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01.01.17 / 00:03
Heft 01/2017 Zahnmedizin
Gender Dentistry

„Frauen haben mehr Angst vor der Endo“

Muss man als Zahnarzt die Therapie individuell auf den Mann oder die Frau abstimmen? Unbedingt, sagt Dr. Theresia Janke. Die Zahnärztin wurde gerade vom Verband Gender Dentistry International (GDI) für ihre Promotion über „Endodontie und Geschlecht“ ausgezeichnet.



Dr. Theresia Janke und ihr Doktorvater Prof. Dr. Michael Hülsmann, Göttingen, auf der GDI- Mitgliederversammlung bei der Preisübergabe im November – eingerahmt von Stifter und GDI-Vizepräsident Dr. Tim Nolting (M.Sc.) und GDI-Präsidentin PD Dr. Dr. Christiane Gleissner. © GDI/Wolff

Frau Dr. Janke, wie sinnvoll ist Gender Dentistry?
Dr. Theresia Janke: Gender Dentistry ist durchaus ein interessanter Aspekt, jeder Mensch ist einzigartig und hat im Vergleich zu anderen viele Unterschiede, wobei das Geschlecht nur ein Punkt ist. Wenn es also diesbezüglich Differenzen im Erfolg bestimmter Therapien gibt, und/oder ein geschlechterspezifisches Vorgehen sinnvoll ist, finde ich es wichtig, diese als Zahnärztin zu kennen.

Viele vorhandene Studien untersuchten diese Unterschiede bislang nicht gezielt, oft nur als Nebenbefund und ohne die klinische Bedeutung oder Erklärung zu erkennen oder zu finden. Ich würde mir für die Zukunft genauere Erkenntnisse in der Forschung wünschen, um als behandelnde Zahnärztin individuell meine Therapie auf den Mann oder die Frau abstimmen zu können.

Sie haben sich mit den „Besonderheiten der endodontischen Behandlung von Frauen“ befasst.
Ich habe eine Analyse der bereits vorhandenen Literatur durchgeführt, die zeigt, dass die meisten Aspekte der Endodontie bislang nicht ausreichend auf geschlechterspezifische Differenzen durchleuchtet wurden. Es liegen Hinweise vor, dass es solche Unterschiede gibt, aber die jeweilige klinische Relevanz bedarf künftig noch genauer Abklärung.

Ein Punkt ist allerdings genau nachgewiesen: Frauen geben öfter als Männer an, Angst vor der zahnärztlichen und auch endodontischen Behandlung zu haben. Auch Unterschiede im Knochenstoffwechsel, Stichwort Bisphosphonate, spielen eine Rolle, ebenso natürlich der Aspekt der endodontischen Behandlung während der Schwangerschaft.

Wie viele Studien hierzu gibt es denn?
Das kann ich Ihnen nicht mit einer genauen Zahl beantworten. Ich habe mich mit den Studien von Januar 2002 bis Dezember 2014 des Journal of Endodontics und des International Endodontic Journals beschäftigt, die in dieser Zeit eine Gesamtzahl von 913 klinischen Studien publiziert haben, wovon 114 Studien die Ergebnisse nach Geschlecht aufschlüsselten.

Das Geschlecht der Probanden wurde dabei fast ausschließlich „nebenbei“ registriert und selten gezielt untersucht, da Geschlechter unterschieden in der Endodontie bisher kaum Bedeutung beigemessen wurde. Studien, die gezielt nach geschlechterspezifischen Differenzen in der Endodontie suchen, können Sie an einer Hand abzählen.

Welche Hinweise geben Sie für eine geschlechtersensible endodontische Therapie?
Der Geschlechteraspekt in der Endodontie ist noch lange nicht vollständig erforscht, dies gilt unter anderem für genetische und biologische (hormonelle) Gesichtspunkte, es wird sicher noch viele Jahre und viele Studien benötigen. Meine Arbeit hat vor allem aufgedeckt, wo überall es mögliche Unterschiede geben kann und dass sich bislang kaum damit befasst wurde.

Für eine erfolgreiche Therapie, vor allem im Hinblick auf Schmerzverhalten oder Anatomie, Physiologie, Diagnostik, Anästhesie und Prognose wäre es für jeden Zahnarzt sinnvoll, den Patienten oder die Patientin genau zu kennen, um sie oder ihn entsprechend individuell therapieren zu können.

Für Ihre Promotionsarbeit „Endodontie und Geschlecht – Besonderheiten der endodontischen Behandlung von Frauen“ wurde Dr. Theresia Janke mit dem „Nolting Award for Studies in Gender Dentistry“ ausgezeichnet.



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