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16.04.14 / 00:04
Heft 08/2014 Hilfsaktionen
Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte

Eine Zahnstation für Mutare

In Deutschland können HIV-Infizierte medikamentös behandelt werden und so ein hohes Lebensalter erreichen. In Simbabwe ist das anders. Dort rafft das Virus die Menschen dahin. Die Kinder bleiben zurück, ihre Gesundheitsversorgung fällt aus. Eine neue, vom HDZ finanzierte Zahnstation soll Hilfe leisten.



HDZ-Vorsteher, Dr. Klaus Winter bei der offiziellen Einweihung der Zahnstation in Simbabwe. Das Schild am Eingang trägt auch eine Widmung für die sächsische Zahnärztekammer. Foto: K. Winter

Simbabwe gehört zu den von der HIV-/AIDS-Epidemie am stärksten betroffenen Ländern der Welt. 25 Prozent der Erwachsenen sind nach offiziellen Angaben von dem Virus befallen. Die durchschnittliche Lebenserwartung sank wieder so extrem, dass sie den niedrigsten Wert weltweit erreicht (Männer 37, Frauen 34).

In den großen Städten funktionieren nur noch die privaten Kliniken, die jedoch nur für die reichen Einwohner da sind. Streiks in den Schulen wie im Gesundheitswesen sind wegen schlechter Bezahlung an der Tagesordnung. In den meisten Schulen sind über die Hälfte der Lehrer weg. Nur noch wenige Lehrer können den Schülern ein Basiswissen vermitteln. Hungersnöte und die AIDS-Pandemie führten in den ländlichen Gebieten in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Rückgang des Schulbesuchs. Die schwere wirtschaftliche Krise hat allgemein einen Anstieg der Kinderarbeit zulasten des Schulbesuchs zur Folge.

Trotz der Bemühungen des Ministeriums für Gesundheit und Wohlfahrt für Kinder, auch auf die wachsenden zahnmedizinischen Probleme zu reagieren, ist der Anstieg von Zahnerkrankungen in der Altersgruppe immens. Ein kohärentes und glaubwürdiges Prophylaxe-Programm wäre der einzige Weg, um eine nachhaltige Verbesserung der Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen in diesem Land anzugehen.

Derzeit befindet sich in der Manicaland-Provinz, eine der zehn Provinzen in Simbabwe, eine einzige öffentliche zahnärztliche Einheit für 450 000 Menschen. Sie wird in Mutare, das etwa vier Stunden Autofahrt von Harare entfernt an der Grenze zu Mosambik liegt, im Provincial Hospital betrieben und befindet sich für die meisten Menschen für eine zahnärztliche Behandlung „außerhalb ihrer Reichweite“. Diese Zahnstation führt durchschnittlich 60 Extraktionen und nur 30 Füllungen pro Woche bei durchschnittlich 2 400 zahnärztlichen Konsultationen pro Monat durch. Aufgrund dieser extremen zahnärztlichen Unterversorgung wurde im Frühjahr 2009 der Neubau einer Zahnstation auf dem Gelände des St. Joseph Hospitals in Mutare mithilfe von HDZ-Spenden beschlossen. Seitdem wurden in Zusammenarbeit mit ansässigen Dominikanerinnen und dem Medical Director des St Joseph Hospitals, Dr. Talent Maphosa, Baupläne, Kostenvoranschläge, Genehmigungsverfahren gesichtet, korrigiert, geprüft und schließlich freigegeben. Fast 100 000 Euro mussten bereitgestellt werden, um den Bau samt zahnmedizinischer Einrichtung fertigzustellen. Während die Behandlungseinheit vor Ort gekauft wurde, wurde das zahnärztliche Instrumentarium überwiegend aus den Beständen des HDZ zollfrei von Deutschland aus angeliefert. Am 11. Dezember 2013 fand die offizielle Einweihung im Beisein des Vertreters des Gesundheitsministeriums, Dr. Siyamuchemwa, statt. Dort konnte die Zahnstation vom Vorsteher des HDZ dem Klinikdirektorium übergeben werden.

Die Zahnstation ist nun mit einem ortsansässigen Kollegen ständig besetzt. Neben den hier ambulant betreuten AIDS- und Tbc-infizierten Patienten werden auch die Bewohner der Region zahnärztlich versorgt.

Große Spendengeste

Betont werden soll noch, dass die Landeszahnärztekammer Sachsen (LZKS) seit Spätherbst 2012 mit einem gezielten Spendenaufruf das HDZ-Projekt „Zahnstation in Mutare“ unterstützt hat. Durch seinen beispielhaften, persönlichen Einsatz hat der Vizepräsident der LZKS, Dr. Thomas Breyer, viele standespolitische Mitstreiter sowie die niedergelassene Kollegenschaft Sachsens für eine projektbezogene Spende gewinnen können. Trotz der erneuten Hochwasserkatastrophe im Sommer 2013 mit immensen Schäden im eigenen Land konnten dem HDZ fast 40 000 Euro aus diesem Spendenaufruf gutgeschrieben werden.

Dr. Klaus Winter
Vorsteher der Stiftung HDZ
Postfach 1351
37423 Bad Lauterberg
www.stifzung-hdz.de



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