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16.12.08 / 12:00
Heft 24/2008 Editorial

Editorial



Idylle? Schnee von gestern? Oder gar Vorboten des Klimawandels von morgen? Es ist eine Frage der Sichtweise. Auch wenn Probleme wie Erderwärmung, internationale Finanzkrise oder Gesundheitsfonds nicht gerade besinnlich stimmen: Genießen Sie trotzdem Weihnachten und Jahreswechsel. Die zm wünschen ein schönes Fest und viel Erfolg im neuen Jahr. Foto: PP

Liebe Leserinnen und Leser,

Folgen des globalen Klimawandels aufzuzeigen, fällt bekanntlich nicht leicht. Nachweise zu erbringen, erfordert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.

Im Gesundheitswesen ist das ganz anders: Hier erfolgen „Klimaveränderungen“ – je nach Reform – fast schon abrupt. Wer jetzt zwei und zwei zusammenzählt, weiß in der Regel schnell, was ihm im kommenden Jahr blühen wird.

So geht es – mal abgesehen von den Strategen des BMG – zurzeit fast allen Betroffenen: den gesetzlichen wie den privaten Krankenkassen, den Ärzten und Zahnärzten genauso wie versierten Fachleuten, letztlich sogar den Patienten. Aber anders als beim Treibhauseffekt haben die regierenden Spitzenvertreter unserer Gesellschaft leider nicht die Erkenntnis, dass hier folgenschwer Nachteiliges passiert.

Im Gegenteil: Mit den ab 2009 umzusetzenden Maßnahmen, sei es nun der Basistarif, der Gesundheitsfonds oder auch die via Verordnung umzusetzende GOZ, heizt die Bundesregierung Versicherern, Ärzten wie Patienten weiterhin gehörig ein. „Kein Problem“, heißt es dazu in der Regel seitens des Bundesgesundheitsministeriums.

Wenn gesetzliche Krankenkassen mangels Einnahmen im nächsten Jahr pleite gehen, wenn die Wettbewerbslandschaft dank schmalhansiger Kalkulation wegfusioniert wird, wenn Prävention auf Grund wegfallender freier Vereinbarungen dem Rotstift zum Opfer fällt – kein Problem?

Wenn die PKVen wegen des via SGB V aufoktroyierten Basistarifs ihre Versicherungsstrukturen umstellen müssen und zu Pseudo- GKVen verkommen, Zahn-/Mediziner deshalb die in diesem System betriebswirtschaftlich notwendige Mischkalkulation verlieren – kein Problem?

Wenn die Bematisierung von Einzelpositionen der neuen GOZ Zahnärzten und ihren Patienten die Versorgungsgrundlage entzieht, wenn eine Öffnungsklausel den Versicherten Sonderverträge mit einzelnen Zahnarztgruppen ermöglicht, den Patienten und ihren Zahnärzten diese Möglichkeit aber nicht gegeben wird: Ist das alles wirklich kein Problem?

Das BMG hat „mehr Wettbewerb“ in den Ring geworfen. So alle danach schnappen und aufnehmen, was gerade geht, jeder für sich in der Hoffnung, er könne den anderen überdauern, hat das BMG in der Tat seine Rechnung fertig. Mit Gesundheitsfonds und Basistarif wird sich das Klima wandeln.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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