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01.01.04 / 00:14
Heft 01/2004 Titel
Den richtigen Farbton treffen

Farbkompetenz in der Zahnfarbbestimmung

Die Bestimmung der richtigen Zahnfarbe ist aus den verschiedensten Gründen schon immer ein sehr fehleranfälliges Unterfangen. Davon können Sie sich im Folgenden anhand einiger Beispiele aus dem Zahnfarbraum selbst überzeugen.




Auf der linken Seite der Abbildung 1 nehmen die Leser sicherlich hellgraue Umrisslinien wahr, die zwei sich gegenüberstehende Eckzähne darstellen sollen. Rechts hingegen erscheinen Ihnen die Umrisslinien vermutlich deutlich dunkelbraun. Die Wirklichkeit ist aber eine völlig andere: die Umrisslinien besitzen eine identische einheitliche Färbung! Das lässt sich am besten beweisen, indem man den Hintergrund mit einer Maske ausblendet. Bei der Zahnfarbnahme sollte deshalb immer für einen einheitlichen Hintergrund gesorgt sein. Besonders sollten dabei leuchtende und variierende Signalfarben im Hintergrund der Zähne vermieden werden. Dazu gehören Lippenstift, farbige Kleidungsstücke, farbige Wände oder eine uneinheitliche Beleuchtung.

Dass bereits die reine Sonneneinstrahlung einen starken Einfluss auf die Zahnfarbwahrnehmung hat, lässt sich im nächsten Beispiel in Abbildung 2 erkennen. Dabei sind drei leicht unterschiedliche Zähne vor dem Hintergrund eines Lichteinfalls von oben zu sehen. Nur einer dieser Zähne besitzt eine durchgehend einheitliche Farbgebung von oben bis unten – ohne Farbgradienten. Die meisten Betrachter tippen dabei auf Zahn B oder C – in Wirklichkeit ist die Lösung aber Zahn A. Davon können Sie sich überzeugen, wenn Sie den Hintergrund ausblenden. Und genau das sollten Sie auch bei der Zahnfarbnahme in Praxis und Labor tun: Sorgen Sie für gleichmäßige einheitliche Beleuchtungsverhältnisse!

Im einem weiteren Beispiel in Abbildung 3 sind zwei Zähne vor einem Hintergrund zu sehen, der durch den Schatten eines Fensterrollos in der Praxis erzeugt werden könnte. Deutlich ist ein Farbtonunterschied zwischen den beiden Zähnen zu erkennen. Der linke Zahn erscheint etwas bläulicher und blasser, der Zahn rechts dagegen rötlicher und intensiver. Aber auch diesmal liegen wir mit dem Augenschein falsch! Beide Zähne besitzen nämlich eine identische Farbgebung, was sich wieder durch eine entsprechende Maskierung zeigen lässt.

Die gezeigten Täuschungen verdeutlichen, dass der Mensch intuitiv keineswegs immer die tatsächlichen Farbverhältnisse wahrnimmt. Ganz im Gegenteil: Die Zahnfarbwahrnehmung hat manchmal nicht allzu viel mit der Realität zu tun! Daraus wird offensichtlich, dass es erforderlich ist, von der weit verbreiteten gefühlsmäßigen Methode der Zahnfarbbestimmung abzukommen.

Dazu muss man wissen, dass das natürliche intuitive Farbensehen so funktioniert, dass wir zunächst den reinen Farbton bestimmen, dann die Helligkeit und dann die Intensität/Leuchtkraft. Dieses Vorgehen erscheint uns als das natürliche und intuitiv richtige.

Der Farbton steht dabei immer im Vordergrund. So ist es kein Wunder, dass für viele unterschiedliche Farbtöne Wörter existieren, nicht aber für verschiedene Helligkeiten und Sättigungen. Für die Aufgabenstellungen der Zahnfarbbestimmung hat sich aber gezeigt, dass dieses rein intuitive menschliche Farbempfinden mit der starken Betonung auf der Erkennung des Farbtons extrem fehleranfällig ist.

Deshalb ist es eine zwingende Notwendigkeit für alle an Zähnen wirkenden Menschen, ein neues, ihrem technischen Umfeld entsprechendes Zahnfarbbewusstsein zu entwickeln und eine auf einer systematischen Methodik beruhende Farbkompetenz aufzubauen. In diese Richtung führen uns bereits einige einfache Gedanken zum Farbraum der Zähne. Dieser Farbraum ist extrem eingeschränkt auf unbunte Rot – und Gelb – Töne. Die vorrangige Bestimmung eines Farbtons führt hier deshalb zu keiner starken Selektion. Dadurch wird verständlich, dass das bisher verwendete intuitive Vorgehen nach Farbtönen bei der Zahnfarbbestimmung nicht empfehlenswert ist. In der ersten Bestimmungsstufe sollte immer diejenige Kategorie mit der größten Spannbreite an Möglichkeiten angewendet werden. Im Zahnfarbraum ist das mit deutlichem Abstand die Helligkeit. Deshalb empfiehlt sich für eine strukturierte Zahnfarbbestimmung die Reihenfolge: Helligkeit, Sättigung, und erst zum Schluss der Farbton. Obwohl diese Vorgehensweise dem natürlichen Empfinden stark widerspricht, ergeben sich daraus trotzdem entscheidende Vorteile. Durch das vorrangige Beurteilen der Helligkeiten der Zähne ergibt sich eine drastische Verringerung der Fehlerquote der Zahnfarbbestimmung. Das lässt sich sehr gut auch an den Abbildungen eins bis drei zeigen. Die Bestimmung der Helligkeiten der Bilder kann annäherungsweise durch eine Schwarzweißfotografie oder Fotokopie der Bilder bewerkstelligt werden. Betrachtet man diese Bilder, so lösen sich alle zuvor beobachteten Täuschungen auf! Bereits mit diesem einfachen, strukturierten Ansatz „Helligkeit, Intensität, Farbton“ lässt sich also ein Großteil an Fehlern beseitigen. Genau diese wissenschaftliche Methodik liegt übrigens auch dem von der Zahnfirma Vita entwickelten System Vita 3D Master zu Grunde. Dieses dem Zahnfarbraum in idealer Art und Weise angepasste neue System ist deshalb unübertroffen erfolgreich in seinen Ergebnissen. Durch seine klare Strukturiertheit sorgt es erstmals für eine logisch einfache Kommunizierbarkeit der Zahnfarben zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Was früher eine Art Geheimwissenschaft war, wird dadurch für jedermann mehr und mehr zugänglich.

Die Zahnfarbbestimmung ist also ein Paradebeispiel für den klassischen Widerspruch in der Farbwahrnehmung zwischen Logik und Intuition – zwischen Newton und Goethe. Wie gesehen weist das Gefühl hier einen anderen Weg als die wissenschaftliche Logik. Aber wir haben erfahren: Was schön ist und gut erscheint, muss nicht wirklich gut sein, was das Gefühl uns sagt, ist noch lange nicht die Wahrheit. Das macht noch einmal deutlich, dass eine fundierte naturwissenschaftlich orientierte Zahnfarbkompetenz als Werkzeug zur besseren Bestimmung der Zahnfarben Bestandteil einer jeden Ausbildung zu modernen Zahnberufen sein sollte.

Dr. Thomas Ditzinger,
Institut für Sehen und Wahrnehmung
Gerstheckenstraße 14/1
74934 Reinhardshausen
E-Mail: ditzinger@ifsw.de



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