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16.08.06 / 00:15
Heft 16/2006 Editorial

Editorial



Fairer, mit gleichen Voraussetzungen gestalteter Wettbewerb ist, wie die aktuellen Doping-Skandale wieder gezeigt haben, auch im Sport längst nicht mehr selbstverständlich. Im stark reglementierten Gesundheitswesen wird Wettbewerb als Schlagwort und Petitum inzwischen zum Allgemeingut. Ein Lichtblick? Nicht zwangsläufig. Denn wer betroffen ist, wehrt sich aus Leibeskräften. Foto: mauritius

Liebe Leserinnen und Leser,

bei allen Streitigkeiten um die Gesundheits-„ Reformen“ – in einem sind sich die Beteiligten scheinbar weitgehend einig: Das deutsche Gesundheitswesen braucht, so heißt es aus fast allen Ecken, mehr Wettbewerb. Dieses mit unterschiedlichen Intentionen besetzte Zauberwort – nicht mal die Wirtschaftswissenschaften bieten eine eindeutige Definition an – entpuppt sich in der Diskussion als der reformpolitische Dauerläufer schlechthin.

Kommt es aber zum Schwur, passiert meist etwas typisch Deutsches: Die potentiell Betroffenen rufen schnellstens St. Florian an und hoffen, dass es nicht sie, sondern „die Anderen“ trifft. Das Ergebnis solcher Notbremsen ist allen, die das Geschehen verfolgen, zur Genüge bekannt.

Klar gibt es zu jeder noch so goldenen Regel auch Ausnahmen. Deutschlands Zahnärzteschaft hat sich bei ihrer Suche nach Lösungen dem Wettbewerb nicht verwehrt. Im Gegenteil: Wo es für Patient und Zahnarzt sinnvoll ist – und man die Zahnärzte lässt – geht es voran. Die erfolgreiche Einführung des Festzuschusssystems beim Zahnersatz ist jüngeres, die Einforderung der sektoralen Kostenerstattung ganz aktuelles Beispiel dieser positiven Einstellung zum Gesundheits-„ Markt“. Und das, obwohl es dort nicht nur Gewinner, sondern auch den einen oder anderen Verlierer geben wird.

das ist nur ein Sektor. Ansonsten bietet der Blick in die Runde zur Zeit außer Lippenbekenntnissen wenig. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, so ein akutes Beispiel der Reformdiskussion, will keine Kostenerstattung, hört man – und staunt.

Ein anderes, noch prominenteres Beispiel: Deutschlands über 250 Krankenkassen, die sich in den vergangenen Reformen immer wieder für Wettbewerb auf der Seite der ärztlichen und zahnärztlichen Leistungsträger stark gemacht haben, wehren sich gegen die aktuellen Vorstöße für Transparenz und den Einstieg in einen Kassen-Wettbewerb so heftig, dass man schon nicht mehr weiß, ob das mehr den Kassen oder mehr der Bundesregierung nutzt, lenkt es doch von anderen Aspekten des für zu leicht befundenen Eckpunktepapiers ab. Machtstreitigkeiten haben nun einmal ihre ganz eigene Dynamik.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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