sp
01.02.17 / 00:01
Heft 03/2017 Zahnmedizin
S1-Handlungsempfehlung „Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich“

Erfolgreich einsetzbar – klinisch bewährt

Die Leitlinie geht der Fragestellung nach, in welchen klinischen Situationen direkte Kompositrestaurationen für die kaulasttragende Seitenzahnversorgung Anwendung finden können und wie deren Haltbarkeit einzuschätzen ist. Dieser Beitrag liefert die Essenz der Empfehlungen.




Zum Hintergrund: Zahnfarbene Kompositrestaurationen werden seit mehr als zwei Jahrzehnten in umfangreichem Maß auch im kaulasttragenden Seitenzahnbereich erfolgreich eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Neu- und Weiterentwicklung der Werkstoffe hat sich der Indikationsbereich für Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich stetig erweitert. Während indirekte Restaurationen (Inlays, Teilkronen, Kronen) hauptsächlich bei ausgedehnteren beziehungsweise schwer zugänglichen Defekten empfohlen werden, zeigen direkte Restaurationen vor allem bei kleinen und bei mittleren Läsionen sowie bei minimalinvasiven Therapieansätzen Vorteile. Dabei können an einem Zahn auch mehrere Kompositrestaurationen zur Anwendung kommen, um beispielsweise eine höher invasive, indirekte Restauration zu vermeiden.

Direkte Restaurationen aus Kompositen werden unter anderem aufgrund des weiten Anwendungsspektrums, der Zahnhartsubstanzschonung, der Reparaturfähigkeit, der hohen Lebensdauer sowie dem zeit- und kostengünstigeren Verfahren gegenüber indirekten Restaurationen bevorzugt. Minimalinvasive Vorgehensweisen und erweiterte Indikationen für Komposite als „Restaurationsmaterial erster Wahl“ im Seitenzahnbereich werden auch auf europäischer Ebene von der Academy of Operative Dentistry European Section (AODES) empfohlen.

Kompositmaterialgruppen

Ziele der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Kompositmaterialien zur Anwendung im kaulasttragenden Seitenzahngebiet sind eine Reduktion von Polymerisationsschrumpfung und  Polymerisationsschrumpfungsstress, eine Erhöhung der Biegefestigkeit, die Verbesserung der  Abrasionsresistenz sowie eine Reduktion von Zeitaufwand und Techniksensibilität in Hinblick auf die inkrementelle Schichttechnik bei der Applikation. Dies wird erreicht durch Modifikationen im Bereich der Monomerzusammensetzung (Kompositmatrix), der Initiatorsysteme sowie der Füllkörper. Die Kompositmaterialien können nach folgenden unterschiedlichen Kriterien unterteilt werden:

• Matrixzusammensetzung (Monomeren)
• Füllkörper
• Viskosität
• Transluzenz/Opazität
• Aushärtungsmodus/Initiatoren
• Durchhärtungstiefe

Biokompatibilität

Eine ungenügende Monomer-Polymer-Konversion bedingt eine Freisetzung von Monomeren aus der Kompositmatrix. Diese können auf Gewebe wirken. Tierexperimentelle Studien zeigen jedoch, dass die systemische Toxizität von Monomeren als äußerst gering einzuschätzen ist. Allerdings wurden allergische Reaktionen gegen dentale Komposite und Monomere vor allem beim zahnärztlichen Personal beobachtet, in Einzelfällen auch bei Patienten.

Als lokale Wirkung kann nicht polymerisiertes Adhäsiv – pulpanah oder als Überkappungsmaterial aufgetragen – in vivo Entzündungen von Pulpagewebe oder toxische Reaktionen bis hin zu Nekrosen verursachen. Die Bildung von Tertiärdentin ist gestört. Jedoch wurden in Anwesenheit von Dentin nur in wenigen Fällen leichte Entzündungsreaktionen beobachtet.

Eine Randspaltbildung zwischen Zahn und Restauration begünstigt die Entwicklung eines pathogenen mikrobiellen Biofilms als eine häufige Ursache für Sekundärkaries am Füllungsrand.



Mehr zum Thema


Anzeige
Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können