenfalls ein Konsil beim Hausarzt einholen. Besteht der Verdacht auf Mundtrockenheit, wird der Patient gezielt intra- und extraoral inspiziert:

Intra- und extraoral sollten neben dem zahnärztlichen Befund die Glandula paro-tis, die Glandula submandibularis und die Glandula sublingualis untersucht werden. Durch eine gleichzeitige extra- und intra-orale Palpation und im Seitenvergleich lassen sich Druckdolenzen, Verhärtungen und Schwellungen ertasten. Bei einem positiven Befund oder bei einem Verdacht auf einen Speichelstein sollte der Patient zu einer Sonographie-Untersuchung überwiesen werden.

Die extraorale Untersuchung umfasst die Inspektion der Hornhaut und Bindehaut am Auge: Stellt man trockene Augen fest oder berichtet der Patient von einem Versiegen der Tränenflüssigkeit in Kombination mit trockenen Nasenschleimhäuten, kann die Verdachtsdiagnose Sjögren-Syndrom gestellt werden.

Die extraorale Inspektion schließt außerdem eine Lymphknotenpalpation der Weichteilregionen am Hals ein zum Ausschluss von Tumoren und entzündlichen Schwellungen.

Bei einem Verdacht auf eine systemische Erkrankung müssen die behandelnden Ärzte unbedingt hinzugezogen werden.

In Ergänzung zu diesen Untersuchungen sind spezielle anamnestische Fragestellungen hilfreich:

Anamnese der Ernährungsgewohnheiten:

• Koffeingenuss, Alkohol- und Nikotinkonsum fördern das Mundtrockenheitsgefühl.

• Ist die Menge der täglichen Flüssigkeitsaufnahme ausreichend (mindestens 1,5 – 2 Liter täglich)?

Fragen nach individuellen Mundhygiene-gewohnheiten:

• Wird zur Schonung der Mundschleimhäute eine weiche Zahnbürste verwendet?

• Wird eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzt?

• Sind die bisherigen Mundhygienemaßnahmen ausreichend (Plaqueakkumulation)?

• Liegt möglicherweise ein nächtliches Schnarchen oder eine chronische Mund- atmung vor? (Durch die Verdunstung des Speichels entsteht die sekundäre Xerostomie.)

Fragen nach früheren Erkrankungen der Mundhöhle:

• Speichelsteine?

• Operationen an den Speicheldrüsen?

• Speicheldrüsentumore?

• Radiatio im Kopf-Hals-Bereich?

• Beginn und Häufigkeit des Mundtrockenheitsgefühls? Besteht ein zeitlicher Zusammenhang zu dem Beginn einer neuen Medikamentensubstitution oder -umstellung?

Fragen nach Entzündungen und Beschwerden im Hals- und Rachenbereich:

• Häufige Entzündungen können Hinweise auf gestörte Drüsenfunktionen im Hals-, und Rachenraum sein.

Fragen nach Beschwerden im Magen-Darm-Trakt:

• Appetitlosigkeit, Verstopfung, Durchfall? Sie können Ausdruck einer Störung der Verdauungsdrüsen sein.

Abfrage der auf die Speichelsekretion Einfluss nehmenden Krankheiten:

Diabetes, Herz-, Kreislauf-, Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen

Medikamentenanamnese

Pathophysiologische Befundung

Eine pathophysiologische Befundung der Xerostomie ist mit der Speichelflussmessung möglich. Aufgrund der erforderlichen standardisierten äußeren Bedingungen sollten die im Folgenden beschriebenen Untersuchungen in speziellen Zentren durchgeführt werden. Man bedient sich bei der Erhebung sowohl der Messung des Ruhespeichelflusses als auch der Bestimmung der stimulierten Speichelfließrate [nach Stratmann und Mokrys 2000-2].

Bei der Bestimmung des Ruhespeichelflusses sammelt der Patient für zwei Minuten ohne zu schlucken den Speichel; die Menge wird anschließend mit Hilfe eines Messzylinders bestimmt. Bei der Bestimmung der stimulierten Speichelfließrate erfolgt die Speichelstimulation beispielsweise mit einem zuckerfreien Kaugummi. Der Speichel wird vom Patienten wieder für zwei bis vier Minuten gesammelt und anschließend in einen Messzylinder gegeben.

Vorgeschlagene Referenzwerte für verschiedene Fließratengruppen nennt Tabelle 2.

Andere unerklärliche Befunde

Wenn Schleimhautentzündungen und Druckstellen trotz prothetischer Maßnahmen therapieresistent sind, könnte die Ursache eine Malnutrition sein. In Zusammenarbeit mit dem Hausarzt ist die Abklärung der Ernährungslage, zum Beispiel per Screening nach der Ernährungscheckliste nach Suter [2002] sinnvoll (siehe Abbildung Seite 50).

Eine Malnutrition (Fehl- oder Mangelernährung) kommt beim alternden Patienten gehäuft vor, findet allerdings bis dato wenig Beachtung [Besimo 2008]. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch anzustreben, um Folgeerkrankungen verhindern oder erfolgreich behandeln zu können. Von grundlegender Bedeutung für die Durchführung einer an die Bedürfnisse des älteren Menschen angepassten zahnärztlichen Behandlung und Langzeitbetreuung ist die genaue Kenntnis des gesundheitlichen Zustandes, der regelmäßig eingenommenen Medikamente und der sozialen Lebensumstände des Patienten. Die Malnutrition tritt vor allem bei einer Polypharmakotherapie auf. Die eintretende katabole Stoffwechsellage verlangsamt die Zellproliferation und damit die Wundheilung. Für die genaue Diagnosestellung ist in jedem Fall eine entsprechende Blutuntersuchung durch den Hausarzt erforderlich. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge ermöglicht dem Zahnarzt das Erkennen und somit die frühzeitige Überweisung des Patienten. Therapieresistente vermeintlich lokale orale Beschwerden lassen sich in vielen Fällen erst dank interdisziplinärer Zusammenarbeit kausal behandeln.

Therapie

Das Behandlungsziel ist im Allgemeinen die Verbesserung der eingeschränkten Lebensqualität eines Xerostomie-Patienten. Beim jüngeren Patienten geht es aus zahnmedizinischer Sicht in der Regel um den Schutz der Zahnhartsubstanz und darum, die entstandene Gingivitis möglichst zu behandeln, bevor sich daraus unter Umständen eine Parodontitis entwickeln kann. Beim älteren Patienten geht es natürlich um den Schutz der Zahnhartgewebe der Restbezahnung, aber auch um die Ausheilung und besser noch um die Prävention von Schleimhaut-infektionen, die aufgrund des veränderten Milieus gehäuft auftreten.

Meist ist eine kausale Therapie, also das Ausschalten der ätiologischen Faktoren der Xerostomie, möglich, da die Speichelreduktion in den meisten Fällen durch ein Arzneimittel induziert ist.

So ist bei der medikamentös bedingten Xerostomie die Mundtrockenheit möglicherweise nach dem Austausch des verursachenden Medikaments oder nach einer Dosisreduzierung reversibel [Sreebny und Schwartz 1997]. Hilfreich kann es auch sein, xerogene Medikamente morgens zu verabreichen, damit die nachts in der Regel ausgeprägtere Speichelknappheit nicht unnötig verstärkt wird. Für diesen Schritt ist selbstverständlich die Absprache mit dem verordnenden Arzt erforderlich.

In einigen Fällen ist nur eine symptomatische Therapie, also das Einleiten von Maßnahmen, die die Folgen der Mundtrockenheit mildern, durchführbar [Stratmann und Mokrys 2000, Meyer-Lückel und Kielbassa 2002, Guggenheimer und Moore 2003, Hahnel et al. 2008, Siedek et al. 2008-2].

Zahnärztliche Betreuung der betroffenen Patienten

Die häuslichen Mundhygienemaßnahmen sind für Xerostomie-Patienten häufig mit Schmerzen verbunden (Schleimhautverletzungen, Gingivitiden, respektive Parodontitiden). Daher werden sie meist arg vernachlässigt [Meyer-Lückel und Kielbassa 2002]. Diese Patienten sollten mithilfe einer professionellen Zahnreinigung unterstützt werden.

Nach professioneller Entfernung der Plaque (gegebenenfalls unter Lokalanästhesie) klingt die akute Entzündung des parodontalen Gewebes ab. Auf dieser Basis kann der Patient nun wieder die häusliche Zahnpflege aufnehmen. Xerostomie-Patienten sollten unbedingt durch ein engmaschiges Recallprogramm, das heißt vierteljährlich, in der zahnärztlichen Praxis zuverlässig betreut werden [Atkinson und Wu 1994, Fox 1997].

Über die üblichen Mundhygieneinstruktionen und -demonstrationen hinaus sollte der Patient Verhaltensempfehlungen für den richtigen Umgang mit der Mundtrockenheit erhalten (Abbildung 4, Tabelle 3).

Einfluss nehmen kann der Patient

• über eine schonende, aber gründliche häusliche Zahnpflege,

• über die Ernährung,

• über die Trinkmenge,

• über Speichel stimulierende Maßnahmen,

• allgemeine zusätzliche Maßnahmen,

• gegebenenfalls über Speichelersatzmittel.

Wichtig ist, dass auch die Angehörigen beziehungsweise Betreuer mit in die Behandlung einbezogen werden, so dass sie den Patienten zu Hause bestmöglich unterstützen können.

Mundhygienemaßnahmen für Zuhause

Wenig traumatisierend für das empfindliche Gewebe sind extra weiche Zahnbürsten. Dem Patienten sollte eine Methode schonender, aber effektiver Zahnpflege demonstriert werden. Eine sehr wichtige Maßnahme zur Kariesprophylaxe ist die lokale Bioverfügbarkeit von Fluorid [Garg und Malo 1997]. Bei der Auswahl der Zahncreme ist darauf zu achten, dass Fluorid enthalten ist, bei erhöhtem Kariesrisiko wird eine hochfluoridhaltige Zahnpasta durch den Zahnarzt verschrieben. In diesem Zusammenhang sind auch Fluoridierungsschienen sehr hilfreich.

Herausnehmbaren Zahnersatz sollte der Patient ein- bis zweimal täglich mit einem desinfizierenden Prothesenreiniger säubern, um eine pilzbedingte Prothesenstomatitis möglichst zu vermeiden [Turner und Ship 2007]. Bei den zahnärztlichen Kontrollen sollte stets die Prothesenpassung kritisch begutachtet werden, um Druckstellen und daraus entstehende Schleimhautentzündungen zu verhindern. Unterfütterungen sollten aus diesem Grund mit einem weichbleibenden Material vorgenommen werden [Garg und Malo 1997, Guggenheimer und Moore 2003].

Je nach Bedarf kann der Patient zur Linderung der Beschwerden mit Salbei spülen. Auf Kamille sollte dagegen verzichtet werden, da Kamille die Austrocknung fördert [Kreyer 2008].

Ernährung

Patienten mit Mundtrockenheit bevorzugen weiche Kost, bei der auf das Kauen weitestgehend verzichtet werden kann. Weiche Nahrung haftet jedoch stark an den Zähnen, was wiederum zu persistierenden gingivalen Entzündungen führen kann. Der Vorteil der festen, möglichst faserreichen Nahrung, die zum Kauen zwingt, ist, dass der Kauvorgang ein Stimulans für die Speichelproduktion ist. Aus diesem Grund sollte der Xerostomie-Patient immer wieder ermutigt werden, seine Nahrung unter diesen Gesichtspunkten auszuwählen. Viele Patienten können dieser Empfehlung kaum nachkommen [Sreebny 1989, Meyer-Lückel und Kielbassa 2002]. Erleichterung verschafft es, wenn der Patient kleine Bissen zu sich nimmt und zu jedem Bissen gleichzeitig einen Schluck Wasser trinkt [Meyer-Lückel und Kielbassa 2002, Siedek et al. 2008] oder vor der Nahrungsaufnahme einige Tropfen Speiseöl (Oliven-, Sonnenblumen- oder Kürbiskernöl) in der Mundhöhle verteilt [Kreyer 2008]. Gut akzeptiert wird feuchte und kühle Nahrung, wie Joghurt beispielsweise. Obst und Gemüse können gut im Mixer zerkleinert beziehungsweise weich gekocht werden.

Gewarnt werden sollte der Patient vor zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, dabei vor allem auch vor Lebensmitteln mit versteckten Zuckern. Der betroffene Patient sollte außerdem sowohl heiße als auch scharfe Nahrungsmittel meiden, um potentielle Irritationen der Gingiva zu verhindern [Siedek et al. 2008].

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Wichtig ist täglich eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern [Kreyer 2008]. Getränke mit kariesprophylaktischer Wirkung sind Milch, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, fluoridhaltiges Mineralwasser [Herod 1994, Meyer-Lückel und Kielbassa 2002]. Xerostomie-Patienten sollten unbedingt auf Flüssigkeiten, die Alkohol enthalten (Vorsicht auch bei einigen Mundspüllösungen) [Remick et al. 1983] oder die einen scharfen Geschmack haben, verzichten, um Irritationen an der dünnen empfindlichen Mukosa zu vermeiden. Vorsicht geboten ist sowohl bei xerogenen (Kaffee, schwarzer Tee) als auch bei säurehaltigen Getränken (Cola, sodahaltige Getränke). Letztere führen zu Erosionen am Zahnschmelz und öffnen damit Tür und Tor für die Entstehung weiterer kariöser Läsionen. In Ergänzung werden zur Linderung der Beschwerden zusätzlich Spülungen mit Mineralwasser, Olivenöl und Salzwasser empfohlen.

Speichel stimulierende Maßnahmen

Xerostomie-Patienten können die eigene Speichelproduktion durch regelmäßiges Kauen positiv beeinflussen [Willershausen-Zönnchen und Gleissner 1999]. Zur Stimulierung des Speichelflusses werden das Lutschen von zuckerfreien Bonbons oder das Kauen zahnfreundlicher Kaugummis [Siedek et al. 2008] empfohlen. Bewährt haben sich insbesondere die Geschmacksrichtungen Salbei und Pfefferminze. Auch das Lutschen von Eiswürfeln kann hilfreich sein. Diese können auch aus Fruchtsäften zubereitet werden. Allerdings sollten sie aufgrund des Zucker- und Säuregehalts der Fruchtsäfte und des damit hohen Kariesrisikos dieser Patientengruppe gut dosiert werden. Nach mehrmonatiger regelmäßiger Kaustimulation konnten in Untersuchungen gesteigerte Ruhespeichelfließraten nachgewiesen werden. Auch die subjektiven Beschwerden verbesserten sich [Stratmann und Mokrys 2000].

Viele Patienten bevorzugen diverse Süßigkeiten, saure Getränke und Bonbons. Dies können zwar effektive Speichelstimu- lantien sein, sollten aber beim bezahnten Patienten auf keinen Fall empfohlen werden, da sie zu Demineralisationen und Erosionen beitragen [Guchelaar et al. 1997, van der Reijden et al. 1999] (Abbildung 5). Auch der unbezahnte Patient sollte beim Verzehr dieser Stimulantien vorsichtig sein, da die sauren Nahrungsmittel Schmerzen an der durch den verringerten Speichelfluss sehr empfindlichen Mundschleimhaut hervorrufen.

Speicheldrüsenstimulantien

(Sialogoga, Parasympathomimetika)

Es besteht die Möglichkeit bei noch vorhandener Restaktivität der Speicheldrüsen die Speichelsekretion medikamentös zu steigern. Das in Deutschland bekannteste Präparat ist Pilocarpin (Handelsname: Salagen®) [Hahnel et al. 2008]. Dreimal täglich sollen 5 bis 10 mg eingenommen werden. Allerdings können im Rahmen der Nebenwirkungen Blutdruckabfall, Schwindel, Bronchokonstriktion, Diarrhöe und eine Zunahme der Magensäure auftreten. Kontraindiziert ist die Medikation bei Herzinsuffizienz, Hyperthyreose, Asthma bronchiale und Ulzerationen [Wolpert et al. 1980]. Daher empfehlen Scully und Felix [2005] die Verschreibung nur durch einen Spezialisten.

Allgemeine zusätzliche Maßnahmen

Der Patient sollte darauf achten, dass die Wohn- und Schlafräume eine ausreichende Luftfeuchtigkeit aufweisen; er sollte trockene Heizungsluft meiden. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei 60 Prozent liegen [Siedek et al. 2008]. Außerdem kann er die Austrocknung der Mundhöhle minimieren, wenn er konsequent durch die Nase atmet und Mundatmung meidet. Schnarcher sollten idealerweise in einem Schlaflabor auf die Indikation einer Schnarcherschiene oder einer Maskenbeatmung mit angefeuchteter Luft untersucht werden [Siedek et al. 2008]. Das Rauchen sollte ganz eingestellt werden. Da die Speichelsekretion durch die Kaustimulation gefördert wird, sollte schlussendlich eine hochwertige prothetische Versorgung angestrebt werden, damit ein hoher Kaukomfort garantiert ist [Stratmann und Mokrys 2000].

Im Falle einer Xerostomie bedingt durch Rauchen oder Alkohol ist diese nach Karenz wieder vollständig reversibel [Siedek et al. 2008]. Die Patienten müssen über die schädigenden Wirkungen dieser Noxen aufgeklärt werden und man sollte ihnen ausdrücklich und dringlich eine Entwöhnung nahelegen. Diese Aufgabe ist für den Patienten häufig nur durch adjuvante Begleittherapien, beispielsweise mit psychologischem Beistand, zu meistern [Grötz 2003].

Speichelersatzmittel

Liegt keine Restaktivität der Speicheldrüsen mehr vor, besteht also keine Möglichkeit mehr, die Aktivität der Speicheldrüse zu stimulieren, muss man auf Speichelersatzmittel zurückgreifen [Hahnel et al. 2008].

Das ideale Speichelersatzmittel befeuchtet lang andauernd den Mund- und Rachenraum und hat einen remineralisierenden Einfluss auf die Zahnhartsubstanzen [Hahnel et al. 2008]. Viele auf dem Markt erhältliche Speichelersatzmittel weisen allerdings ein hohes Deminera- lisationspotential auf [Joyston- Bechal und Kidd 1987, Kielbassa und Shohadai 1999, Kielbassa und Meyer-Lückel 2001, Meyer-Lückel et al. 2002]. Vom Speichelersatzmittel wird erwartet, dass es dem natürlichen menschlichen Speichel möglichst ähnlich ist. Dazu muss es sowohl einen annähernd neutralen pH-Wert aufweisen, als auch eine an Calcium- und Phosphationen übersättigte Lösung darstellen [Meyer-Lückel und Kielbassa 2002], um die während der Demineralisation entweichenden Ionen aus der Zahnoberfläche wieder einzulagern.

Auf dem Markt gibt es seit den 1970er Jahren Präparate, die auf der Basis von Carboxymethylcellulose aufgebaut sind und seit einiger Zeit auch Präparate auf Muzinbasis. Letztgenannte sind dem menschlichen Speichel in ihrer Benetzungseigenschaft sehr ähnlich.

Bewährt haben sich Präparate, die einen neutralen pH-Wert aufweisen und zur Kariesprophylaxe zusätzlich Fluorid enthalten [Gelhard et al. 1983, Meyer-Lückel und Kielbassa 2002, Hahnel et al. 2008]. Sinnvoll ist es, den Patienten verschiedene Speichel- ersatzmittel testen zu lassen, damit er sich schließlich für das für ihn subjektiv angenehmste Mittel entscheiden kann [van der Reijden et al. 1999, Momm et al. 2005] (Tabelle 4).

So gibt es auch spezielle Zahnpflegetabletten (Denttabs®) die beim Kauvorgang durch den hohen Celluloseanteil die Zahnflächen sehr glatt polieren und daher für Risikopatienten besonders geeignet sind, weil sie zusätzlich durch den Fluoridanteil remineralisierend wirken.

Adjuvante zahnärztliche Maßnahmen bei Radiatio

Im Falle einer Radiatiotherapie im Kopf-Hals-Bereich sollte der Strahlentherapeut den Patienten vor Beginn der Therapie zum zahnärztlichen Konsil überweisen [Grötz 2003]. Sämtliche die Zähne betreffenden Therapien sollten vor der Bestrahlungstherapie eingeleitet und beendet werden. Der Zahnarzt sollte sich ausschließlich auf den Erhalt von Zähnen mit guter Prognose konzentrieren, Zähne mit fraglicher oder gar infauster Prognose sollten entfernt werden.

Die Zähne mit guter Prognose sollten konservativ behandelt werden. Dazu gehört auch die Glättung scharfer Kanten an Zähnen und am Zahnersatz, um Schleimhautverletzungen während und nach Radiatio zu vermeiden. Alle harten und weichen Beläge am Restzahnbestand sind zu entfernen. Das Behandlungsziel des Zahnarztes sollte sein, den Patienten mit entzündungs- und schmerzfreien Verhältnissen in die Strahlentherapie zu entlassen. Die Bestrahlungstherapie kann sofort nach Abheilung der Wunden erfolgen (zehn bis 14 Tage Karenz nach der Sanierung). Operative Eingriffe während oder unmittelbar nach der Radiatiotherapie sollten unbedingt unterlassen werden, damit das Risiko einer Osteoradionekrose verringert werden kann [Siedek et al. 2008].

Da vorhersagbar ist, dass es bedingt durch den verminderten Speichelfluss vermehrt zu kariösen Läsionen kommen und die sogenannte Strahlenkaries entstehen kann, sind dem Patienten vor Beginn der Radiatio Fluoridierungsschienen anzufertigen. Diese Schienen dienen der lokalen Fluoridapplikation. Nach der abendlichen häuslichen Zahnpflege sollten sie für fünf bis zehn Minuten eingegliedert werden. Mit dieser Maßnahme sollte bereits vor der Strahlentherapie begonnen und sie sollte auch nach der Bestrahlung konsequent weiter geführt werden [Jansma et al. 1989].

Auch wird empfohlen intra und post radiationem eine Prothesenkarenz einzuhalten. Insbesondere bei Patienten unter Radiatio ist allerdings zu beachten, dass die Gesundheit im Mund häufig ein eher vernachlässigbares Problem ist, da die Allgemeingesundheit deutlich schwerer wiegt [Grötz 2003].

Zusammenfassung

Allein schon wegen der demographischen Entwicklung der Bevölkerung handelt es sich um eine Erkrankung, die „auf dem Vormarsch“ ist, aber bisher noch wenig Beachtung findet, und deshalb vielleicht Unsicherheiten bei den Zahnärzten auslöst.

Die chronische Mundtrockenheit sollte nicht als einzelne Erkrankung gesehen werden, sondern es sollte stets der Zusammenhang gesucht werden. Es kann sich nämlich um ein Symptom handeln, hinter dem sich eine ernst zu nehmende Erkrankung verbergen kann. Zahnärzte sollten anamnestisch oben genannte Fragestellungen gezielt abklopfen. Es ist grundsätzlich sinnvoll bei der zahnärztlichen Diagnose der Xerostomie ein ärztliches Konsil einzuholen.

Meist sprechen die Patienten ihre Mundtrockenheit bei ihrem Arztbesuch nicht an, weil diese für viele Menschen ein Tabu ist oder weil sie ihr Problem selber noch gar nicht realisiert haben. Denn orale Defizite werden bei einer Häufung von psychosozialen und/oder anderen medizinischen Problemen meist vernachlässigt. Die Xerostomie kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen und darf nicht als „Befindlichkeitsstörung“ abgetan werden.

Das Behandlungsziel ist die Verbesserung der eingeschränkten Lebensqualität – entweder durch kausale oder durch symptomatische Therapiemaßnahmen.

Dr. Sabine Jaschinski
Prof. Dr. Peter Cichon
Prof. Dr. Peter Gängler
Universität Witten/Herdecke
Fakultät für Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Ambulanz für spezielle zahnärztliche Betreuung Maria Hoffmann
Gemeinschaftspraxis
Prof. Dr. Peter Cichon & Crawford Borken

Korrespondenzadresse:
Dr. Sabine Jaschinski
Alfred-Herrhausen-Str. 50
58448 Witten
sjaschinski@web.de


Tabelle 1: Übersicht über Medikamente mit möglichen xerogenen Nebenwirkungen
Medikamentengruppe Wirkung/Nutzen Präparate mit möglichen xerogenen Nebenwirkungen
Trizyklische
Antidepressiva
Psychopharmaka zur Behandlung
von Depressionen
Amitriptylin (Amineurin, Amitrip tylin beta, Equilibrin, Novoprotect, Saroten), Clomipramin (Anafranil, Clomipramin), Doxepin (Aponal, Doneurin, Doxepin, Mareen), Imipramin (Imipramin, Tofranil), Maprotilin (Deprilept, Ludiomil, Maprolu, Maprotilin) Mianserin, Trimipramin (Herphonal, Trimi dura, Trimineurin, Trimipramin), Isidon, Mirtazapin, Opipramol
Anticholinergika/ Spasmolytika
Die Kontraktion von glatter Musku latur wird eingeschränkt. Sie werden als Standardtherapie zur Behandlung der Harninkon tinenz eingesetzt.
Atropin, Butylscopolamin (Buscopan)
 
Hypnotika und Sedativa
zur Behandlung von Unruhe -
zuständen, auch als Vorbereitung
auf eine Narkose
Antihistaminika (Betadorm, Dolestan, Gittalun, Hevert-Dorm, Hoggar Night, Moradorm, nervo OPT N, SchlafTabs, Sedaplus, Sediat, Sedopretten, Vivinox), Benzodiazepine (Dormicum, Flurazepam, Lendormin, Midazolam, Temazep, Diazepam, Faustan, Rusedal, Tranxilium, Valium)
Diuretika Medikamente, die zur Ausschwemmung
von Wasser aus
dem Körper eingesetzt werden.
Breite therapeutische Bandbreite:
z. B. bei Herzinsuffizienz,
Bluthochdruck, Ödemen
Hydrochlorothiazid (Disalunil, HCT), Thiazidanaloga (Aquaphor, Hygroton, Xipamid), Schleifen diuretika (Furoseamid, Lasix, Arelix, Piretanid, Toraseamid), Amilorid, Diursan, Triamteren
Chemotherapeutika/ Zytostatika
Arzneimittel, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen. Sie werden vor allem zur Behandlung von Tumoren, teilweise auch bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt.
Antihypertonika Sammelbegriff für blutdruck - senkende Medikamente Methydopa (Dopegyt, Methyl dopa, Presinol), Clonidin (Catapresan, Clonidin), Moxonidin (Cynt, Moxobeta, Moxocard, Moxonidin), Betarezep - toren blocker (Metroprolol, Kerlone, Atenolol, Prelis, Bisoprolol), Beta - rezeptorenblocker mit Antihyper - tonika (AteNif), Calciumkanal blocker (Nifedipin), Calciumkanalblocker mit ACE-Hemmern (Delmuno, Eneas, Zaneril), ACE-Hemmer (Quinapril, Rampipril, Tanatril), Angiotensin-IIAnta gonisten (Micardis), Benazepril, Captopril, Enalapril, Lisinopril
Antihistaminika Wirkstoffe zur Behandlung von Allergien und Gastritiden Antiallergika: Fenestil, Cetirizin, Loratadin, Terfenadin Antiemetika: Dimenhydrinat (Reisetabletten, Superpep, Vomex) Hypnotika/Sedativa: s.o.
einige Antibiotika Medikamente gegen bakterielle Infektionen
Penicillin (Amoxicillin, Ampicillin, Amoxicillin mit Clavulansäure
Antiparkinsonmittel Medikamente, die die Symptome der Parkinson-Erkrankung, z.B. das Gliederzittern, Bewegungsverlangsamung und Steifheit, lindern


Anticholinergika: Akineton, Biperiden, Artane Dopaminerika: Amantadin, tregor,


Tabelle 2: Referenztabelle Speichelfließrate
Ruhespeichel [ml/min] Stimulierter Speichel [ml/min]
Hypersalivation > 1 > 3,5
Normsalivation 0,25 – 1 1,0 – 3,5
Hyposalivation 0,1 – 0,25 0,5 – 1
Xerostomie < 0,1 < 0,5


Tabelle 3: Zahnmedizinische Betreuung von Xerostomie-Patienten
Maßnahme Häufigkeit
Maßnahmen in der zahnärztlichen Praxis
professionelle Zahnreinigung: supra-, ggf. sub-gingivale Belagskontrolle alle 3 Monate
Entfernung von Plaqueretentionsnischen (Ent-fernung überhängender Restaurationsränder/ Füllungsaustausch) nach Bedarf
Maßnahmen im Rahmen der häuslichen Mundhygiene
fluoridhaltige, alkoholfreie Mundspülungen täglich; zwischen den Mahlzeiten
hochfluoridhaltige Zahnpasta (Duraphat 5000 ppm) bei erhöhtem Kariesrisiko nach den Mahlzeiten (3 x täglich)
fluoridhaltige Zahnpasta (Elmex sensitive 1450 ppm) nach den Mahlzeiten (3 x täglich)
extra weiche Zahnbürste z.B. Meridol sensitive
Mundspülungen mit Salbei nach Bedarf
Benetzen der Mundhöhle mit neutralen Ölen nach Bedarf
Pflege des herausnehmbaren Zahnersatzes 1–2mal täglich mit einem desinfizierenden Pro-thesenreiniger
Lippenpflege nach Bedarf mit Panthenol-Creme oder fetthal-tiger Lippenpomade


Tabelle 4: einige exemplarische Speichelersatzmittel
Speichelersatzmittel Basis Fluoridgehalt [mg/l] pH-Wert
Artisial® Natrium-Caboxymethyl -cellulose 6,7
Biotène® Hydroxymethylcellulose / Carboxymethycellulose 5,2
Glandosane® Natrium-Caboxymethyl -cellulose 5,1
Oralbalance Hydroxymethylcellulose
Oralube® Sorbitol 2,3 6,9
Salinum Leinsamenöl
Salvia Orthana® Muzin 4,2 6,7
Salvia-medac® Muzin 5,4



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