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01.12.15 / 00:02
Heft 23/2015 Titel
ZFA 2015

Ein Job, viele Perspektiven

211.000 ZFA und Azubis arbeiten in Deutschlands Zahnarztpraxen. Der Job ist anstrengend und anspruchsvoll – genau deswegen macht er den meisten Mitarbeiterinnen so viel Spaß. Was sich verändern muss, damit das so bleibt.




Wer ist Lehrling? Jedermann!“ Gestern vielleicht hatte diese Weisheit noch Bestand, heute herrscht der „war of talents“: Unis und Betriebe buhlen ohne Unterlass um motivierten und leistungswilligen Nachwuchs. Mit dem Ergebnis, dass die klassische Lehre auf dem Arbeitsmarkt zunehmend an Boden verliert: 2013 entschieden sich erstmals – wenn auch knapp – mehr Schulabgänger für ein Studium als für eine Ausbildung.

Acht Jahre zuvor standen den 350.000 Erstsemestern noch 520.000 Azubis gegenüber. Setzt sich der Abwärtstrend fort, starten 2030 laut Bertelsmann-Stiftung 16,7 Prozent weniger Frauen und Männer als heute eine duale Ausbildung. Das Studium bricht dagegen nur um 2,2 Prozent ein.

Was ZFA wollen

Im Gegensatz dazu melden die Zahnärztekammern zum Herbst 12.476 neu abgeschlossene ZFA-Ausbildungsverträge – 3,96 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach wie vor rangiert die ZFA unter den Top Ten der beliebtesten Lehrberufe junger Frauen – aktuell belegt sie Platz 5.

Fragt man Prof. Dietmar Oesterreich, täuschen diese positiven Zahlen allerdings nicht darüber hinweg, dass auch die Zahnärzte vor der Herausforderung stehen, sich verstärkt um qualifizierten Nachwuchs zu bemühen. „Generell wird es immer schwieriger, qualifizierte Auszubildende für den ZFA-Beruf zu gewinnen. Eine wichtige Aufgabe des Berufsstands wird sein, Praxispersonal möglichst frühzeitig zu suchen, zu finden und zu binden“, betont der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer – nicht ohne in diesem Zusammenhang auf die guten hiesigen Rahmenbedingungen für gelernte ZFA hinzuweisen.

Denn im Unterschied zu anderen Ländern hat die Berufsbildung in Deutschland einen sehr guten Ruf und ist „als wichtigster Ausbildungsweg fest in der Gesellschaft verankert“, wie die Autoren des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in ihrer Studie zur Ausbildungssituation in Europa schreiben. Für sie ist unsere duale Ausbildung ein Erfolgsmodell – insbesondere weil die Unternehmer selbst an der Ausbildung mitwirken und Jugendliche dadurch optimal auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbereitet werden. Mit anderen Worten: direkter Jobeinstieg statt Ausfahrt Arbeitslosigkeit.

Was aber schätzen Frauen – und einige versprengte Männer – an dem Beruf der ZFA? Wer in der Praxis sein Team aufbauen und stärken will, kommt um diese Gretchenfrage nicht herum. Vor allem die Konditionen und Perspektiven sind ausschlaggebend, meint D.M.D./Univ. of Florida Henner Bunke, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen und bei der BZÄK zuständig für zahnärztliche Mitarbeiterinnen.

„Pluspunkte sind vor allem die ortsnahe Ausbildung, ein krisenfester Arbeitsplatz (von Arbeitslosigkeit sind ZFA nämlich vergleichsweise selten betroffen) und hervorragende Qualifizierungsmöglichkeiten, an deren Ende sogar die Hochschulzugangsberechtigung stehen kann.“ Ein großes Pro darüber hinaus: die Vielfalt, wie Dr. Thomas Einfeldt, Vizepräsident der Zahnärztekammer Hamburg, ergänzt. Dadurch dass die Ausbildung alle Inhalte des Berufs abdeckt, können die ausgelernten ZFA später universell in der Praxis eingesetzt werden: von der Assistenz am Stuhl bis hin zur Abrechnung als Teil der Verwaltung.



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