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01.03.13 / 12:50
Heft 05/2013 Gesellschaft
Hepatitis C

Erfolgloser Kampf

2010 verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Resolution gegen Hepatitis C. Sie sollte eine schnelle und wirksame Bekämpfung der oftmals tödlichen Krankheit fördern. Passiert ist seitdem nicht viel, zeigt eine aktuelle Studie. Noch immer gibt es weltweit drei bis vier Millionen Neuinfektionen pro Jahr.



Eine effektivere Patientenversorgung halten Hepatitis-Experten für dringend notwendig. Foto: picture alliance

Circa 150 Millionen Menschen leben derzeit mit Hepatitis C, schätzt die WHO. 20 Prozent von ihnen bekommen eine Leberzirrhose. Die Krankheit ist weltweit Ursache Nummer eins für Lebertransplantationen. In den USA fordert die chronische Form der Krankheit heute mehr Tote als HIV/Aids.

Mit Verabschiedung einer Resolution im Jahr 2010 und der anschließenden Entwicklung des „Global Hepatitis Programme“ wollte die WHO der Krankheit den Kampf ansagen. Ansteckungen reduzieren, Sterblichkeit verringern, Patientenversorgung verbessern, sozioökonomische Auswirkungen verringern, lauteten die Ziele.

Strategien entwickeln

Passiert ist bisher allerdings wenig. Vielmehr gilt es für Länder auf der ganzen Welt, endlich wirksame Strategien zur direkten Bekämpfung der wachsenden sozialen und ökonomischen Probleme im Zusammenhang mit Hepatitis C zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „The Silent Pandemic: Tackling Hepatitis C with Policy Innovation“ des Londoner Forschungsinstituts Economist Intelligence Unit (EIU). Dafür wurden Hepatitis-Experten auf der ganzen Welt befragt.

„Der Bericht hebt hervor, dass die Regierungen trotz der erheblichen Belastung durch Hepatitis C weltweit Umfang und Auswirkungen der Krankheit nicht in den Griff bekommen haben,“ sagt Charles Gore, Präsident der World Hepatitis Alliance. Sowohl in Industrieländern als auch in Entwicklungsländern würden die tatsächlichen humanen und ökonomischen Kosten von Hepatitis C weiterhin steigen, „wenn die politischen Entscheidungsträger jetzt nicht beginnen, sich mit diesem dringenden Problem der öffentlichen Gesundheit auseinanderzusetzen.“

Nur zehn Prozent der Patienten werden laut der Studie wirklich behandelt. Je nach Land ist die medizinische Versorgung sehr unterschiedlich. Dabei lässt sich die Krankheit heute vermeiden und die Mehrzahl der Erkrankten mit modernen Behandlungen heilen. Der Bericht fordert von der Ländern einen „übergreifenden Lösungsansatz“, der die örtlichen Bedürfnisse und verfügbaren Ressourcen einbezieht.

Stigma abbauen

Dieser Ansatz zielt auf eine effektive Krankheitsüberwachung, die ein genaues Bild des Virus liefern und zielgerichtete Strategien gewährleisten soll. Weder Industrie- noch Entwicklungsländer haben bislang ausreichende epidemiologische Studien durchgeführt, die für eine gute Strategieent- wicklung nötig sind. Allein 16 der 27 EU-Staaten haben laut EIU keine oder schlechte Daten. Ein tieferes Bewusstsein ist aber angezeigt, um das mit der Krankheit verbundene Stigma abzubauen. Die befragten Experten sind überzeugt, dass Präventionsmaßnahmen notwendig sind, um ein risikoreiches Verhalten bereits infizierter Hepatitis-Patienten einzudämmen und sie über eine gesunde Lebensweise aufzuklären. Zudem müsse eine Übertragung im Rahmen der medizinischen Versorgung verhindert werden, die den Hauptübertragungsweg in Entwicklungsländern darstellt. Insgesamt müssten innovative Wege gefunden werden, um Patienten zu erreichen. Nur so könnten diejenigen, die eine Behandlung benötigen, diese erhalten, bevor irreversible Schäden entstehen.

Info

Hepatitis C

• Hepatitis C ist eine Leberkrankheit, die vom gleichnamigen Virus ausgelöst wird.

• Die Krankheit kann einen milden, nur wenige Wochen langen Verlauf nehmen oder ein Leben lang anhalten und zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.

• Das Virus wird durch Kontakt mit dem Blut einer infizierten Person übertragen.

• Hepatitis C ist durch antivirale Mittel heilbar, einen Impfstoff gibt es nicht.

• 150 Millionen Menschen weltweit haben eine chronische Hepatitis C, 350 000 sterben jedes Jahr.

• 75 bis 85 Prozent der Neuinfizierten haben einen chronischen Verlauf, 60 bis 70 Prozent entwickeln eine chronische Leberkrankheit.



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