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01.06.09 / 12:00
Heft 11/2009 Editorial

Editorial



Ein dauerhaft intaktes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt ist ein sehr gutes Indiz für die Qualität ethischer Verantwortung von Arzt und Gesellschaft im Gesundheitswesen. Foto: proDente

Liebe Leserinnen und Leser,

Wertediskussionen, wie sie in jüngerer Zeit in der gesundheitspolitischen Diskussion wieder verstärkt aufflammen, sind wichtig. Gerade in Phasen größerer Umbrüche – und damit oft einhergehender gesellschaftlicher Orientierungsdefizite – sind sie eine folgerichtige Reaktion auf Veränderung.

Ansatz für die Dispute ist in der Regel die Kritik an „bewährten“ Handlungsabläufen. Werden gesellschaftliche Veränderungen zu groß, fügen sich Abläufe nicht mehr passgerecht in bestehende Systeme, wird der Rahmen hinterfragt – und im weiteren Verlauf gegebenenfalls neu gesteckt.

Hier geht es keineswegs um abstrakt Unfassbares, vielmehr um knallharte Themen wie das Für und Wider von Gentechnik, das Wohl und Wehe von Globalisierung oder das Pro und Kontra staatlicher Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen. Es geht um die künftige Ausrichtung staatlicher Sozial-politik, somit auch um die gesellschaftliche Organisation medizinischer Versorgung.

Wenn anlässlich des Deutschen Ärztetages Diskussionen um die ökonomische Ausrichtung des Gesundheitswesens und deren Folgen für die medizinische Versorgung in die Öffentlichkeit schwappen, wenn der Druck auf das Gesundheitssystem dazu führt, dass existenziell wichtige betriebswirtschaftliche Überlegungen ärztliches Handeln beeinflussen, gehören die Erörterung ethischer Grundwerte und die Besinnung auf die Basis ärztlichen Handelns ganz oben auf die Tagesordnung.

Der Gesellschaft muss wieder bewusst werden, dass letztlich sie die Verantwortung für die Ausrichtung ihres Gesundheitswesens zu tragen hat. Die Heilberufe können und werden sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. Aber ihre Aufgabe ist es, Patienten gesund zu erhalten, zu heilen. Sie können zwar fachkundig beraten und Vorschläge unterbreiten, wie Dinge gelöst werden sollten. Verantwortlich ist und bleibt aber die Gesellschaft selbst.

Und es steht viel auf dem Spiel. Letztlich geht es angesichts tief greifender Fortschritte in Forschung und Wissenschaft vor allem auch um die Ausrichtung des Selbstverständnisses einer überalterten Gesellschaft. Hier wird zu prüfen sein, ob Ethos und Realität unter solchen Voraussetzungen in dieser Systematik noch konform gehen, ob das gesellschaftliche Handeln dem Konstrukt des „Menschlichen“, des Humanitären, noch entspricht. Danach sind Handlungsmaximen auszurichten.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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