Christian Nobmann
16.06.17 / 00:01
Heft 12/2017 Titel
Eine rechtssichere Entscheidungshilfe

Die zahnärztliche Heilmittel-Richtlinie kommt

Nach zweieinhalbjähriger Beratungszeit hat der Gemeinsame Bundesausschuss die eigenständige zahnärztliche Heilmittel-Richtlinie verabschiedet. Planungsgemäß wird die Richtlinie zum 1. Juli in Kraft treten und ab diesem Zeitpunkt abschließend die verbindliche Rechtsgrundlage für die Verordnung von Heilmitteln in der vertragszahnärztlichen Praxis darstellen. Wir stellen Struktur und Inhalt vor.




Hier erfahren Sie alles zur KZBV-Broschüre „Die zahnärztliche Heilmittelverordnung – So verschreiben Sie richtig", die weitere Erläuterungen zur Richtlinie sowie das Verordnungsformular mit Ausfüllhinweisen bietet.

Warum eine eigene zahnärztliche Heilmittel-Richtlinie?

Die ärztliche Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses gilt nicht für Zahnärzte und lässt zahnmedizinische Problemstellungen und Indikationen vollkommen unberücksichtigt. Vertragszahnärzten war es aufgrund der gesetzlichen und bundesmantelvertraglichen Regelungen zwar bereits bisher grundsätzlich möglich, Heilmittel zu verordnen, soweit die Verordnung zur Ausübung der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde gehört. Jedoch tauchten immer wieder Fragen auf, welche Heilmittel   von Vertragszahnärzten im Einzelfall verordnet werden können. Um Inhalt und Umfang der Verordnungsmöglichkeiten einheitlich und rechtssicher auszugestalten, hat der Gemeinsame Bundesauschuss 2014 beschlossen, die vertragszahnärztlichen Besonderheiten für die Verordnung von Heilmitteln in einer eigenen Richtlinie mit einem eigenen Heilmittel-Katalog für den vertragszahnärztlichen Sektor zu  regeln.

Wie ist die Richtlinie aufgebaut?

Die Richtlinie gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil umfasst den eigentlichen Richtlinientext, der die grundlegenden Voraussetzungen zur Verordnung von Heilmitteln durch Vertragszahnärzte regelt. Der zweite Teil besteht aus dem spezifischen zahnärztlichen Heilmittelkatalog, der einzelnen medizinischen Indikationen das jeweilige verordnungsfähige Heilmittel zuordnet, das Ziel der jeweiligen Therapie beschreibt sowie Verordnungsmengen im Regelfall festlegt. Der Heilmittelkatalog bildet dabei weitgehend diejenigen Heilmittel ab, die bereits vor Erarbeitung der Erstfassung der Richtlinie aufgrund einer Übereinkunft zwischen der KZBV und den damaligen Spitzenverbänden der Krankenkassen aus dem Jahr 2002 von Vertragszahnärzten verordnet werden konnten und somit bereits vor Beschluss über die Erstfassung der Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung waren.

Bei welchen Indikationen sind Heilmittel verordnungsfähig?

Der Heilmittelkatalog führt abschließend die möglichen Indikationen für eine sachgerechte Heilmitteltherapie auf. Hierzu wurden sogenannte „Indikationsgruppen“ gebildet, die in Teilen mit einzelnen Leitsymptomatiken ergänzt werden. Diese Indikationsgruppen bilden abschließend die zahnmedizinisch relevanten Fälle ab, bei denen Heilmittelverordnungen vorgenommen werden können. Bei der Verordnung hat der Vertragszahnarzt im Einzelfall jedoch vorhandene Kontraindikationen zu berücksichtigen. Folgende Heilmittel können bei Vorlage einer entsprechenden Indikation verordnet werden:

Maßnahmen der Physiotherapie und der physikalischen Therapie

Die Verordnung von Maßnahmen zur Physiotherapie und physikalischen Therapie ist bei folgenden Indikationen möglich:

• Craniomandibuläre Störungen (Indikationsgruppen CD1 und CD2)

• Fehlfunktionen bei angeborenen cranio- und orofazialen Fehlbildungen und Fehlfunktionen bei Störungen des zentralen Nervensystems (Indikationsgruppe ZNSZ)

• Chronifiziertes Schmerzsyndrom (Indikationsgruppe CSZ)

• Lymphabflussstörungen (Indikationsgruppen LYZ1 und LYZ2)

Sprech- und Sprachtherapie

Verordnungen zur Sprech- und Sprachtherapie durch den Zahnarzt sind möglich bei:

• Störungen des Sprechens (Indikationsgruppe SPZ)

• Störungen des oralen Schluckaktes (Indikationsgruppe SCZ)

• Orofazialen Funktionsstörungen (Indikationsgruppe OFZ)

Hinweis: Die Heilmittelrichtlinie differenziert nach „Sprechtherapie“ und „Sprachtherapie“. Der Heilmittelkatalog benennt als verordnungsfähiges Heilmittel jedoch „Sprech- und Sprachtherapie“ ohne die in der Richtlinie gemachte Differenzierung zu übernehmen. Der Vertragszahnarzt hat damit allein die Möglichkeit, wie auch auf dem Verordnungsformular vorgesehen, als Heilmittel „Sprech- und Sprachtherapie“ zu verordnen. Die Auswahl der in der Richtlinie vorgesehenen therapeutischen Maßnahmen erfolgt in Abhängigkeit des individuellen Störungsbildes durch den Therapeuten, insoweit keine weiteren Angaben auf dem Verordnungsformular erfolgen.



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