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16.11.08 / 12:00
Heft 22/2008 Editorial

Editorial



Ohne Chance zur Gegenprüfung konfrontierte er die Delegierten der deutschen Zahnärzteschaft mit dem Referenten-Entwurf einer neuen GOZ: Staatssekretär Dr. Klaus-Theo Schröder. Foto: pietschmann/axentis

Liebe Leserinnen und Leser,

mutmaßten einige Fach- und Sachkundige im Frühjahr noch, ob Neuerungen im PKVBereich für das Gesundheitssystem nicht doch bereichernd wirken, das ministerielle „Wettbewerbsdiktat“ die gesetzlichen Kassen sogar zu ganz anderen, aufgeräumteren Denkweisen ambitionieren könnte, hat inzwischen auch die Letzten Ernüchterung erfasst: Per Gesundheitsfonds-Rasenmäher auf gleiche Länge geschoren zu werden, kann den GKVen nicht behagen. Mehr oder weniger laut deklamieren sie ihren Protest.

Und mit dem pikanterweise zum Deutschen Zahnärztetag veröffentlichten BMG-Referentenentwurf für eine neue GOZ schält sich auch in der Vergütungslandschaft heraus, dass Fortschritt und Qualität als Motoren des Gesundheitswesens für den Gesetzgeber eher eine der Ökonomie nachgeordnete Rolle spielen. Berlins Staatslenker treibt eine Angleichung der Systeme mit Schlagrichtung Vereinheitlichung an.

Dass ausgerechnet derjenige Horst Seehofer, der seinerzeit in langen Nächten gemeinsam mit der Bundesgesundheitsministerin die Reform verhandelt hat, jetzt an der Spitze Bayerns zusammen mit der in Regierungsverantwortung stehenden FDP per Regierungsprogrammatik das Berliner Treiben im Zaum halten will, reicht allenfalls als Aperçu von mit gutem Gedächtnis gesegneten Politbeobachtern.

Der deutschen Zahnärzteschaft, deren Vertreter sich in Stuttgart anlässlich des Deutschen Zahnärztetages zur Ausrichtung ihrer Positionierungen getroffen haben, beschert dieses Umfeld ein ganzes Portfolio neuer Herausforderungen. Deutlich wurde, dass die in anderen Bereichen des Gesundheitswesens gehandelten Strickmuster für Deutschlands Zahnarztpraxen nicht taugen. Eher scheint umgekehrt ein Schuh daraus zu werden.

Das Bestreben, eigene Wege zu finden und zu gehen, bestimmt seit Jahren das Denken und Handeln des Berufsstandes, sei es durch Entwicklung und Etablierung des Festzuschusssystems und dessen Weiterentwicklung, sei es durch die klare Eigenpositionierung per Honorarordnung für Zahnärzte als wissenschaftlich korrektem Kontrapunkt zum GOZ-Versuch des BMG.

Wie selbstverständlich wurden auch in Stuttgart die Hausaufgaben gemacht, und – wie im Falle der Bundeszahnärztekammer – trotz Wahlen gleich wieder neue verteilt und direkt angegangen. Nur das kann unter den gegenwärtig prekären Umständen noch weiterhelfen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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