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16.12.07 / 00:10
Heft 24/2007 Politik
FDI-Kongress in Dubai

Ein starker deutscher Auftritt

Gute Erfolge konnte die deutsche Delegation bei den Geschäftssitzungen anlässlich des FDI-Kongresses in Dubai für sich verbuchen. Alle gesteckten politischen Ziele wurden erreicht, damit hat der deutsche Einfluss in dem Weltgremium weiter zugenommen.




Ein gigantisches Pensum: Beim diesjährigen Kongress des Weltzahnärzteverbandes FDI, der vom 24. bis 27. Oktober in Dubai stattfand, gab es mehr als 60 Geschäftssitzungen. Eine ganze Woche lang wurden die Politik und die fachlichen Aussagen der FDI vorbereitet und abgestimmt.

Intensiv diskutiert wurden 14 fachliche Stellungnahmen von unterschiedlicher Qualität und Bedeutung. Diese werden von den fünf Komitees der FDI, teilweise nach jahrelanger Diskussion, erarbeitet und den Delegierten der Generalversammlung vorab zur Ergänzung und Stellungnahme vorgelegt. Die nach den Kommentaren der Mitgliedsverbände überarbeiteten Papiere werden dann nochmals in einem „Offenen Forum“ während des Kongresses zur Diskussion gestellt, erneut überarbeitet und dann schließlich in der Generalversammlung B, die zum Ende des Kongresses stattfindet, abgestimmt: Insgesamt ein langwieriger und schwerfälliger, aber wohl auch notwendiger Prozess, um einen Konsens zu erreichen, da die Stellungnahmen dann weltweit gelten sollen.

Kritik wurde von deutscher Seite an der wissenschaftlichen Qualität einiger fachlicher Stellungnahmen und deren zweifelhafter Relevanz für die Zahnmedizin geäußert, eine Priorisierung der Themenwahl sowie eine klare Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen und standespolitischen Themen wurde eingefordert.

Drei Statements waren aus deutscher Sicht besonders interessant und wichtig:

• Aus einer „Leitlinie für den Umgang mit Quecksilber“ wurden überregulierende Passagen gestrichen, nämlich dass „die Zahnarztpraxis in regelmäßigen Abständen auf Quecksilberdampf zu überprüfen“ sei. Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, Vizepräsident der BZÄK, unterstrich hier in deutlichen Worten die Kritik der deutschen Delegation zu dieser unsinnigen Forderung.

• Die Verwendung von Amalgam als plastischem Füllungsmaterial wurde als eine von verschiedenen Möglichkeiten bestätigt.

• Eine Stellungnahme zu Zahntechnikern spricht sich gegen jegliche eigenständige Behandlung von Patienten durch Zahntechniker aus. Diese Aussage sollte auf Intervention einiger Delegierter jedoch verwässert werden, was auf den vehementen Widerspruch vieler Delegierter, auch der deutschen, stieß.

Finanzdiskussion

Ein wichtiger Diskussionspunkt waren wieder die Finanzen der FDI: Die USA, Japan und Deutschland sind die größten Beitragszahler in der FDI, die über 50 Prozent der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Eine Beitragsformel zur Kalkulation der Beiträge pro Mitgliedsverband sieht vor, dass neben der Zahl der Zahnärzte in dem Mitgliedsverband auch das Bruttoinlandseinkommen des jeweiligen Landes herangezogen wird. Dies führt zum Beispiel dazu, dass Brasilien, obwohl es weltweit die höchsten Zahnarztzahlen zur FDI meldet, bei den Beiträgen zur FDI recht niedrig liegt. Die drei Verbände aus den USA, Japan und Deutschland kritisierten das Missverhältnis und forderten die FDI auf, über neue Finanzierungsverfahren nachzudenken.

In einer eigenen Sitzung mit Delegierten aus USA, Japan, Deutschland und der FDI Exekutive forderte Dr. Peter Engel, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein und FDI-Ratsmitglied, nachdrücklich, die Beitragsberechnung vom Bruttoinlandsprodukt abzulösen, da in vielen Ländern die Entwicklung der Einkommen der Zahnärzte und erst recht nicht die Beiträge des einzelnen Zahnarztes zu seinem Nationalverband an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt sind.

Die hohen Beitragszahlungen von über 50 Prozent aller Beiträge aus den USA, Japan und Deutschland entsprechen jedoch nicht der politischen Repräsentanz dieser drei Länder in der FDI: alle drei Verbände zusammen repräsentieren nur etwas mehr als 20 Prozent aller Zahnärzte in der FDI. In der Generalversammlung stellen Deutschland, Japan und die USA 24 Delegierte von potenziell rund 240 Delegierten, vorausgesetzt alle Mitgliedsländer würden Delegierte entsenden. Die heftige Kritik der drei großen Beitragsländer führte dazu, dass zunächst die Beiträge für 2008 gesenkt wurden und für die Jahre ab 2009 eine neue Beitragsformel ausgearbeitet werden soll.

Um die Finanzen der FDI gründlich zu diskutieren, wurde in diesem Jahr wiederum ein „Referenzkomitee“ von der Generalversammlung eingesetzt. Das Referenzkomitee soll die Arbeit der Generalversammlung erleichtern und agiert als Verbindungsglied zwischen den Delegierten und dem Rat. Solche Referenzkomitees sind in den Verbandsstrukturen der USA gut etabliert, sind jedoch zum Beispiel in Mitteleuropa nicht üblich. Die Bremer Kammerpräsidentin und BZÄK-Delegierte Dr. Brita Petersen wurde zur Vorsitzenden eines vierköpfigen Referenzkomitees bestimmt und übernahm diese schwierige Aufgabe mit viel Kompetenz und Engagement. In der Generalversammlung B trug sie zielorientierte Empfehlungen zur Verbesserung bestimmter Arbeitsbereiche und Strukturen der FDI vor, die vom Rat weiter erörtert und gegebenenfalls umgesetzt werden, unter anderem auch zu einem geplanten Umzug der FDIGeschäftsstelle von Ferney Voltaire (Frankreich) in die Schweiz.

Wahlen

Bei den Wahlen in die Gremien der FDI wurde Dr. Roberto Vianna (Brasilien) mit großer Mehrheit gegenüber seinem Mitbewerber Dr. Brent Stanley (Neuseeland) zum President Elect gewählt. Dr. T. C. Wong (Hongkong) konnte sich ebenfalls mit großer Mehrheit gegenüber Dr. David Thomson (Australien) durchsetzen. Zu Ratsmitgliedern wurden gewählt: Dr. Patrick Hescot (Frankreich), Dr. Jirí Pekarek (Tschechien), Dr. Arif Alva (Pakistan) und Dr. N. Lakshmanan (Malaysia).

Die von der deutschen Seite gewünschten Funktionsstellen wurden alle realisiert. So konnte sich der Vorsitzende der KZV Nordrhein und KZBV-Delegierte zur FDI, ZA Ralf Wagner, in das freie Amt als Mitglied des Komitees für zahnärztliche Berufsausübung in der Generalversammlung bei fünf Gegenkandidaten erfolgreich durchsetzen.

Prof. Dr. Rainer Biffar, Universität Greifswald, übernahm das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Wissenschaftskomitees, Prof. Peter Reichart, Universität Berlin, wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees für Ausbildung bestimmt.

Positive Bilanz

Die FDI-Präsidentin, Dr. Michèle Aerden (Belgien) zog eine positive Bilanz ihrer zweijährigen Präsidentschaft. Die von ihr gewählten Schwerpunkte – Exzellenz, Ethik und Zahnmedizin als Teil der Medizin – konnten erfolgreich umgesetzt werden. Insbesondere gelang es ihr, zum ersten Mal seit 26 Jahren wieder das Thema Mundgesundheit als gleichwertiges medizinisches Thema in die Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation zu bringen. Die WHO hatte im Sommer einen Aktionsplan für Mundgesundheit angenommen, der sich klar dafür ausspricht, Munderkrankungen nicht länger als Krankheit minderer Relevanz zu betrachten, Mundgesundheit weltweit zu verbessern und Mundgesundheit als integrierten Teil der Allgemeingesundheit zu verstehen. Michèle Aerden als ausscheidende Präsidentin erhielt viel Applaus für ihre Aktivitäten.

Der neue Präsident, Dr. Burton Conrod (Kanada), bewies bereits in seinen einführenden Worten großes Einfühlungsvermögen in die Belange der FDI. Kritische Punkte aus den Diskussionen der vorangegangenen Geschäftssitzungen nahm er auf, um künftige Veränderungen in die Gremienarbeit einzuführen. Er sagte eine Überprüfung der Geschäftsprozesse und eine Stabilisierung der finanziellen Mittel zu. Er will die Projekte, die von den Komitees bearbeitet werden, beschleunigen, die Stellungnahmen verbessern. Diese sollen relevant für die Mehrheit der Mitglieder sein und auf gesicherter wissenschaftlicher Basis erfolgen, damit die Stellungnahmen der FDI insgesamt besser genutzt werden. Die Kritik der deutschen Delegation in Dubai wurde damit konstruktiv aufgenommen.

Gesteckte Ziele erreicht

Alles in allem hat die deutsche Delegation alle geplanten Ziele erreicht:

• die Verabschiedung von FDI Stellungnahmen, die den deutschen Interessen nicht zuwider laufen,

• die Einbindung deutscher Hochschullehrer und Delegierter in den gewünschten Funktionen,

• ein Anstoß, die Finanzierung der FDI auf eine neue Basis zu stellen.

Beliebter Empfang

Große Anerkennung erhielt die Bundeszahnärztekammer für ihren beeindruckenden Deutschen Empfang in einem der führenden Hotels Dubais direkt am Meer in arabischem Ambiente, zu dem deutsche und internationale Gäste eingeladen waren. Dieser beliebte Empfang, der in diesem Jahr durch die großzügige Unterstützung von Sirona Dental Systems GmbH und Friadent GmbH wieder möglich wurde, hat gegenüber den Empfängen anderer großer Mitgliedsverbände, wie den USA, Japan, Frankreich oder Kanada, die Besonderheit, dass alle rund 160 Teilnehmer aus Deutschland, die nach Dubai gereist waren, eingeladen wurden. Anwesend war auch der deutsche Generalkonsul in Dubai, Johann-Adolf Cohausz. Delegierte aus allen europäischen Ländern und den großen Mitgliedsverbänden USA, Kanada, Japan, viele Freunde und Kollegen aus der ganzen Welt, alle Ratsmitglieder, also die wichtigen Funktionsträger der FDI, waren ebenfalls gekommen. In ansprechender Atmosphäre bot sich die Gelegenheit, informelle Gespräche zu fachlichen und berufspolitischen Themen zu führen, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu bestätigen.

Barbara Bergmann-Krauss
Universitätsstr. 73
50931 Köln

INFO

FDI

Die FDI, World Dental Federation, zählt zu den ältesten Berufsverbänden der Welt. Mit Mitgliedsverbänden aus 125 Ländern vertritt sie fast eine Million Zahnärzte weltweit. Im Parlament der FDI, der Generalversammlung, waren in diesem Jahr die höchste Zahl an Delegierten, nämlich 188 ordentliche und zusätzlich 95 stellvertretende Delegierte, aus 88 Ländern vertreten.



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