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16.12.12 / 12:00
Heft 24/2012 Editorial

Editorial



Wenn er die Hände verschränkt, hilft der zweite Gesundheitsmarkt nicht weiter ... Foto: plainpicture

Liebe Leserinnen und Leser,

wahre Schönheit, so heißt es, kommt von innen. Anders ist das mit der Gesundheit. Bei ihr ist man – bis auf das, was richtige Lebensführung dazu beiträgt – auf Hilfe von außen angewiesen.

Wer glaubt, für Gesundheit seien in erster Linie die Heilberufe zuständig, muss sich angesichts der vielen Existenzgründungen im sogenannten zweiten Gesundheitsmarkt Besseres lehren lassen. Längst haben findige Köpfe in diesem lukrativen „Wirtschaftszweig“ ihre Finger im Spiel. Prävention und Kuration leben mit einem Angebot, das schon mal Wahres und Ware verwechselt.

Dass die Meisten die wohl gewünschte Entwicklung in ihren Ausprägungen so nicht gewollt haben, mag sein. Aber jedem fällt schnell etwas ein, was „gut gemeint“ war, im Ergebnis aber ganz anders wirkt. Und wer jetzt jüngste Zeitungsschlagzeilen vor Augen hat, dem sei versichert: Die Diskussion um die Individuellen Gesundheits-Leistungen sind in diesem Feld sicherlich das am wenigsten Prekäre. Von fragwürdiger Ästhetik bis Esotherik reicht die Spanne, mit der im Markt das wirkliche Geld verdient wird.

Die jährlich erwirtschaftete Summe von rund 64 Milliarden Euro und eine Steigerungsrate von vier bis fünf Prozent pro Jahr sind kein Pappenstiel. Das wissen Unternehmens- berater wie Krankenkassen. Die einen loben deshalb den Wettbewerb über den grünen Klee. Die anderen propagieren ihn für die Heilberufe. Sich selbst tun sie aber schwer, wenn es darum geht, probate Wettbewerbsinstrumente wie das Kartellrecht für sich zu akzeptieren.

Dass einerseits im klassischen ersten Gesundheitsmarkt gespart, im zweiten aber investiert und seitens der Krankenkassen geworben wird, gilt nur noch Idealisten als „verkehrte Welt“. Andere stellen sich darauf ein: Warentester haben erkannt, dass der Verbraucher (sic, nicht Patient!) im Dschungel der Kassen-Individualleistungen Orientierungshilfe braucht.

Unglaublich ist, dass die Kassen vieles, was ihnen auf Ärzteseite Anlass zur Kritik bietet, in den eigenen Reihen als opportunes Wettbewerbsangebot zulassen. Auch wenn die Frage keiner stellt, aber sie ist erlaubt: Schneiden Augeninnendruckprüfung und anderes wirklich schlechter ab als manches aus dem Werbe-Bauchladen der GKVen wie TCM, Homöopathie und Co? In der breiten Öffentlichkeit ist das inzwischen alles eine Frage der Sichtweise.

Beruhigend bleibt: Der Patient mag Sport- und Bewegungsangebote oder andere präventive Leistungen nach Preis aussuchen, das eine oder andere im Gesamt-Paket des GKV-Angebots mitnehmen. Geht es aber ums Heilen, um Betreuung bei Krankheit oder um gezielte Gesundheitsvorsorge, dann wird sich jeder an die wenden, bei denen er gute Erfahrungen gemacht hat. Da haben Ärzte und Zahnärzte nach wie vor die besten Karten.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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