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16.02.03 / 00:10
Heft 04/2003 Zahnmedizin
11. Kongress für Präventive Zahnheilkunde

Erosionen – Abrasionen – Putzdefekte: Umdenken ist gefragt

Seit elf Jahren treffen sich Zahnmediziner und ihr Praxispersonal auf die Initiative der deutschen Blend-a-med-Forschung hin zu einen zweitägigen Kongress, um neueste Innovationen kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und das soeben Erlernte gemeinsam im Team in den Praxisalltag zu integrieren.




Auch in diesem Jahr wurde die Tagung – dieses Mal in Würzburg – durch das Fortbildungszentrum Stuttgart unter der Leitung von Professor Dr. Johannes Einwag mit Unterstützung der Universität Göttingen durchgeführt. Die Prophylaxebemühungen der letzten drei Jahrzehnte sind bundesweit sehr erfolgreich, so zumindest beweisen es epidemiologische Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen. Zwar gibt es immer noch eine gewisse Risikogruppe, die meistens sozial bedingt, viele Kariesläsionen vereinigt. Dieser Gruppe von Kindern sollte eine vermehrte Aufmerksamkeit und eine verstärkte Kontrolle und Therapie zuteil werden. Ein Screening bezüglich des Kariesrisikos würde hier sicherlich Abhilfe schaffen können.

Außerdem beobachten Zahnärzte in den letzten Jahren vermehrt Schmelzdefekte, die nicht kariöser Ursache sind. Dieser Erscheinung waren die Vorträge gewidmet, die das Vermeiden von Putzdefekten, Abrasionen und Säureschäden an Zahnschmelz, Dentin und Weichgewebe thematisierten. Diese Erscheinungen hängen ganz offensichtlich mit den präventiven Strategien zusammen, wie Professor Dr. Johannes Einwag deutlich formulierte.

Gesundheitstick und Bürste

Professor Dr. Thomas Attin, Göttingen, wies auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Säureangriffen und mechanischer Belastung hin. Saure Speisen, wie Fruchtsäfte, Salatsaucen und gesunde Zwischenmahlzeiten aus Obst weichen den Zahnschmelz auf und dieser wird dann anschließend durch die Prophylaxebemühungen des Patienten einfach weggebürstet. Ein häufig übersteigertes Gesundheits- und Figurbewusstsein vieler Patienten verstärkt diese Erscheinungen. Das zahnärztliche Bemühen sollte daher vor allem darin liegen, so Professor Dr. Adrian Lussi, Bern, dem Patienten diese Vorgänge ins Bewusstsein zu rufen und den Zahnschmelz entsprechend mit Fluoriden zu stärken. Auch Stress kann Ursache eines Schmelzdefektes, sprich Abrasion, sein. PD Dr. Jens Türp, Freiburg, demonstrierte Probleme rund um den Bruxismus und erklärte Rezessionen auslösenden Kräfte. Bei der Überlegung einer Therapie von säuregeschädigten Zähnen sollte genau auf die Wahl des geeigneten Materials geachtet werden, wie Prof. Dr. Peter Prospiech, Homburg, erläuterte. Denn, so der Referent, auch Zahnersatzmaterialien können genau den schädlichen Faktoren unterliegen, wie es das natürliche Zahnmaterial vorher tat. Weiter standen Therapieformen und prophylaktische Maßnahmen der Zahnhartsubstanzdefekte auf dem Programm.

Kongress-Zitate

„Joghurt ist übersättigt mit Phosphat und Kalzium, daher ist er nicht gefährlich für die Zähne!“

Prof. Dr. Adrian Lussi, Bern

„Schwimmer, die regelmäßig im sauren Chlorwasser trainieren, zeigen verstärkt erosive Zahnschäden.“

„Orangensaft-Trinker sollen zu Produkten mit Kalziumzusatz greifen, hier ist die Erosivität geringer!“

„Saure Fluoride können Titanlegierungen, zum Beispiel von Implantaten, anlösen beziehungsweise korrodieren.“

„Patienten müssen in die Handhabung von elektrischen Zahnbürsten fachkompetent eingeführt werden. Bei unkontrollierter Handhabung kommt es verstärkt zu Putzriefen.“

„Bruxismus kann medikamenteninduziert sein: Kaffee, Nikotin, Alkohol, Amphetamine und L-Dopa in der Langzeittherapie kommen hier in Frage.“

PD Dr. Jens Türp Freiburg



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