Dr. Claudia Stange
01.12.15 / 00:01
Heft 23/2015 Titel
ZFA 2015

Finden, bilden, binden

Hinterfragen, mitbestimmen, Spaß haben - gestärkt durch einen Nachfragemarkt verändert die Generation Y auch das Berufsbild der ZFA. Schreck lass nach? Nein, sehen Sie es als Chance! Zahnarzt wie Team können daran wachsen.



Die Generation Y möchte lernen und gefordert werden, selbstbestimmt planen und entscheiden können sowie Verantwortung sowohl für sich selbst als auch für andere übernehmen. Vario Images

Verstehen – verändern – verbessern: Der soziokulturelle Wandel in unserer Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter beschleunigt. Besonders bei den Jugendlichen ist die Veränderung der Werte, sowie der Struktur des Alltags deutlich zu spüren. Unter immer komplexeren, globalisierten und digitalisierten Lebensbedingungen erhöht sich zusehends der Leistungsdruck.

Gleichzeitig wird die berufliche Zukunft ebenso wie die Familienplanung immer unsicherer. Diese Veränderungen zu erkennen und für die Ausbildung zur ZFA nutzbar zu machen, war Grund genug, sich im Rahmen der Abschlussarbeit des 8. Studiengangs an der AS Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement damit auseinanderzusetzen.

Aufgrund der zunehmenden Akademisierung sinken die Ausbildungszahlen. Befand sich in den 1980er-Jahren noch über die Hälfte eines Jahrgangs im dualen System der beruflichen Ausbildung und ein Viertel in Hochschulausbildung, haben sich heute die Proportionen umgekehrt: Nur noch ein Viertel macht eine betriebliche Berufsausbildung, die Hälfte erwirbt ihren Abschluss per Studium [Bildungsberichterstattung, 2012]. Die Auswirkungen dieser Veränderungen wurde zuletzt in der Shell Studie 2015 untersucht.

Nach der Lehre die Leere?

Zum heutigen Tag sind die Ausbildungszahlen zur ZFA im Vergleich zu anderen Branchen stabil. Allerdings sinkt die Berufszufriedenheit, über 60 Prozent der Auszubildenden würden am Ende ihrer Ausbildung diesen Beruf nicht erneut ergreifen; ein Drittel der ausgebildeten ZFA arbeitet im Anschluss nicht im erlernten Beruf. Ein derartiges Potenzial aufzugeben, kann nicht im Sinne der ausbildenden Zahnärzte sein. Die Auswirkungen des demografischen Wandels und des mittelfristig zu erwartenden daraus resultierenden Fachkräftemangels werden die Arbeitgeber künftig vor neue Herausforderungen stellen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Arbeitsmarkt von einem Verkäufermarkt in einen Käufermarkt gewandelt [Parment, 2009]. Konnte man früher Mitarbeiter unter zahlreichen Bewerbungen auswählen, gilt es heute, fähige Angestellte für den eigenen Betrieb zu gewinnen. In vielen Branchen entscheidet schon heute nicht mehr der Arbeitgeber über die Einstellung eines qualifizierten Bewerbers, sondern der Kandidat hat die Auswahl, welches Angebot er annehmen möchte [Trost, 2009].

Die Veränderung der Generation Y – das sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aktuell zwischen 15 und 30 Jahren alt sind – erfordert ein Umdenken in der Zahnarztpraxis, um die Ausbildung an die neuen Entwicklungen anzupassen. Sie ist die erste Generation der „Digital Natives“. Computer, Tablets und Smartphones, Google und Facebook gehören für sie zum Alltag. Im Vergleich zu den vorherigen Generationen erlebt die Generation Y eine veränderte wirtschaftliche und politische Lage.

Terroranschläge, weltweite Kriege, Finanzkrisen und epochale ökologische Veränderungen bestimmen die sensible und formative Zeit ihres Jugendalters. Arbeitsplätze und Renten sind unsicher, die Zukunft ungewiss. Sie ist den Umgang mit Ungewissheiten der Lebensplanung gewohnt und hat gelernt, das Beste aus jeder noch so undurchsichtigen Situation zu machen, zu sondieren und zu taktieren, um sich stets möglichst viele Optionen offen zu halten. Diese Mentalität hat ihr den Namen gegeben, der mit dem Wort „Why“ die fragende und suchende Grundhaltung ausdrückt.



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