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16.09.12 / 12:50
Heft 18/2012 Zahnmedizin
Prophylaxe

Fluorideffizienz von Zahnpaste mit und ohne Nachspülen

Ein In-situ-Modell mit 20 Bracket-Patienten wurde benutzt, um den Einfluss von verschiedenen Zahnputz- und Mundspülgewohnheiten auf die Schmelzdemineralisation und Fluoridretention zu vergleichen. Die Anwendung einer 5000-ppm-haltigen Fluorid-Zahnpasta ohne Mundspülung mit Wasser direkt nach dem Zähneputzen hat ein größeres Kariespräventionspotenzial und eine höhere Fluoridretention zur Folge als die Anwendung einer 1450-ppm-haltigen Fluorid-Zahnpasta und dreimaliger Mundspülung mit Wasser.



Verändertes Mundhygieneregime kann besser vor Karies schützen. Foto: Abt. f. Zahnerhaltung, Charité Berlin

Die Anwendung von fluoridhaltigen Zahnpasten wird generell als der entscheidende Grund für die Kariesreduktion in Industrieländern angesehen. Zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle: 1. die Fluoridkonzentration und 2. das Ausspülen mit Wasser nach dem Zähneputzen. Es scheint, dass es eine eindeutige Korrelation zwischen Fluorid-Konzentration (bis zu 5000 ppm) und Kariesprävention gibt. Das Ausspülen mit Wasser nach dem Zähneputzen korreliert dabei mit dem Befall und der Ausprägung der Karies.

Material und Methode

24 Patienten waren an der Studie in der Abteilung für Kieferorthopädie der Universität Göteborg beteiligt. Für alle wurde eine mittlere bis hohe Anzahl von Streptococci mutans im stimulierten Speichel nachgewiesen und bei allen waren zwei obere kariesfreie Prämolaren für die Extraktion vorgesehen. Dazu diente das In-situ-Modell von Ogaard et al.. So wurden kieferorthopädische Edelstahlbänder auf den ersten Prämolar zementiert, mit einem Abstand von zwei bis drei Millimetern zwischen dem Band und dem zementfreien Zahnschmelz, so dass sich Plaque und Speisereste ansammeln konnten. Die Zähne wurden dann nach acht und neun Wochen extrahiert.

Während dieser Zeit haben zwei Patientengruppen unterschiedliche Mundhygienemaßnahmen durchgeführt: In der Testgruppe wurde eine hoch konzentrierte Zahnpasta (5000 ppm F-) als NaF (Duraphat, Colgate) eingesetzt und mit dem Zahnpastabrei für 30 Sekunden gespült. Es erfolgte danach keine Mundspülung mit Wasser.

In der Kontrollgruppe wurde dagegen eine normale Zahnpasta mit 1450 ppm Fluorid (Maximum Cavity Protection, Colgate) von den Patienten eingesetzt und nach Beendigung der Putzaktion dreimal für zehn Sekunden mit Wasser gespült.

Nach acht bis neun Wochen erfolgte erneut eine Untersuchung an der Zahnklinik und es wurde unstimulierter Speichel sowie die Flüssigkeit unter dem Band an den zu extrahierenden Zähnen gewonnen. Danach haben die Patienten die Zähne entsprechend ihrer Gruppe geputzt. Danach erfolgte erneut die Flüssigkeitsentnahme nach ein, drei, fünf, zehn, 20 und 30 Minuten.

Die Analysen der Fluoridkonzentration der Flüssigkeitsproben erfolgte im Labor, und nach der Zahnextraktion wurden die bukkalen Läsionen mittels der quantitativen lichtinduzierten Fluoreszenz (QLF) untersucht. Läsionsfläche (in Quadratmillimetern) und durchschnittliche Fluoreszenzänderung (Delta F; in Prozent) wurden berechnet.

Ergebnisse

Die Kontrollgruppe zeigte einen signifikant (p ‹ 0,05) erhöhten durchschnittlichen Fluoreszenzverlust, verglichen mit dem daneben befindlichen gesunden Schmelz. Die Testgruppe zeigte die höchste Fluoridkonzentration in der Flüssigkeit, die unter dem Band gewonnen wurde, verglichen mit dem Ergebnis der Kontrollgruppe (p ‹ 0,001).

Diskussion

Obwohl beide Gruppen Schmelzfluoreszenzverlust aufwiesen, waren die Veränderungen während der Beobachtungszeit ziemlich gering, was durch die kurze Studienlaufzeit erklärt werden kann. Es wäre interessant gewesen zu bestimmen, ob die Fluoridkonzentration in der Zahnpasta oder ob die Mundspülung mit Wasser nach dem Zähneputzen den größeren Einfluss hat. In vielen Ländern sind keine hoch konzentrierten Fluorid-Zahnpasten mit 5000 ppm zugelassen. Die Autoren glauben aber, dass eine Anwendung einer Fluorid-Zahnpasta mit 1450 ppm ohne Mundspülung mit Wasser nach dem Zähneputzen ein guter Kompromiss für die Kariesprävention sei. Für die Kariesrisikogruppen, zum Beispiel Patienten mit Mundtrockenheit, mit Brackets oder mit freiliegenden Zahnhälsen, empfehlen die Autoren die 5000 ppm enthaltende Fluorid-Zahnpasta. Patienten sollen sich aber der möglichen Nebenwirkungen bewusst sein, wie etwa der Schleimhautirritation oder toxikologischen Effekten, deren Wahrscheinlichkeit nach Meinung der Autoren sehr gering sei und grundsätzlich auf Kinder vor dem zwölften Lebensjahr beschränkt ist.

Auf der Basis der Studienergebnisse kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass eine 5000 ppm enthaltende Fluorid-Zahnpasta ohne Mundspülung mit Wasser nach dem Zähneputzen eine stärkere Kariesprävention und eine höhere Fluoridretention bewirkt als eine 1450 ppm Fluorid enthaltende Zahnpasta, nach deren Anwendung der Mund mit Wasser gespült wurde.

Quelle: Kharsa S, Kjellberg H, Birkhed D. Combination of high-fluoride toothpaste and no post-brushing water rinsing on enamel demineralization using an in-situ caries model with orthodontic bands. Acta Odontol Scand 2010;68:323-328.

Marta Czownicka

Charité-Universitätsmedizin Berlin

CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Abteilung für Parodontologie und Synoptische Zahnmedizin

Aßmannshauser Str. 4-6

14197 Berlin

marta.czownicka@charite.de



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