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16.11.15 / 00:02
Heft 22/2015 Zahnmedizin
Gelockerte Empfehlungen in Großbritannien

Endokarditisprophylaxe: Folgen für Deutschland

2008 wurden in Großbritannien die Empfehlungen zur Prophylaxe entschärft. Nun hat man dort eine Zunahme möglicher endokarditischer Fälle beobachtet. Ein Grund für die deutsche Zahnmedizin darüber nachzudenken, die hier bestehenden Empfehlungen zu verändern?



Eine Endokarditis, hier im Echogramm, soll bei Hochrisikopatienten durch eine kurzzeitige Antibiose unbedingt verhindert werden. Für Deutschland gibt es deutliche Empfehlungen. Prof. Carsten Tschöpe

Die Frage nach einer Endokarditisprophylaxe ist ein fachübergreifendes Problem, das immer wieder für Verunsicherung sorgt. Grundsätzlich gilt abzuwägen, Rezidive zu verhindern und Antibiotikaresistenzen nicht aufkommen zu lassen. Im März 2008 wurde in England von der Gesundheitsbehörde NICE entschieden, die Empfehlungen zur Endokarditisprophylaxe zu lockern, da Antibiotikaresistenzen deutlich zugenommen hatten.

Sie wurde für Risikopatienten, die invasive Zahnbehandlungen erhalten sollten, und für Patienten, bei denen Untersuchungen im Urogenital- oder im Gastrointestinaltrakt vorgesehen sind, nicht mehr empfohlen. Die Konsequenzen dieser Lockerung sind nun untersucht worden und zeigen zwischen 2008 und 2013 eine bedeutsame Zunahme endokarditischer Fälle [Lancet 2015; 385: 1219–28]. Dieser Effekt war sowohl bei Hochrisiko- als auch bei Niedrigrisikopatienten nachweisbar, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Mortalität.



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