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01.10.13 / 00:07
Heft 19/2013 Hilfsaktionen
Zur Famulatur nach Mexiko

Endlich mal einen Zahn ziehen



Herausfordernder Einsatz in einem Indianerdorf: Die Studentinnen arbeiten unter permanenter Anleitung und extrahieren an einem Tag mehr Zähne als im ganzen Studium. Foto: J. KauffmannRems

Im Rahmen von Einsätzen in der abgelegenen Sierra Mexikos können Zahnmedizinstudenten ab dem achten Semester unter Anleitung selbst Extraktionen vornehmen.

In Gesprächen mit Zahnmedizinstudenten auf Tagungen des bundesweit agierenden Netzwerks SMD und bei den Fachtagungen der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Akademiker SMD (www.zmk.org) vor etwa zehn Jahren bemängelten diese, dass es an den Universitäten wenig Möglichkeiten gebe, praktische Erfahrungen im Bereich der Chirurgie zu sammeln. Viele hätten während des Studiums kaum einen Zahn gezogen. Dies inspirierte uns – einen erfahrenen Tropenmediziner und mich –, darüber nach- zudenken, Studenten an den medizinisch-zahnmedizinischen Einsätzen in Mexiko, die wir seit 1974 in eigener Regie unter den Totonac-Indianern in Mexiko durchführen, zu beteiligen.

In der Zwischenzeit wurden fünf Einsätze dieser Art durchgeführt. In einer Gruppe von neun oder zehn Personen, jeweils zur Hälfte Mediziner und Zahnmediziner, reisen die Teams für drei Wochen nach Mexiko und arbeiten auf einer von Deutschen aufgebauten Station, die weitab in der Sierra liegt. Nach einer intensiven Einführung in Kultur und Lebensweise nimmt sich die Mannschaft der kranken Ureinwohner an, die bereits von einem einheimischen Mitarbeiterteam informiert wurden, die Krankenstation oft schon vor Morgengrauen erreicht hatten und dort geduldig warteten.

Intensive Betreuung der Studenten

Folgendes Konzept konnten wir mit unserer bisherigen Arbeit umsetzen: intensive, persönliche Betreuung der Studenten während der gesamten Zeit durch erfahrene Kollegen, angemessene (konservierende und chirurgische) zahnmedizinische Behandlung mit Hygienestandard nach deutschen Maßstäben, interdisziplinärer Austausch mit den Medizinern, partnerschaftliche Zusammenarbeit in einem Team mit Mexikanern und Indianern auf Augenhöhe, Langzeitperspektive der zahn medizinischen Hilfe durch einheimische Kollegen sowie durch ein Präventionsprogramm.

Die Nachhaltigkeit der ärztlichen Arbeit ist durch einen mexikanischen Arzt und seine Mitarbeiterinnen gewährleistet.

Kurz gesagt: Jeder, der sich während des Einsatzes durch seine Mitarbeit einbrachte, bekam mehr zurück, als er je zu geben imstande war. Die Teilnehmer erfuhren das beglückende Erlebnis einer Win-win-Situation.

Da wir neben dem medizinischen und zahnmedizinischen Aspekt auch die Ganzheitlichkeit unserer Arbeit im Blick hatten, war es ein Anliegen, den Indianern zusammen mit dem einheimischen Team Wege zu zeigen, die sie aus den bindenden Angstvorstellungen des animistischen Weltbildes herausführen. Die vorbildlich gelebte christliche Nächstenliebe aller Mitarbeiter und die offene Tür für alle Bewohner dieser abgelegenen Region sind sicher Gründe, warum diese Station solch einen positiven Ruf hat und für diese Menschen einen Ort der Hoffnung und der Zuflucht darstellt.

Dr. Joachim Kauffmann
Kirchstr. 24 / 1
71394 Kernen im Remstal

Info

Die Initiative

Die Einsätze werden koordiniert von Dr. med. Karl-Heinz Schmalenbach und Dr. Joachim Kauffmann, die im Auftrag von „Freunde Mexikanischer Indianer-Bibelzentren e.V.“ und der SMD, ZMK-Fachgruppe der Akademiker-SMD, tätig sind.

www.zmk.smd.org
www.fmib.de



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