zm-online
01.04.03 / 00:14
Heft 07/2003 Politik
Die andere Meinung

Fortbildung ist Lebensgestaltung

Anlässlich der Feierstunde zum 25. Dienstjubiläum von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Michael Heners, Direktor der Akademie Karlsruhe, hielt Professor Dr. Winfried Walther eine Rede mit dem Thema „Partner auf dem Weg zur Professionalisierung“. Seine grundlegenden Gedanken hierzu sind auch überregional von großem Interesse und durchaus diskussionswürdig. Hier der Vortrag in gestraffter Form.



Prof. Dr. Winfried Walther, Karlsruhe, macht sich Gedanken über den Auftrag „Fortbildung“ aus der Sicht desjenigen, der Zahnärzten Fortbildung anbietet, damit diese sich „professionalisieren“. Foto: zm

Obwohl Fortbildung unser Hauptamt ist und wir ständig an ihr arbeiten, wissen nur wenige, welche Arbeit sie bedeutet. Wieviel Konzentration und Energie erforderlich ist, um diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen.

Der Hauptgrund hierfür ist nach unserer Erfahrung die Tatsache, dass sehr viele glauben, über Fortbildung Bescheid zu wissen, und zwar auch ohne jemals mit ihren praktischen Problemen in Berührung gekommen zu sein. Wenn auf einem solcherart vorgegebenen Niveau über Fortbildung gesprochen wird, so werden in der Regel sehr einfache Vorstellungen zu diesem Thema propagiert. Fortbildungsarbeit umfasst Ziele, die sehr viel weiter greifen als die Profitabilität des Veranstalters und die Einrichtung eines effizienten Informationsmanagements. Solche Modelle stellen Halbwahrheiten dar, die zum Missbrauch der Fortbildung führen. Zahnärzte sind keine Studenten, die Wissen erst erwerben sollen. Sie sind Wissende, die ihren individuellen, komplexen Informations- und Erfahrungsschatz pflegen und erweitern müssen.

Wir müssen uns mit diesen „Trivialmodellen“ der Fortbildung auseinandersetzen, denn wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt, bald vermutlich auch in Gesetzesform. Dabei wissen wir, dass nichts schwerer ins Wanken zu bringen ist, als eine plausible Halbwahrheit, egal über welche Argumente man verfügt.

Das Modell, mit dem ich die Intentionen und die praktische Arbeit der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe zusammenfasse, möchte ich als Professionalisierungsmodell bezeichnen.

Um diesen Begriff zu verstehen, sind zwei Dinge notwendig:

• Wir müssen klären welche Strategie ein niedergelassener Praktiker beherzigen muss, um ein guter Zahnarzt zu werden beziehungsweise ein guter Zahnarzt zu bleiben und

• wir müssen uns vergegenwärtigen, was eine Profession ist.

Ein guter Zahnarzt zu werden ist in keinem Fall eine leichte Aufgabe. Sie wird erleichtert, wenn man eine klare Vorstellung von der Profession hat, der man angehört.

Aber was ist eine Profession? Diese Frage wird vornehmlich von Wissenschaftlern bearbeitet, die sich mit der Kunst auskennen, Begriffe zu schaffen – allen voran den Pädagogen.

Kurz zusammengefasst bedeutet Professionalisierung berufliche Autonomie – insbesondere auch eine geistige Autonomie – bei gleichzeitiger Verpflichtung auf eine am Gemeinwohl ausgerichtete Handlungsorientierung. Und genau darauf setzt die Fortbildung in der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe. Es ist ein – im besten Sinne des Wortes – ganzheitlicher Ansatz, der auf die individuellen Entfaltungschancen des einzelnen Zahnarztes setzt.

Fortbildung, die sich dieser Art von individueller und gesellschaftlicher Entwicklung verschreibt, bedarf selbst einer ständigen Selbstkontrolle der Verantwortlichen. Dass die Akademie sich schon früh diesem Ziel verpflichtet hat, beweist ein Vorwort zum Programm von 1984, in dem Professor Heners schrieb: „Fortbildung ist keine Frage der Mode, Fortbildung ist eine Frage der Lebensgestaltung. Fortbildung ist deshalb für alle Beteiligten keine leichte, sondern eine schwere Aufgabe. Fortbildung bedarf der guten Organisation und der inneren Ruhe.“ In den vergangenen Jahren hat sich vielmehr unsere Einsicht gefestigt, dass es wohlfeile Konzepte für eine gute Fortbildung nicht gibt. Die Vorstellung, aus der Fülle von fachbezogenen Publikationen könne eine Behörde oder sonst wer den „aktuellen Lehrplan“ für eine Profession herausfiltern und dann noch Zeit und Aufwand für den benötigten Unterricht festlegen, ist absurd.

Unser Ziel – auch in Zukunft – bleibt der autonome Zahnarzt, der sich kontinuierlich darin verbessert, ärztlich begründet zu handeln und der sich der gesellschaftlichen Verantwortung seiner Profession stellt. Die Wege zu diesem Ziel müssen kontinuierlich mit den Bedürfnissen der Zahnärzte abgestimmt werden. Auch in Zukunft ist ein vielfältiges Fortbildungsangebot unabdingbar, damit der Zahnarzt seine individuellen Bildungsziele verwirklichen kann. Neue Formen der Kommunikation werden dabei ständig an Bedeutung gewinnen. Fortbildung wird nicht im Hörsaal haltmachen sondern in die Praxis einziehen. Vor Ort die richtigen Maßnahmen einführen und die richtigen Entscheidungen treffen – das wird in Zukunft eine Aufgabe der interkollegialen Begegnung sein.

Prof. Dr. Winfried Walther
Sophienstraße 41
76133 Karlsruhe



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