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16.03.05 / 00:15
Heft 06/2005 Editorial

Editorial



Eine Frage des Geschmacks? Für die Einen sind Zähne Teil des menschlichen Körpers, deren Behandlung technisches Können voraussetzt, das in seiner Perfektion an Kunst grenzt. Für diesen Patienten, der für sich selbst etwas anderes als den üblichen „Lattenzaun” wünschte, waren sie Leinwand für Malereien, die ihm besonderes Auffallen verschaffen sollten. Eingesandt von zm-Leserin Dr. Britta Meul. Foto: B.Meul

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird beargwöhnt, manchmal stößt es auf öffentliches Misstrauen, das „Fachchinesisch” der Medizin. Mal sind es Politiker, mal Patientenvertreter, mal Opponenten aus der weiten Welt der Medien. Sie vermuten schlechte Absichten hinter dem, was sie als Laien nicht verstehen.

Provoziert wird diese Skepsis durch verantwortungsloses Gerede einzelner Heilberufsangehöriger, die früher nur am Stammtisch, heute aber in Internetforen, damit in aller Öffentlichkeit, negativ auffallen können.

Was immer an Beweggründen hinter diesen Dissonanzen stecken mag, sie erinnern zumindest an eins: Sprache ist verräterisch, manchmal in ihrer Wirkung folgenschwer. Was schnell und leicht daher gesagt ist, bleibt nicht immer ohne Gewicht. Erst recht dann, wenn es nicht verstanden wird. Ausreichende Indizien dafür gibt es genug, zum Beispiel das große Interesse an Internet- Auftritten, die das vermeintlich „böswillige Versteckspiel” von Medizinern hinter lateinischen Fachausdrücken aufdecken sollen.

Aber egal ob Latein, Englisch oder „Patientisch” – Sprache dient der Kommunikation. Sie hat, so heißt es in der Publizistik, Sender und Empfänger. Ihr Ziel: Die Information soll verstanden werden. Unnötig, dabei zu erwähnen, dass das jeweilige Gegenüber Respekt fordert. Jeder dürfte erwarten, dass in seinem Beisein mit ihm und nicht über ihn geredet wird.  

Aber auch der Umkehrschluss gilt: Kommunikation mit Schutzbefohlenen – und das sind Patienten – impliziert Verantwortung. Alles, was – auf welche Weise auch immer – gesagt, geschrieben oder gezeigt wird, braucht ein Gespür für die Wirkung, die es hinterlässt. Der Patient erträgt das Ärztelatein im fachlichen Gespräch, wenn er das Gefühl hat, dass Fachleute sich verantwortlich zu seinem Wohl austauschen. Sprache ist kein Selbstzweck, meist entscheidet die Absicht, die hinter ihr steckt, über die Wirkung ihrer Botschaft.  

Dass Latein, das angestammte „Fachchinesisch” der Mediziner, eine komplexe Tradition hat, dass verantwortungsbezogene komplizierte Inhalte mit Bezügen auf Jahrtausende alte Kultur und Wissenschaft dahinter stecken, ist kaum noch geläufig. Fachdefinitionen, gleich welcher Sprache, dienen der korrekten Übermittlung, dem exakten Austausch wichtiger Informationen. Das sind keine Systeme, die von jetzt auf gleich entstehen. Es sind gewachsene Strukturen. Letztlich nicht zum Ausschluss, sondern zum Wohl von Patienten. Und ist die dahinter stehende Absicht durchsichtig, werden sie das auch so empfinden.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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