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01.06.07 / 00:15
Heft 11/2007 Editorial

Editorial



Der Blick ins All: Ein Eindruck von unendlicher Weite, implizit aber auch ständiger Veränderung. Es ist das Symbol von Tragweite und umfassender Bedeutung. Kann man Ähnliches über das „Sonnensystem der deutschen Krankenversicherung“ behaupten? Zumindest werden sich PKVen und GKVen künftig heftiger denn je um ihren Platz an der Sonne streiten. Foto: MEV/PD/zm

Liebe Leserinnen und Leser, auf dem Deutschen Ärztetag hat sich der – in seiner Position übrigens beeindruckend bestätigte – Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg Dietrich Hoppe, mit Vehemenz gegen die „Ökonomisierung der Medizin“ gewandt. Hoppe warnte ausdrücklich: „Bevor das passiert, werden wir von Freiberuflern zu Freiheitskämpfern“.

Die Mahnung, die anstehende Vereinheitlichung des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland zu überdenken, ist berechtigt. Aber die entsprechenden Prozesse sind bereits Gesetz und in Umsetzung. Ulla Schmidt hat mit der jüngsten Reform die Weichen für ein Erstarken der großen gesetzlichen Krankenversicherungen gesetzt. Diese Art „gelenkter“ Wettbewerb wird nicht nur die gesetzliche Kassenlandschaft verändern und auf Dauer die Großen zu Lasten der Kleinen retten. Er wird auch das bisher weitgehend eigenständige, das Gesundheitswesen finanziell entlastende Krankenversicherungssystem der PKV verändern. Insofern stimmt die Bezeichnung, die die Regierung diesem Teil der „Reform“ gab, letztlich doch: Das GKV-Wettbewerbstärkungsgesetz stärkt im Wettbewerb die GKVen.

Für die Privaten ändert sich das Gefüge gewaltig. Ihr bisher abgekoppeltes kleines System wird mit der Ära des WSG Teil einer größeren Ordnung, in der sich alle Beteiligten künftig um die vorhandenen Plätze streiten müssen. Waffengleichheit werden die bisher ungestört agierenden PKVen in dieser Art gelenkter Konkurrenz allerdings erstreiten müssen. Zu hoch waren hier die Begehrlichkeiten, am kapitalgestützten System der PKV teilhaben zu können.

Ein analysierender Blick auf das sich bereits verändernde Universum lässt vermuten, dass in den nächsten Jahren das einzig Beständige im Krankenversicherungswesen der Wandel sein wird. Die PKVen müssen in das neue Vexierspiel zwischen den GKVen eintauchen und trotzdem darauf achten, dass ihre für die Versicherten attraktiven Eigenmerkmale nicht komplett absorbiert werden.

Die Bundesgesundheitsministerin, das hat sie auf dem Deutschen Ärztetag klar zu verstehen gegeben, wird sich nicht schützend vor die Privatversicherer stellen. Daran ändert auch die Zusicherung nichts, man wolle das System nicht abschaffen. Reichen dürften, so die Situation eskaliert, schon die qua Gesetz geöffneten Grenzen zwischen den Systemen – und eine protektive Hand über den GKVen. Den Rest würde dann der „gelenkte“ Markt selbst übernehmen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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