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01.12.16 / 00:01
Heft 23/2016 Der besondere Fall mit CME
Der besondere Fall mit CME

Fremdkörper in der Kieferhöhle



In rund 30 Prozent der Fälle hat die Sinusitis maxillaris odontogene Ursachen. Dieser Fall zeigt: Um die Schneider`sche Membran nicht zu verletzen und keine Fremdkörper in die Kieferhöhle zu luxieren, ist es besonders wichtig, Manipulationen am seitlichen Oberkiefer vorsichtig und unter postoperativer Kontrolle durchzuführen.




Eine 45-jährige Patientin stellte sich erstmalig im Mai 2016 nach Überweisung durch den behandelnden Hauszahnarzt mit der Bitte um  Abklärung einer radiologisch suspekten Verschattung im Bereich der
Kieferhöhle links in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie der Universität Rostock vor.

Die allgemeine Anamnese ergab eine Hypothyreose sowie rezidivierende Migräneanfälle. Des Weiteren gab die Patientin Allergien gegenüber diversen Kontrastmitteln und Novaminsulfon an. Die durch den Hauszahnarzt angefertigte Panoramaschichtaufnahme (Abbildung 1) zeigte – neben mehreren kleinen metalldichten Verschattungen im Bereich der Wurzeln von 24, 25, 26 – eine C-förmige knochendichte Läsion im Bereich des Daches der linken Kieferhöhle.

Da die Patientin seit mehreren Wochen über leichte Schmerzen und ein Druckgefühl im Bereich der Kieferhöhle linksseitig sowie eingeschränkte Nasenatmung klagte, wurde ein CT des Mittelgesichtes ohne Kontrastmittel erstellt. Die Auswertung des Selbigen zeigte neben einer linkskonvexen Septumdeviation sowie einer mediobasalen Schleimhautschwellung in beiden Kieferhöhlen, den vermuteten Fremdkörper in Höhe des Daches der linken Kieferhöhle eingebettet in einen den Fremdkörper umgebenden Weichgewebssaum (Abbildungen 2 und 3).

Da nähere Information zum Ablauf der Wurzelkanalbehandlung an 24, 25 und 26 (vor etwa zehn Jahren) nicht verfügbar waren, entschieden wir uns gemeinsam mit dem Hauszahnarzt für eine Wurzelspitzen- resektion an 24 und 25 sowie für die Extraktion von 26 und Entfernung des Fremdkörpers aus der linken Kieferhöhle. Aufgrund der erfahrungsgemäß zu erwartenden Komplexität solcher Eingriffe erfolgte die weitere Behandlung unter stationären Bedingungen. Der geplante Eingriff wurde mit antibiotischer Abschirmung (i.v. 3 x 3g Ampicillin/Sulbactam für fünf Tage) unter Intubationsnarkose durchgeführt.

Im linken Oberkiefer wurde zunächst mittels Piezochirurgie-Gerät mit der Wurzelspitzenresektion an den Zähnen 24 und 25 begonnen. Dabei wurden die Wurzelspitzen jeweils um 3 bis 4 mm gekürzt, eine retrograde Kanalaufbereitung und eine retrograde Wurzelkanalfüllung durchgeführt sowie Granulationsgewebe und altes Wurzelfüllmaterial periapikal entfernt (Abbildung 4). Die Kavitäten wurden im Anschluss intensiv mit NaCl gespült.

Im nächsten Schritt konnte der Zahn 26 minimalinvasiv entfernt und das unmittelbar apikal liegende Wurzelfüllmaterial sowie Granulationsgewebe exkochleiert werden (Abbildungen 5 und 6). Hiernach konnte im Bereich der fazialen Kieferhöhlenwand rechts – unter erneuter Verwendung des Piezochirurgie-Gerätes ein Knochendeckel angelegt werden. Da die Schneider’sche-Membran bei der Zahnentfernung rupturierte, war bereits nach vorsichtiger Luxation des Knochendeckels ein breiter Zugang zur Kieferhöhle vorhanden.

Im Folgenden wurde zunächst der am Dach der Kieferhöhle vermutete Fremdkörper endoskopisch aufgesucht und samt dem ihn umgebenden Granulationsgewebe entfernt (Abbildung 7). Anschließend wurde die Kieferhöhle mehrfach mit NaCl-Lösung gespült. Da sich die Kieferhöhlenschleimhaut polypös darstellte und der Nasengang komplett verlegt war, musste ein Fenster zum unteren Nasengang angelegt und ein entsprechendes Drainageröhrchen angebracht werden. Teile des gewonnenen autologen Knochens wurde zur Stabilisierung des Alveolen- bodens und zur Ridge Preservation regio 26 verwendet. Der Knochendeckel wurde anschließend reponiert und mit resorbierbaren Nähten befestigt. Abschließend erfolgte der spannungsfreie und speicheldichte Wundverschluss.

Die histologische Aufbereitung des entfernten Materials ergab eine mäßig chronische, gering granulierende und fibrosierende sowie pseudopolypöse Sinusitis maxillaris ohne Anhalt auf eine Aspergillose. Bei dem geborgenen Objekt handelte es sich um einen fast 1,5 Zentimeter langen, C-förmig gebogenen Stift, welcher in dieser Form zur Warm-3D-Obturation von Wurzelkanälen Verwendung findet. Die postoperativ angefertigte Panoramaschichtaufnahme zeigt die vollständige Entfernung des Fremdkörpers aus der Kieferhöhle (Abbildung 9).

Bereits wenige Tage nach dem Eingriff waren die Beschwerden rückläufig und die Patientin konnte in gutem Allgemein- zustand aus der Klinik entlassen werden. Am 14. postoperativen Tag fand die Nahtentfernung statt, und nach einer weiteren Woche wurde das Drainageröhrchen entfernt.

Im Rahmen der Nachkontrolle zeigten sich die initial beschriebenen Beschwerden der Patientin vollständig rückläufig. Nach Konsolidierung der knöchernen Situation in regio 26 (mindestens sechs Monate) kann mit der Planung einer implantatgetragenen Lückenversorgung begonnen werden.



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