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01.05.03 / 00:14
Heft 09/2003 Titel
Zur Geschichte der Jugendzahnpflege

Ein Blick in die Vergangenheit der Gruppenprophylaxe

Es ist schwer, rund 120 Jahre Geschichte – denn so alt ist die Jugendzahnpflege in Deutschland bereits – in eine Kurzfassung zu pressen. Dennoch ist hier ein knapper Überblick mit einigen markanten Eckdaten.




1879 führt der Hofzahnarzt Zimmer in Kassel die ersten Reihenuntersuchungen an Schulkindern durch und gilt somit als einer der Väter der deutschen Jugendzahnpflege.

19 Jahre später erfolgt durch das preußische Kultusministerium die erste Gesetzgebung in der Schulzahnpflege: Per Erlass wird die Wichtigkeit zahnärztlicher Untersuchungen der Kinder erstmals festgehalten. 1902 wird die erste Schulzahnklinik gegründet, 1909 gibt es bereits 40 Schulzahnpflegestätten in Deutschland, die insgesamt 700 000 Schulkinder betreuen.   

Nach dem ersten Weltkrieg setzt eine schwungvolle Entfaltung der Schulzahnpflege ein und durch intensive Aufbauarbeit steigt die Zahl der Schulzahnpflegestätten von 229 im Jahre 1919 auf über 1 000 im Jahr 1930. Mangels einer einheitlichen gesetzlichen Regelung kommt es aber zu einem Systemstreit verschiedener Modelle:

• Bonner System: Es wurde eingeführt von Prof. Alfred Kantorowicz. In haupt- oder nebenamtlich besetzten Schulzahnpflegestellen werden Kinder untersucht und behandelt – ein großer Teil der freien Zahnärzteschaft betrachtete dieses System zunächst kritisch.

• Frankfurter System: Es wurde eingeführt von Dr. Hans-Joachim Tholuck. In haupt- oder nebenamtlich besetzten Schulzahnpflegestellen werden Kinder zunächst untersucht, jedoch überwiegend in freien Praxen anschließend behandelt.

• Mannheimer System: Ein Überweisungssystem, in welchem die Kinder in der Schule von ortsansässigen Zahnärzten planmäßig untersucht, allerdings dann in deren freier Praxis behandelt werden. Die NS-Zeit und der Krieg beenden das bisherige System der Jugendzahnpflege, welches bis dahin eine Vorbildfunktion für Europa hatte. Nur 52 Einrichtungen der Jugendzahnpflege überstehen den Krieg. Die weitere Entwicklung verläuft im geteilten Deutschland sehr unterschiedlich. In der Sowjetzone und späteren DDR wird das Bonner System flächendeckend umgesetzt. In der Bundesrepublik hingegen wird das Gesundheitswesen zur Angelegenheit der Länder – es kommt zu diversen, stark differierenden Ansätzen in den einzelnen Bundesländern. Im Juli 1949 wird der Deutsche Ausschuss für Jugendzahnpflege“ (DAJ) gegründet. Seine Aufgabe: Die planmäßige Förderung der Jugendzahnpflege, die neben der Schulzahnpflege auch die Kindergartenkinder miteinschließt. Mitglieder des DAJ sind Spitzenverbände der Renten- und Krankenversicherungen, der Kommunen und der Bundesverband der Deutschen Zahnärzte.

Ländersache

Nach und nach gründen sich auch in den Bundesländern verschiedene Landesarbeitsgemeinschaften zur Förderung der Jugendzahnpflege. Ende 1963 beschließt der Bundestag einstimmig ein Bundesjugendzahnpflegegesetz, das aber ein halbes Jahr später im Bundesrat mit dem Argument, Jugendzahnpflege sei Ländersache, abgelehnt wird. Der DAJ beschließt, seine koordinierende und initiierende Tätigkeit im Interesse der Jugendzahnpflege trotzdem weiterzuführen. Er gibt sich als eingetragener Verein eine neue Satzung, die Landesarbeitsgemeinschaften werden nach und nach Mitglieder im DAJ. Heute hat die DAJ, die seit 1994 „Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege“ heißt, über 50 Mitglieder. om

 



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