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16.04.06 / 00:12
Heft 08/2006 Praxis
Neu in der Gemeinschaftspraxis

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Das A und O einer Gemeinschaftspraxis ist Vertrauen. Zu Beginn der Zusammenarbeit kann ein bisschen Kontrolle allerdings nicht schaden. Berufsanfänger, die in eine Zahnarztpraxis einsteigen wollen, sollten sich deshalb vor Fragen nach deren wirtschaftlicher Lage nicht scheuen.



Glücklich in Richtung Zukunft fahren Zahnärzte in Gemeinschaftspraxen nur, wenn sie einen Grundsatz beachten: keine Angst vor Ehrlichkeit. Foto: Project Photo

Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Nach Ansicht von Dr. Hendrik Schlegel, Leiter der zahnärztlichen Stabsstelle der ZÄK Westfalen- Lippe, gilt dieser Tipp für alle auf längere Zeit angelegten Beziehungen. Auch junge Zahnärzte, die als Partner in einer Gemeinschaftspraxis anheuern wollen, sollten ihn sich zu Herzen nehmen. „Viele Anfänger gehen zu naiv an diese Entscheidung heran. Teilweise fehlt ihnen der Mut, genaue Auskünfte einzuholen. Dabei ist das dringend zu empfehlen“, so Schlegel.

Vom Lehrling zum Meister

Unerfahrenheit ist ein Grund, warum die Partner in spe nicht genau nachhaken. „Viele Bewerber kommen frisch aus der Vorbereitungszeit. Betriebswirtschaftlich müssen sie dann schnell den Sprung vom Lehrling zum Meister schaffen“, erklärt Dr. Sigrid Olbertz, Zahnärztin und Master of Business Administration aus Marl. Der Praxissenior sei dabei eine Respektsperson, dem die Jüngeren ungern widersprächen. Olbertz Ansicht nach ist aber gerade selbstbewusstes Auftreten der Schlüssel zu einer erfolgreichen Partnerschaft. Dem Praxischef signalisiert es, dass der Junior betriebswirtschaftlich denkt und sich durchsetzen kann. Und das ist besser als ein Bewerber, der blind alles glaubt. Fragen zur Finanzlage sind daher nicht unbedingt Zeichen unschicklicher Neugier.

Informieren können junge Zahnärzte sich auf unterschiedlichen Wegen. Schlegel rät beispielsweise, sich eine Auskunft über bestehende Altverbindlichkeiten geben zu lassen. Dazu gehören Rückstände bei Dentallabor und -depot oder anderen Lieferanten. Nach Unterzeichnung des Vertrags sind die Mitglieder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts laut Paragraph 705 BGB ohnehin durch das so genannte Informations- und Kontrollrecht gebunden, auf sein vorvertragliches Auskunftsrecht sollte man jedoch ebenso pochen. Auch zu klären, bevor man die Partnerschaft eingeht: Besteht ein Ehevertrag? Falls ja: Haben der oder die Ex Anrecht auf ein Stück der Praxis? Lässt sich der Geschäftspartner scheiden, kann in diesem Fall der Sozius in Mitleidenschaft gezogen werden. Darüber hinaus hält Schlegel Kreditauskünfte für sinnvoll: „Das wird zwar nicht gern gesehen, kann im Zweifel aber wichtig sein.“ Jeder Partner müsse schließlich wissen, ob die Gemeinschaftspraxis auf wirtschaftlich soliden Füßen steht.

Informationen von Wert

Geht es um Schulden, fällt schnell der Begriff Schufa. Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung sammelt kreditrelevante Daten über Verbraucher. Diese erhebt sie nicht selbst, sie werden ihr von ihren Mitgliedern – zum Beispiel Banken, oder Versandhäusern – zugeliefert. Von Interesse sind Angaben darüber, wie zuverlässig ein Kunde sein Darlehen abbezahlt oder Raten begleicht, denn die Schufaauskunft soll die Kreditwürdigkeit eines Kunden bewerten. Einsicht in die Daten haben jedoch nur die Mitglieder oder die betreffende Person selbst (siehe zm 8/2002, Seite 80).

Für Dritte – etwa junge Zahnärzte, die über den Einstieg in eine Praxis nachdenken – ist diese Bewertung unergiebig, warnt Stefan Horst, Sprecher der Schufa. „Wie es insgesamt betriebswirtschaftlich um Jemanden oder eine Praxis steht, stellt die Eigenauskunft nicht dar.“ Grund: Die Auskunft enthält nur Konsumentenkredite. Immobilienkredite sind häufig nicht verzeichnet, das Guthaben einer Person gar nicht. Das finanzielle Profil bleibt also unvollständig. Unter anderem auch, weil nicht alle Banken und Sparkassen Mitglied bei der Schufa sind. Nur knapp 95 Prozent geben Daten weiter. Einen kompletten Überblick könne man sich mithilfe eines Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers verschaffen, so Horst. Den Kooperationswillen des Praxisseniors vorausgesetzt, können sich Einsteiger dort so gründlich ins Bild setzen lassen, dass der glücklichen Partnerschaft nichts mehr im Weg steht.



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