sg
01.11.15 / 00:03
Heft 21/2015 Titel

Falsches Spiel oder sinnhafte Regeländerung?

Wettbewerber fordern gerne gleich lange Spieße, damit Risiken und Chancen fair verteilt sind. Eine schöne Metapher, an die sich das wirkliche Leben selten hält, die Politik im Übrigen schon gar nicht. Der Gesetzgeber strich im neuen GKV-VSG nur ein Wort - fachübergreifend - und schon scheint die mühsam erhaltene Balance unter den Leistungserbringern dahin. Was kapitalstarke Investoren mit hungrigem Blick auf die Zahnmedizin erfreuen mag, verursacht jedoch bei KZBV und KZVen arge Bauchschmerzen: Von gleich langen „ökonomischen“ Spießen kann nämlich keine Rede mehr sein, eher von Wettbewerbsverzerrung zugunsten der MVZ. Nachdem in der zm Nr. 19 die Protagonisten zu Worte kamen und die möglichen Vorteile darlegten, erläutern nun die Körperschaften ihre Sicht auf den Themenkomplex MVZ.



Mit den arztgruppengleichen MVZ hat die Politik die Spielregeln in der Versorgung erheblich verändert: Die Springerdame namens MVZ ist die neue Superfigur im gesundheitspolitischen Schachspiel. mg/zm

Welche Gründe es für die Politik gibt, Großversorgungsstrukturen à la MVZ zu fördern, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Festzuhalten ist, dass die seit 2003 erstmals möglichen MVZ von der Gesundheitspolitik als ein wesentlicher Baustein zur Lösung der zunehmenden hausärztlichen Unterversorgung im ländlichen Bereich gesehen werden. Deshalb musste das Wort „fachübergreifend“ als ein wesentliches Merkmal der MVZ fallen. Ob dabei auch die Zahnheilkunde im Blickfeld der Entscheider lag? Wohl nicht, dennoch ist das neue GKV-Versorgungsgesetz (GKV-VSG) in der Welt und damit die Möglichkeit rein zahnärztlicher MVZ Realität geworden. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass auch Kommunen MVZs gründen und betreiben dürfen.

 Je mehr Investoren sich der Zahnmedizin zuwenden, desto mehr Zweifel

Dass die zahnärztlichen Körperschaften, die eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung auch im ländlichen Raum sicherzustellen haben, Zweifel am diesbezüglichen Beitrag der MVZ haben, liegt auf der Hand. Wo es bereits heute nur mit erheblichen Mühen gelingt, Praxen auf dem Land zu (er)halten – und das ist nicht nur eine Frage des schulischen und kulturellen Angebots, sondern auch der Wirtschaftlichkeit, wie soll dies mit großen MVZ-Strukturen gelingen? Mit Blick auf die ökomischen Gesetzmäßigkeiten darf dies mit Fug und Recht bezweifelt werden. Umso mehr, je mehr Investoren, vulgo Fremdkapital, sich der vermeintlich lukrativen Zahnmedizin zuwenden.

Dass die Lukrativität sich für MVZs nicht nur auf der Einkaufsseite – hohe Einkaufsvolumina senken Preise – abspielt, sondern auch im Ausschöpfen von Rationalisierungspotenzialen sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Entscheidend ist und bleibt ein ausreichend hohes Patientenaufkommen. KZBV und KZVen stehen somit in der Pflicht, einerseits Wettbewerbs- und Chancengleichheit zwischen Praxen, BAGs und MVZ zu ermöglichen und andererseits die Versorgung im ländlichen Raum nicht aus den Augen zu verlieren. Und zudem den berechtigten Wünschen und Vorstellungen der jungen Zahnärztegeneration gerecht zu werden.

Wie könnte eine Chancengleichheit erreicht werden? Das zentrale Momentum ist die Zahl der Angestellten. Entweder man begrenzt die Zahl der angestellten Zahnärzte in den MVZ auf das Maß, wie es den Einzelpraxen und den BAGs erlaubt ist oder man hebt die zurzeit gültige Begrenzung für die Praxen auf, analog der Möglichkeiten, die MVZ gegeben sind. Dem entgegen steht die aktuelle Gesetzeslage: Nach § 32b der Zulassungsverordnung, die im Bundesmantelvertrag (BMV-Z) und Ersatzkassenvertrag (EKV-Z) für Vertragszahnärzte geregelt ist, darf ein zugelassener Vertragszahnarzt maximal zwei ganztags beschäftigte oder bis zu vier halbtags beschäftigte Zahnärzte anstellen, damit das Prinzip der persönlichen Leistungserbringung gewahrt bleibt.



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