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01.01.16 / 00:01
Heft 01/2016 Praxis
Broschüre "Der Weg in die Freiberuflichkeit"

Formen der Berufsausübung

Das Studium ist geschafft, die Assistenz absolviert, die Approbation endlich da. Spätestens jetzt stellt sich die Frage: Wie will ich als Zahnarzt arbeiten? Alles ist möglich: selbstständig, angestellt, alleine, mit anderen zusammen. Keine Entscheidung ist so schwierig und so weitreichend, stellt man doch die Weichen für sein Berufsleben.




Die ersten Überlegungen gelten den Fragen, auf welche Form der Profession steuere ich zu, welche fachliche und persönliche Schwerpunktbildung strebe ich an und was muss ich jetzt schon tun, um mir den einen oder anderen Weg zu ermöglichen beziehungsweise nicht zu verbauen?

Die für eine Zulassung zu den gesetzlichen Krankenkassen notwendige zweijährige Vorbereitungszeit als Assistent in einer deutschen vertragszahnärztlichen Praxis und/oder teilweise in einer Klinik wird nach wie vor am Anfang der Berufsausübung stehen. Wird eine drei bis vier Jahre dauernde fachzahnärztliche Weiterbildung angestrebt, muss sich der junge Zahnarzt – um Zeitverluste zu vermeiden – bei der jeweiligen Kammer nach den Modalitäten der Weiterbildungsgänge erkundigen und seine Weiterbildungstätigkeit, die auch auf die Vorbereitungszeit angerechnet wird, danach ausrichten.

Berufsausübungsmöglichkeiten im Angestelltenverhältnis

Nach Beendigung der zweijährigen Vorbereitungszeit beziehungsweise nach der Fachzahnarztanerkennung besteht als Alternative zur Selbstständigkeit in eigener Praxis oder als Sozius in einer der Formen der Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) auch die Möglichkeit einer auf Dauer ausgerichteten Tätigkeit im Angestelltenverhältnis in Praxen, Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

Als angestellter Zahnarzt in einer der genannten Einrichtungen ist man sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer. Eine Beschäftigung als „freier Mitarbeiter“, der seine Tätigkeit in Rechnung stellt, ist rechtlich nicht zulässig. Während sich in Kliniken die Arbeitsentgelte und Arbeitsbedingungen meist aus tarifvertraglichen Regelungen ableiten, fehlt es bei der Beschäftigung in einer Praxis und im MVZ an solchen Regelungen. Löhne und Arbeitsbedingungen unterliegen dort der freien Vereinbarung. Für Zahnärztinnen gelten die besonderen Schutzvorschriften des Mutterschutzgesetzes, was zu einem faktischen Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft führt.

Für die Beschäftigung eines sogenannten angestellten Zahnarztes braucht der Praxisinhaber die Genehmigung des Zulassungsausschusses der jeweiligen KZV (§ 32 b ZV-Z). Der anzustellende Zahnarzt muss dabei die gleichen Voraussetzungen erfüllen, die ihn zu einer eigenen Zulassung berechtigen. Die Anzahl der „angestellten Zahnärzte“ ist auf zwei Vollzeitbeschäftigte oder vier Halbzeitbeschäftigte beschränkt.

Im Regressfall haftet der Praxisinhaber gegenüber den Krankenkassen für eventuelles Fehlverhalten bei ihm beschäftigter Zahnärzte. Das Gleiche gilt für die Haftung gegenüber den Patienten der Praxis bei Behandlungsfehlern. Allerdings haftet der angestellte Zahnarzt hier auch noch persönlich aufgrund § 823 BGB. Diese persönliche „Handlungshaftung“ des angestellten Zahnarztes (auch schon des Vorbereitungsassistenten) sollte in den Praxishaftpflichtversicherungen möglichst ausdrücklich mit abgesichert sein, was oft nicht der Fall ist. Eine zusätzliche eigene Haftpflichtversicherung des angestellten Zahnarztes ist – auch aus weiteren Gründen – dringend anzuraten.

Die Beschäftigung in einem MVZ ist – ebenso wie die in einer Klinik – nicht von einer Genehmigung durch den Zulassungsausschuss oder die jeweilige KZV abhängig und daher frei vereinbar. Als Besonderheit gilt, dass im MVZ tätige Zahnärzte keinen Weisungen von Nichtzahnärzten im Rahmen der zahnärztlichen Berufsausübung unterworfen sein dürfen.



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Kommentare

Leserkommentare (1)

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Ruben Stelzner
13.01.16 / 16:42
Beschäftigung im MVZ muss durch Zulassungsausschuss

Auf Seite 1 wird erwähnt, dass die Beschäftigung eines Zahnarztes in einem MVZ nicht der Genehmigung durch den Zulassungsausschuss bedarf. Wenn es tatsächlich so gemeint ist, handelt es sich um eine Falschinformation. Sowohl angestellte Zahnärzte als auch selbstständige Zahnärzte benötigen eine Genehmigung durch den Zulassungsausschuss. Das könnte eventuell zu Verwirrungen bei der Kollegenschaft führen, gerade weil das Thema MVZ derzeit sehr aktuell ist. Mit freundlichen Grüßen