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01.04.02 / 00:12
Heft 07/2002 Politik
Das ist auch was für Zahnmediziner

Es gibt neue Leitlinien umweltbezogener Körperbeschwerden

Leitlinien sind in der Zahnheilkunde noch nicht ganz so etabliert wie bei den humanmedizinischen Disziplinen. Geben sie dem behandelnden Arzt jedoch mehr Sicherheit in Diagnosefindung und Therapie. Die Deutsche Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (DGPM) hat nun eine neue Leitlinie entwickelt, die auch für den Zahnarzt gerade bei der Behandlung von so genannten „Problempatienten“ von großem Interesse sein sollte. Wir haben hier nur einige wenige Ausschnitte herausgestellt, die Leitlinie in vollem Wortlaut erhalten Sie im Leserservice über die zm-Redaktion.




Somatoforme Störungen kommen in der Primärversorgung von Patienten heute ausgesprochen häufig vor. Mindestens 20 Prozent aller Patienten, die einen Hausarzt aufsuchen, leiden an einer solchen somatoformen Störung, die sich in ganz unterschiedlichen Symptomen ausdrückt. Aber auch in stationären Abteilungen wird von einer Häufigkeit von zehn bis 40 Prozent berichtet, so das kürzlich veröffentlichte Papier.  

Auch in der Zahnarztpraxis sind diese Patienten häufig anzutreffen. Das Charakteristikum der Somatoformen Störung ist die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit Forderungen nach einer medizinischen Untersuchung trotz vorher erfolgter negativer Diagnostik. Diese Patienten sind in der Regel von einer körperlichen Ursache ihrer Beschwerden überzeugt und daher umso mehr enttäuscht, dass der behandelnde Arzt/Zahnarzt keine ausreichende organmedizinische Ursache für ihre Beschwerden finden kann. Man denke in diesem Zusammenhang nur vergleichbar an das Symptom der Prothesenunverträglichkeit, das in vielen Zahnarztpraxen nicht selten an der Tagesordnung ist. Ganz besonders interessant auch für den Zahnarzt ist der Teil der Umweltbezogenen Körperbeschwerden (UKB). Unter diesen Aspekt fallen Patienten, die folgende drei Faktoren erfüllen:  

1: Der Betroffene klagt über körperlich attributierte Beschwerden spezifischer (zum Beispiel Schleimhautirritationen) oder unspezifischer Art, zum Beispiel Müdigkeit.

2: Er sieht die Ursache dieser Erscheinungen allein in der Umwelt, ausgelöst durch Chemikalien, Holzschutzmittel, Quecksilber aus Amalgamfüllungen und mehr. Die psychische Kausalität wird strikt vom Patienten abgelehnt.

3: Der Patient wendet sich wiederholt an Ärzte/Zahnärzte, die umweltmedizinische und labormedizinische Untersuchung ergibt keine näheren Anhaltspunkte.

In den Leitlinien erfolgt eine genauere Abgrenzung zwischen den UKB und der allgemeinen somatoformen Störung.

Leitlinien sind evidenzbasiert

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (DGPM) zum Thema „Somatoforme Störungen“ wurden in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), dem Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) sowie der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP) erstellt. Sie sind evidenzbasiert und primär an einzelnen Krankheiten orientiert. Sie umfassen die Krankheitsbilder der 10. Auflage der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der WHO (ICD 10). Sie beinhalten eine Übersicht der empirischen Literatur zu somatoformen Störungen seit 1980 bis September 2001.  

Bei ihrer Erstellung stand die klinische Anwendbarkeit im Vordergrund. Im Vorfeld waren von dem Expertenteam über 6000 Literaturstellen gesichtet worden.

Das Papier ist sicherlich für all die Zahnärzte interessant, die häufig mit den typischen Beschwerden von so genannten „amalgamgeschädigten“ Patienten oder Patienten mit Zungenbrennen, Prothesenunverträglichkeit oder ganz einfach nur allgemeinen körperlichen Problemen in die Zahnarztpraxis kommen.

 

 



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