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16.06.09 / 12:00
Heft 12/2009 Editorial

Editorial



Auf Medikamente muss unbedingt Verlass sein. Arzneimittelfälschungen stellen auch auf dem europäischen Markt eine zunehmende Gefahr dar Foto: DAK

Liebe Leserinnen und Leser,

Arzneimittelfälschungen eignen sich nicht als „Sonntagsthema“. Es geht um weit mehr als einige auf dem Schwarzmarkt via Internet um Sildenafil-Wirkstoff geprellte Viagra-Käufer. Hinter den Arzneimittelfälschungen stecken hoch kriminelle, international agierende Banden, getrieben von der Aussicht auf einen Profit, der weit attraktivere Gewinnspannen verspricht als die aus der herkömmlichen Drogenszene.

Hier sind es nicht allein die ökonomischen Konsequenzen wie in der Markenpiraterie anderer Produktbereiche, die hartnäckige Verfolgung dieser Straftaten erfordern: Wer als Patient auf notwendige Medikamente vertraut, die den erforderlichen Wirkstoff nicht enthalten, gerät in große Gefahr. Todesfälle als Folge von Arzneimittelfälschungen sind inzwischen zu Tausenden dokumentiert.

Die Anteile von Medikamentenfälschungen auf dem Arzneimittelmarkt liegen laut WHO-Schätzungen in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas bei unglaublich hohen 30 Prozent. An gepanschte, hochgiftige Medikamente zu geraten, ist dort leider kein unwahrscheinlicher Zufall mehr.

In den Industrienationen der westlichen Welt beschränkt sich das Quantum an Arzneimittelfälschungen bisher auf geschätzte ein Prozent des gesamten Marktes. Dennoch: Das Internet, oft Plattform für den Bezug solcher Fälschungen, kennt keine nationalen Grenzen.

Um so wichtiger sind strukturierte, gut durchdachte und praktikable Gegenmaßnahmen. Zoll, Industrie und Wissenschaft haben in den letzten Jahren konsequent an Möglichkeiten gearbeitet, die ein schnelles Überprüfen von Wirkstoffgehalt, Echtheit des Präparats und Freiheit von Giftsstoffen ermöglichen sollen. Der Wettlauf zwischen „Gut“ und „Böse“ hat begonnen. Den Fälscherbanden soll, wenn nicht das „Handwerk gelegt“, so doch zumindest das Verbrechen erschwert werden.

Aus diesen Erfahrungen die Konsequenz zu ziehen, dass Verbote von Bezugsmöglichkeiten – sei es via Internet oder über andere Wege – das Problem lösen könnten, ist zu kurz gedacht. Angesichts so immenser Profitaussichten finden sich immer wieder Menschen, Mittel und Wege, die neue Variationen mit großer krimineller Energie aufweisen, nicht nur in fernen Erdteilen, sondern, wie unsere Titelgeschichte ausweist, längst auch in deutschen Landen.

Grund genug, daran zu arbeiten, dass gezielte Gegenmaßnahmen die Chancen der Fälscher merklich erschweren.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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