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16.09.11 / 00:06
Heft 18/2011 Zahnmedizin
Zahnerhaltung

Erhöhtes Kariesrisiko bei Asthmatikern

Eine klinische Studie deutet darauf hin, dass bei Patienten mit schwerem chronischem Asthma ein erhöhtes Kariesrisiko besteht.




Die Kariesanfälligkeit eines Individuums wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren beeinflusst. Veränderungen in der Mundhöhle, die im Zusammenhang mit einer asthmatischen Grunderkrankung oder mit der damit verbundenen Inhalation von Steroidpräparaten auftreten, stehen im Verdacht, die Kariesentstehung zu begünstigen. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Asthmatiker in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen hat, erscheint es wichtig, die Auswirkung dieser Erkrankung auf die orale Gesundheit zu untersuchen. Forscher der schwedischen Universität Jönköping verglichen die Kariesprävalenz sowie das Vorhandensein verschiedener kariesbegünstigender Faktoren zwischen Asthmatikern und gesunden Patienten.

Für die vorliegende Fall-Kontroll-Studie wurden je 20 Asthmatiker (Fallgruppe) und gesunde Probanden (Kontrollgruppe) im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren aus der Stadt Jönköping (Schweden) ausgewählt. Das Haupteinschlusskriterium für die Probanden der Fallgruppe war schweres Asthma mit medikamentöser Therapie über einen Zeitraum von mindestens vier Jahren. Die Kontrollgruppe bildeten gesunde Studienteilnehmer gleichen Alters und Geschlechts wie die Asthmatiker. Die Teilnehmer wurden klinisch und radiologisch auf vorhandene Kariesläsionen untersucht. Plaque- und Gingivaindizes wurden erhoben und verschiedene Speichelparameter bestimmt. Zudem wurde der Abfall des Plaque-pH-Werts nach Spülung mit Zuckerlösung ermittelt. Ernährungs- und Putzgewohnheiten wurden mit einem Fragebogen evaluiert. Die Bestimmung des Kariesrisikos erfolgte mithilfe einer PC-Software (Cariogram).

Insgesamt wiesen die Asthmatiker eine signifikant höhere Kariesprävalenz (DFS: 4,9 ± 5,5) auf als die gesunden Probanden (DFS: 1,4 ± 2,3). Während bei den Asthmatikern ein Proband keine Karies hatte, waren 13 Teilnehmer der Kontrollgruppe kariesfrei. Auch Gingivitis trat bei den Asthmatikern häufiger auf (GBI: 5,5 ± 5,4 Prozent) als bei den gesunden Probanden (GBI 0,7 ± 1,6 Prozent), obwohl in Bezug auf die Plaquemenge kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen feststellbar war. Nach Spülung mit einer Zuckerlösung kam es bei den Asthmatikern zu einem höheren Abfall des pH-Werts als bei den gesunden Probanden. Zudem konnte festgestellt werden, dass die stimulierte Speichelflussrate bei den Asthmatikern signifikant niedriger war (1,6 ± 0,7 Milliliter) als bei den gesunden Probanden (2,4 ± 1,0 Milliliter). Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass sich die Putzgewohnheiten zwischen Asthmatikern und Gesunden nicht unterschieden. Jedoch fanden sich in der Gruppe der Asthmatiker häufiger Mundatmer. Die Auswertung der erhobenen Daten mittels Cariogram ergab ein signifikant höheres Kariesrisiko für die Asthmatiker im Vergleich zu den gesunden Probanden. Inwieweit die gefundenen Ergebnisse durch die asthmatische Grunderkrankung oder die medikamentöse Therapie bedingt sind, konnte im Rahmen der Studie nicht geklärt werden.

Quelle: Stensson M, Wendt LK, Koch G, Oldaeus G, Lingström P. Caries prevalence, caries-related factors and plaque ph in adolescents with long-term asthma. Caries Res 2010;44(6):540-546.



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