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16.11.11 / 00:01
Heft 22/2011 Politik
52. Bayerischer Zahnärztetag

Fokussiert: Praxisreife Innovationen

Sind praxisreife Innovationen, moderne Behandlungsmethoden und andererseits wirtschaftliche Bedingungen, die auf eine 24 Jahre alte GOZ aufsetzen, ein unüberwindbarer Widerspruch? Nein, meint Bayerns Landeszahnärztekammer: Gerade schwierige wirtschaftliche Verhältnisse erfordern den Einsatz neuer Methoden. Die hohe Besucherzahl beim 52. Bayerischen Zahnärztetag (20. bis 22.10.2011 in München) gab dem Veranstalter Recht.




Die Faustformel ist bekannt: Medizinisches Wissen hat heute eine Halbwertszeit von nur noch zehn Jahren. Diesen Hinweis zum Sinn zahnärztlicher Fortbildung ergänzte Prof Dr. Christoph Benz auf dem Eröffnungs- Festakt des Zahnärztetages durch die Darstellung des Wandels im zahnärztlichen Berufsbild. Heute werden, so verdeutlichte Bayerns Kammerpräsident, bereits 39 Prozent der Praxen von Zahnärztinnen geführt: „Wir brauchen keine Quoten, sondern Aspirantinnen.“ Benz warnte vor dem Einreißen „französischer Verhältnisse“, in denen Zahnärzte mangels gut ausgebildeten zahnmedizinischen Fachpersonals – quasi im Wohnzimmer der eigenen Wohnung – ohne Unterstützung ausgebildeten Personals alles allein machen. Hier sei inzwischen Nachholbedarf erkennbar.

Aber damit nicht genug: Statt vorrangig zu „bohren“ habe der Zahnarzt heute ein deutlich breiteres Aufgabengebiet, das von der Vorsorge bei Kindern bis zur zahnmedizinischen Betreuung von Patienten selbst im Stadium der Altenpflege reicht.

Angesichts dieses Leistungsspektrums vermisst Benz allerdings den gesellschaftlichen Respekt für Deutschlands Zahnärzte. Seine Kritik mit Blick auf die unzulängliche GOZNovelle: Wenn „nicht einmal die Teuerungsrate“ der letzten Jahre gewährt werde, habe das mit Wertschätzung wenig zu tun.

Dass er diese Haltung nicht pauschalisiert, zeigte er durch seinen Dank an die bayerische Landespolitik. Sowohl Bayerns Ministerium für Wissenschaft wie auch das Gesundheitsministerium hätten sich auf Bundesebene mehrfach für die Zahnärzteschaft verwendet.

Bayerns besondere Wege

Dr. Markus Söder bestätigte auf dem Zahnärztetag – noch in seiner Aufgabe als Gesundheitsminister –, dass man sich im Einvernehmen mit der Zahnärzteschaft im Bundesrat gegen die Öffnungsklausel der GOZ, aber auch für eine Angleichung des GOZ-Punktwerts an den der ärztlichen Gebührenordnung eingesetzt habe. Die Punktwertangleichung habe aber, so der Minister in seinem Grußwort, im Rat keine Mehrheit gefunden. Söder konstatierte, dass es in vielen anderen Bundesländern keine so gut funktionierende Kooperation zwischen Zahnärzteschaft und Staatsregierung gibt.

Dass man in Bayern bereit ist, besondere Wege zu gehen, zeigte auch die Ankündigung, dass der kommende Zahnärztetag 2012 in Zusammenarbeit mit der Bayerischen KZV organisiert wird. Bayerns KZV-Vorsitzender Dr. Janusz Rat betonte die Wichtigkeit des Zusammenspiels wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

Eine entsprechende Mischung bot das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde entwickelte Programm, das den praxisbezogenen Wissensstand von Themen wie Chairside-CAD/ CAM, 3-D-Röntgen, Nanocomposites oder Implantologie bis zur Darstellung künftiger Möglichkeiten der Stammzellforschung in der Zahnmedizin oder der Darstellung von Verträglichkeitsverfahren und Datenbanken über das allergene Potenzial restaurativer Materialien, insbesondere aktuelle Erkenntnisse über die Toxikologie von Kompositen, umfasste.

Praxisnahe Methoden zur Raucherentwöhnung durch das zahnärztliche Team oder auch die konkrete Darstellung von notfallmedizinischen Maßnahmen ergänzten das Fortbildungsprogramm ebenso wie der Kongress „Praxiswissen von A bis Z“ für das zahnärztliche Praxispersonal.



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