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16.11.06 / 00:15
Heft 22/2006 Editorial

Editorial



Vertrauensverhältnis Patient – Zahnarzt: In neun von zehn Fällen, so ein Ergebnis der DMS IV, bleiben sie sich treu. Foto: zm

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon erstaunlich, dass der „Patient Gesundheitswesen“ die vielen erfolglosen Therapieversuche der jeweiligen Regierungen in den zurückliegenden Jahren überlebt hat. Allerdings: Die Prognose wird sukzessive schlechter.

Unbeobachtet kann die derzeitige Regierung ihre „Doktoreien“ allerdings nicht mehr praktizieren. Inzwischen gibt es in diesem Fall – egal von welcher Seite auch immer – kein Vertrauen mehr in die Heilungskräfte der Politik. Diesmal fällt es extrem deutlich auf, dass bereits vor Verabreichung der GKV-beitragsenkenden Mittel von weiteren Steigerungen gesprochen wird. Zahnärzte könnten sich auf diese Weise ihren Patientenstamm jedenfalls nicht erhalten.

Dass laut DMS IV neun von zehn Patienten ihrem Zahnarzt treu bleiben, ist – verglichen mit den Wahlergebnissen der Regierungen der letzten Jahre – eine Erfolgstory ohne Gleichen. Aber nicht nur die Vertrauensposition zum Zahnarzt, auch die eigentlich zentralen Ergebnisse der IV. Deutschen Mundgesundheitsstudie sind im internationalen Vergleich sehr gut: Zumindest der Kampf gegen Karies ist das Ergebnis jahrelanger Prävention und Aufklärung durch die Zahnärzte.

Die Ergebnisse der Studie schaffen aber auch neue Herausforderungen, zum Beispiel in Sachen Parodontitis oder bei der gezielten Bekämpfung von Karies in den noch verbleibenden Risikogruppen. Auch hier werden die Antworten aus der zahnmedizinischen Versorgung kommen. Der Gesetzgeber ist hier nicht in der Rolle des „Players“, allenfalls in der des „Payers“. Aber selbst dort kommen die Erfolgsrezepte meist aus der Ecke der Leistungsträger. Warum will man sie dann im Diskussionsprozess zur Gesundheitsreform erst hören, wenn es fast zu spät ist?

Der Deutsche Zahnärztetag in Erfurt wird sich jedenfalls mit diesen Themen befassen und – wie die Vergangenheit gezeigt hat – trotz der wenig ambitionierenden Erwartungen Lösungsansätze diskutieren, abstimmen und anschließend in den gesellschaftlichen Diskussionsprozess einbringen. Diesen Beitrag zum Gesundheitswesen leistet die Zahnärzteschaft aktiv – ganz egal, ob von der Politik gewollt oder nicht.

Apropos „aktiv“: Auffällig ist auch, dass die Gruppe der Leistungsträger sich für den Beruf eigeninitiativ fit hält. Unser interaktives Fortbildungsangebot in diesem Heft ist nur ein Teil fortwährender freiwilliger Schulung und Kontrolle. Wo bleibt da das Pendant der Politik – vor allem nach einer so missglückten Reform?

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur

 



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